Paracetamol – Ende einer Ära?

29. Juli 2011
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Paracetamol gehört zu den am meisten eingenommenen Arzneimitteln überhaupt. Neue Studien zur akuten und chronischen Toxizität lassen die Substanz in einem neuen, ungünstigen Licht erscheinen.

In der Anfragestatistik des Gemeinsamen Giftinformationszentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 2000 – 2009 belegt Paracetamol den unangefochtenen 1. Platz. Über 3.200 Anfragen bei Vergiftungen im Erwachsenenalter und über 1.500 im Kindesalter bezogen sich auf das Schmerzmittel. Im Vergleich dazu wurden lediglich etwa 1.400 Anfragen zu Diazepam gestellt.

Einige Experten fordern Rezeptpflicht oder Marktrücknahme

Die Einnahme einer Überdosis Paracetamol ist die häufigste Ursache für akutes Leberversagen in den USA und führt dort zu rund 450 Todesfällen pro Jahr. In Deutschland sterben pro Jahr 1-2 Menschen daran. Der Erlanger Pharmakologe Prof. Dr. Dr. Kay Brune kam zu dem Schluss, dass Paracetamol keineswegs so harmlos ist wie lange angenommen und warnte vor allem junge Frauen und Schwangere vor der Einnahme. Seine Forderung nach Marktrücknahme oder zumindest nach vollständiger Unterstellung unter die Verschreibungspflicht wird kontrovers diskutiert.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Prof. Dr. Martin Schulz, verweist auf eine jüngst von der AMK und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft herausgegebene Stellungnahme zu den Risiken von Paracetamol: Hier wird die Verschreibungspflicht von Packungen mit mehr als 10g Paracetamol begrüßt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte mit, dass die neuen Risikosignale zur Zeit unter Mitwirkung des BfArM von der Pharmakovigilanzarbeitsgruppe (PhVWP) des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bewertet werden. Sollten Maßnahmen zur Risikominimierung notwendig sein, würden diese auch in Deutschland umgesetzt werden.

Dosis bei der Verschreibung peinlich genau prüfen

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt zur kritischen Einnahme von Paracetamol. Eltern sollten bei der Gabe von Paracetamol genau auf die Dosierungsanleitung für Kinder achten. Denn aufgrund des geringen Körpergewichts könne eine zu hohe Dosis des Standardmittels gegen Fieber und Schmerzen bei Kindern schnell zu lebensbedrohlichen Leberproblemen führen. Eine aktuelle Studie untersuchte dies genauer.

Die im „British Journal of Clinical Pharmacology“ veröffentlichte Studie bescheinigte den schottischen Allgemeinmedizinern geradezu ein schlampiges Vorgehen bei der Angabe der Dosierung von Paracetamol. Auf nahezu jedem vierten Paracetamol-Rezept war der Wirkstoff falsch dosiert. Kleinen Kindern wurden sehr häufig zu hohe Dosen verordnet. Bei Säuglingen im Alter zwischen einem und drei Monaten waren 27 Prozent überdosiert. Schulkindern erhielten in einem Viertel der Verschreibungen hingegen eine zu geringe Dosierung.

Schon vor der Geburt ein Risiko

Ganz unabhängig von der akuten Toxizität muss die Steigerung von Krankheitsprävalenzen bei der Einnahme von Schwangeren oder Kindern betrachtet werden. Zahlreiche Studien warnen davor, dass Paracetamol das Risiko für Asthma und Neurodermitis im Kindesalter steigern kann. Wissenschaftler der von „GA²LEN“ (Global Allergy and Asthma European Network“) durchgeführten Studie mahnen: Erwachsene, die mindestens einmal pro Woche Paracetamol einnehmen, haben eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, Asthma zu bekommen. An mehr als 500 erwachsenen Asthmatikern und 500 gesunden Probanden untersuchten die Wissenschafter die Häufigkeit der Einnahme verschiedener Schmerzmittel. Dabei zeigte sich eine klare Korrelation zwischen der PCM-Einnahme und der gesteigerten Prävalenz von Asthma. Es wird spekuliert, dass der Abbauweg von Paracetamol dafür verantwortlich sein könne. Bei der Metabolisierung verbraucht Paracetamol das schwefelhaltige Peptid Glutathion. Es gehört zu den bedeutendsten Antioxidantien im Körper. Wird der Gehalt durch die Einnahme von PCM vermindert, fehlt der Lunge ein wichtiger Schutzfaktor gegen Umwelteinflüsse. Glutathion spielt auch bei einer PCM-Überdosierung eine Rolle. Ist der Vorrat des Peptids erschöpft, wird ein lebertoxischer Metabolit gebildet der zum Tode führen kann.

