Ovarialkarzinom: Muskulatur als Krankheitsorakel?

7. Dezember 2015
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Ergebnisse routinemäßig durchgeführter Untersuchungen könnten mehrfach verwendet werden, um die Progonsegenauigkeit bei Ovarialkarzinomen zu erhöhen. Analysen lassen auf einen Zusammenhang zwischen Tumorentwicklung und Qualität der Skelettmuskulatur schließen.

Das Ovarialkarzinom gilt als eine der aggressivsten gynäkologischen Tumorerkrankungen. Daher suchen Wissenschaftler stetig nach Parametern, die helfen, den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen besser einschätzen zu können. Wissenschaftler des Comprehensive Cancer Center (CCC) der Medinzinisches Universität Wien (MedUni Wien) und des AKH Wien konnten nun in einer Studie nachweisen, dass die Qualität der Skelettmuskulatur einen unabhängiger Prognosefaktor darstellt. Damit könnte die Therapie gezielter ausgewählt und somit auch die Behandlungsergebnisse verbessert werden.

Zusammenhang zwischen Krankheitsverlauf und Muskelqualität?

In Österreich wird bei etwa 650 Frauen jährlich ein Ovarialkarzinom diagnostiziert. An der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien werden pro Jahr rund 60 Primärfälle von epithelialem Ovarialkarzinom (EOC) therapiert.

Durch eine Tumorerkrankung kommt es zu Veränderungen im gesamten Stoffwechsel, die Patienten nehmen oft stark ab, die Qualität der Skelettmuskulatur verändert sich durch Fettenlagerung. Deshalb haben Marker für Tumorkachexie eine zentrale Bedeutung für das Verständnis der molekularen Mechanismen des Tumorgwachstums und damit zusammenhängend auch für die Krankheitsprognose. Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Kooperation mit der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin an 140 Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom durchgeführt. Das Ziel war es zu untersuchen, in wie weit die Messung der Körperzusammensetzung (z.B. der Muskelqualität) mittels einer speziellen Analyse von Computertomographie-Untersuchungen, die vor der Therapie durchgeführt wurden, prognostisch aussagekräftig ist und ob diese Messungen helfen könnten, die Therapieplanung für die einzelne Patientin individuell zu optimieren.

Routinemäßig erstellte Befunde zweitverwerten

„Wir wollten Parameter nutzen, die in der Routine leicht erhoben werden können, beziehungsweise Analyseverfahren heranziehen, die wir ohnehin für andere Zwecke verwenden“, erklärt Erstautorin der Studie Stefanie Aust. Da CT-Befunde sowieso routinemäßig vor jeder OP erstellt werden, um die Ausdehnung und die Operabilität des Tumors beurteilen zu können, wurde in der Studie untersucht, ob man diese Analyse erweitern kann, um zusätzliche Einblicke in die tumorassoziierten Veränderungen zu gewinnen. „Wir haben die Muskelqualität als einen Marker für den Ernährungs- und Entzündungsstatus und zusätzlich klinisch-pathologische Parameter untersucht. Dabei konnten wir zeigen, dass die Qualität der Skelettmuskulatur sehr aussagekräftig ist. War sie bei Diagnoseerstellung schlecht, so hatten die Patientinnen eine schlechtere Prognose und sprachen nicht so gut auf die Standardtherapie an und umgekehrt“, so Aust weiter.

Die Wissenschaftler kombinierten diese Analyse mit der Auswertung von Laborparametern, um so den Gesamtzustand der Patienten besser beurteilen zu können. „Wir planen zusätzliche Studien, um zu erfahren, ob wir mit diesem Parameter, also der Aussage über die Qualität der Skelettmuskulatur, die Therapiewahl und damit das Überleben im Rahmen der zunehmend personalisierten Medizin verbessern können“, fügt Aust hinzu.

Originalpublikation:

Skeletal Muscle Depletion and Markers for Cancer Cachexia Are Strong Prognostic Factors in Epithelial Ovarian Cancer
Stefanie Aust et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0140403; 2015

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