Seif Shaheen, einer der Autoren der GA²LEN-Untersuchung, hat in einer anderen Studie (British Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC)) die Daten von 14.000 Kindern, die seit ihrer Geburt beobachtet wurden, analysiert. Der Beobachtungszeitraum startete mit der Schwangerschaft und reichte bis zum achten Lebensjahr der Kinder. Das Risiko für ein kindliches Asthma war signifikant mit einer pränatalen Paracetamol-Einnahme verknüpft, wenn die Mutter eine genetische Variante des Antioxidans-Gens aufwies.

Beasly et al. führten eine Querschnittanalyse mit Hilfe von Fragebögen an über 205.000 Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren durch. Die Multivariantanalyse zog 31 Länder mit ein. Auch hier ergab sich ein klares Risikosignal für Paracetamol und Asthma. Kinder, die im ersten Lebensjahr Paracetamol einnahmen, hatten ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko später an Asthma zu erkranken. Außerdem ging die Gabe von Paracetamol im ersten Lebensjahr mit einem um 48 Prozent erhöhten Rhinokonjunktivitis-Risiko und einem um 35 Prozent erhöhten Neurodermitisrisiko einher.

Hoden in Gefahr?

Der Schmerzexperte Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, warnt ebenfalls ganz aktuell vor der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft: „Bis zur Klärung des genauen Zusammenhanges muss der Grundsatz gelten: Im Zweifel für das ungeborene Leben und gegen die Einnahme von Paracetamol, insbesondere in Kombination mit anderen Schmerzmittel. Kurzer Nutzen und langfristige lebenslange Risiken stehen bei möglicher oder bestehender Schwangerschaft aufgrund der neuen Datenlage nicht mehr im ausgewogenen Verhältnis zueinander.“ Göbel sieht auch einen Zusammenhang vom gehäuftem Auftreten von Kryptorchismus. Wenn eine Schwangere PCM einnimmt, kann die Häufigkeit dieser Hodenlageanomalie ansteigen. Die Folge kann eine verminderte Spermienzahl, Zeugungsunfähigkeit und ein erhöhtes Auftreten von malignen Hodentumoren sein.

„Entgegen früheren Empfehlungen wird daher bei möglicher oder bestehender Schwangerschaft von der Einnahme von Paracetamol in Mono- und insbesondere Kombinationspräparaten abgeraten“, so der Mediziner. Die Datenlage erschwert erheblich die Schmerztherapie von Schwangeren. Ibuprofen und andere NSAR dürfen nicht nach der 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Lediglich für Paracetamol gilt diese Einschränkung nicht.

Nagt PCM am Knochen?

Nach einer in BONE von L- Williams et al. veröffentlichten Studie steigt unter Paracetamol die Frakturrate an. An 569 Frauen über 50 Jahre mit zurückliegenden Frakturen wurde retrospektiv die PCM-Einnahme hinterfragt. Parallel wurden 775 Probanden ohne Frakturen befragt. 12 Prozent der Betroffenen mit Brüchen hatten zuvor das Schmerzmittel eingenommen, jedoch lediglich acht Prozent der frakturfreien Frauen. Das relative Risiko war somit unter PCM um 56 Prozent erhöht. Unklar ist der Mechanismus der gesteigerten Frakturrate.

Vorsichtig auch während Impfungen

In Ländern wie Nordamerika und Australien ist es üblich, Kindern mit erhöhtem Risiko für Fieberkrämpfe vor und nach einer Impfung Paracetamol zu verabreichen. Paracetamol schwächt jedoch die Antikörperantwort ab und mindert die Schutzwirkung der Impfung. Die Werte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) waren in einer Studie von Prymula et al. in der Paracetamol-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Besonders gilt dies für Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie, Tetanus-Toxoide sowie für Keuchhusten. Besonders bei der prophylaktischen Gabe vor der Impfung war die Abschwächung der Immunität feststellbar.

Wettlauf gegen die Uhr

Bei Erwachsenen reicht bei einer Dosis von mehr als 10 Gramm (20 Tabletten) Paracetamol der Entgiftungsmechanismus des Körpers nicht mehr aus. Bei Kindern ist die Dosis weitaus niedriger. Bei vorgeschädigter Leber, Einnahme weiterer hepatotoxischer Substanzen oder Pharmaka die über dasselbe Enzymsystem verstoffwechselt werden, muss ebenfalls mit niedrigeren Schwellendosen gerechnet werden. Besonders tückisch sind Vergiftungen mit Paracetamolkombipräparaten, etwa Erkältungsmitteln. Hervorzuheben ist hier ein „Erkältungssaft für die Nacht“. Das Mittel enthält neben Paracetamol Ethanol, Ephedrin und das Schlafmittel Doxylamin, das ebenfalls eine sehr geringe therapeutische Breite hat. Wird nicht rechtzeitig das Antidot Acetylcystein gegeben, entwickelt sich ein Coma hepaticum, das unbehandelt zum Tod führt.

Paracetamol wird über bestimmte Leberenzyme (Cytochrom P450) zum giftigen und leberschädigenden N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) oxidiert. Dieser sehr reaktionsfähige Metabolit wird normalerweise sofort durch die körpereigene Aminosäure Glutathion abgefangen und über die Niere ausgeschieden. Glutathion steht jedoch nur in begrenztem Umfang in der Leber zur Verfügung; seine Nachbildung kann nicht genügend gesteigert werden. Daher erschöpft sich bei der akuten Überdosierung mit Paracetamol der Glutathion-Anteil. Das NAPQI reagiert nun mit Struktur- und Funktionsproteinen der Hepatozyten, was nach einer Zeit von 24-72 Stunden zur Leberzellnekrose und klinischem Leberversagen führen kann. Auch Ethanol verbraucht beim Abbau Glutathion, Vergiftungen mit Paracetamol UND Ethanol verlaufen deshalb besonders schwer.

Hustenmittel als Antidot

Glücklicherweise ist trotz der extremen Häufigkeit der Paracetamolvergiftung die Sterblichkeitsrate relativ gering. Der Grund hierfür ist, dass ein sehr effizientes Gegenmittel zur Verfügung steht. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist die rechtzeitige intravenöse Gabe, die nicht später als 10 Stunden nach Intoxikation beginnen sollte. N-Acetylcystein (NAC) vermehrt den Glutathion-Gehalt und somit die Menge an SH-Gruppen in den Hepatozyten. Gleichzeitig übt das Antidot eine protektive Wirkung aus. Extrazellulär bindet es Toxine an sich und wirkt direkt gewebeschützend, intrazellulär führt es zu einer Bereitstellung von Cystein und schafft die Möglichkeit für eine Glutathionsynthese und wirkt somit indirekt zytoprotektiv. Als Gesamtwirkung kann der Schutz vor Leberzellnekrosen angesehen werden. In einer Studie mit 100 Patienten betrug die Letalitätsrate innerhalb von 10-36 Stunden nach Ingestion mit Antidot 37 Prozent und ohne Antidot 58 Prozent.

Theoretisch wäre auch die orale Gabe von NAC hilfreich, die im Vergleich als Hustenmittel extrem hohe Dosis von initial 150-300 mg/kg KG macht dies jedoch nicht realisierbar. Die Gesamtdosis beträgt in den ersten drei Behandlungstagen etwa 1440 mg/kg KG. Ein Erwachsener Patient mit 70 kg Körpergewicht erhält somit ca. 100 g. In der präklinischen Phase sollte bereits eine Giftadsorption mit Aktivkohle (1g kg/KG, beispielsweise Ultracarbon ®) erfolgen. Soweit vorhanden kann mit der Gabe des Antidotes N-Acetylcystein begonnen werden (300 mg/kg KG).

Bei sachgerechter Anwendung ist Paracetamol ein sicheres Schmerzmittel mit geringen akuten Nebenwirkungen. Zahlreiche Studien warnen jedoch davor, dass besonders bei Kindern die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Erkrankungen wie Neurodermitis oder Asthma bei regelmäßiger Anwendung steigt. Dies hat zwar keine rettungsdienstliche Relevanz, der Blick über den Tellerrand soll jedoch gestattet sein, weil der Wirkstoff weit verbreitet ist. Die hohe akute Toxizität hat die Abgaberichtlinien strenger gemacht.

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Medizin, Pharmazie

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18 Kommentare:

Heilpraktikerin Ute Woehlert
Heilpraktikerin Ute Woehlert

Hallo liebe Ärzte und Apotheker,

warum ist für euch nicht die logische Konsequenz, euch echter, gut durchdachter und konsequent angewandter Naturheilkunde und Homöopathie zu öffnen? Und dies der Bevölkerung auch zls optimalen Weg zu vermitteln, was er auch ist. Dann ist dieser Weg ein Gewinn für Patient und Behandler gleichermaßen. Und der Konsum bzw. die Verordnung von palliativen Mitteln mit Nebenwirkungen automatisch geringer.

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Micaela Werner
Micaela Werner

sieh mal einer an, was alles plötzlich gefährlich/giftig/schädlich ist. Kann mich noch daran erinnern, als Paracetamol über den Klee gelobt wurde und langsam, langsam die anderen “giftigen” Schmerzmittel aus dem Markt entfernt wurden. Dazu vielleicht zwei Randbemerkungen und eine Frage:
Randbemerkung 1:
stopft sich die ganze Gesellschaft, angefangen bei den Kleinen, einfach viel zu voll mit billiger Medizin? Ist ja auch viel einfacher, als sich mal selber ein paar Gedanken zu machen. Die Krankenkasse inst kurzsichtig und unterstützt. Zum DOC gehen, wäre ja viiiiiiiiiiiel zu teuer. Über die Kosten der Folgeschäden denkt man erst 20 Jahre später nach (wie z.B. beim Paracetamol) Was haben wir beim freiverkäuflichen Diclofenac und freiverkäuflichen Omeprazol zu erwarten?

Randbemerkung 2:
Paracetamol ist betriebswirtschaftlich ausgelutscht. Deswegen sinnen die Pharmakonzerne nach “verbesserten” Möglichkeiten. Fragt sich für wen? Das eine wird für bedenklich erklärt und schwupps etwas neues etabliert. Wenn ich sehe, wie sprunghaft der Ibuprofen-Konsum angestiegen ist, überkommen mich mulmige Gefühle.

die Frage:
sind wir Apotheker an der Front vielleicht doch nicht so blöd??? Immerhin haben wir täglich X breitgefächerte Kontakte zur Bevölkerung und SPRECHEN mit denen auch noch (im Gegensatz zur Krankenkasse/Versand)Das könnte man doch nutzen? Statt sich pharmatreue Studien aus Sachsen und Vorpommern zu holen!

#17 |
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Ich sehe, im Gegensatz zu einigen Vorrednern, hier keine Verteufelung von PCM sondern eher einen Artikel, der zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesem frei verkäuflichen Medikament ermahnen soll. Die Marktrücknahme von PCM ist meines Erachtens komplett überzogen und entbehrt jeglicher vernünftiger Grundlage. auch sind hier einige Studien etwas falsch bewertet, z.B. die relativ zu Deutschland sehr hohe Todesrate durch Überdosierung in den USA: wie bereits richtig bemerkt wurde ist dort ein Verkauf von PCM in großen Mengen in Supermärkten Usus wie auch die sehr freizügige Anwendung des Medikaments. Besinnt man sich jedoch darauf, dass es sich bei PCM um ein gut untersuchtes Medikament mit bekannten Nebenwirkungen handelt und somit dessen Anwendung immer kritisch bewertet werden sollte, bleibt nur der Schluss, dass PCM sehr hilfreich in vielen Bereichen angewendet werden kann. einer Rezeptpflicht für PCM oder NSAR etc. stehe ich offen gegenüber, da Medikamente ärztlich verordnet werden und nicht nach eigenem ermessen angewandt werden sollten.

#16 |
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Und wie beteiligenn sich andere Chemikalien, wie z.B Aspartam, der unbegrenzt benutzt wird?
V.St.

#15 |
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Bonjour Dr Matthias!
Je m’en tiens à l’idée principale de votre article car je ne comprends pas l’allemand.
Il est bien connu que le paracétamol même à dose thérapeutique est toxique pour foie. L¿explication est toute simple: un de ses métabolites, l¿acétamidoquinone entraine une cytolyse hépatique centrolobulaire dont la gravité va croissant avec la dose ingéré et l¿association du paracétamol avec les inducteurs enzymatiques comme les barbituriques, la rifampicine et l’alcoolisme chronique.
Heureusement à dose thérapeutique en l¿absence de prise continue la cytolyse hépatique est réversible.
Mais le danger du paracétamol réside d¿une part dans le fait qu¿il est libre d¿accès (médicaments dits OTC), souvent même vendu dans des supermarchés, d¿autre part par sa prise répétitive aux cours des multiples céphalées dont souffrent les employés. Sa consommation continue est à l¿origine d¿une accumulation de son métabolite et par conséquent, une cytolyse hépatique continue pouvant débouchée sur une insuffisance hépatique.
Je souscris à ce que l¿on retire le paracétamol de la liste des médicaments OTC (over the counter).

#14 |
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Joachim Geese
Joachim Geese

Ich erachte Paracetamol als ein sehr heikles Medikament. Und es geht mir nicht um Überdosierungen sondern um Nebenwirkungen im therapeutischen Bereich. Wir konnten in unserer Praxis unter Tagesdosierungen bis 2000mg in Zufallsuntersuchungen Transaminasenerhöhungen über 1000 U/l feststellen, die sich erfreulicherweise nach ca. 2 Wochen wieder normalisiert hatten. Testen Sie das doch bitte mal bei Ihren eigenen Patienten, insbesondere bei Kindern. Ich bin mir sicher, Sie werden bei der nächsten Verordnung sehr vorsichtig sein und sich um eine Substitution bemühen.

#13 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Schon Paracelsus sagte: “All Ding`sind Gift und nichts ohn` Gift; allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.

#12 |
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Apothekerin Erika Meyer
Apothekerin Erika Meyer

Gute bewährte Wirkstoffe wegen völlig zu vernachlässingder Risiken in Frage zustellen,passt in die heutige Zeit.
In den USA wird Paracetamol (Tynenol) in völlig überhöhten Dosen genommen. Es ist auch bei der US Army und dem US Marine Corps Mittel der Wahl, um die Soldaten im Einsatz
“schmerzunempfindlich” zu machen. Jeder Kritiker sollte für sich die Frage beantworten, wie geht es ohne Paracetamol ?

#11 |
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Na so was, Paracetamol hat also auch Nebenwirkungen und Risiken, wer hätte das gedacht!

Frage am Rand: wie viel Mille hat denn diesmal der Sponsor dieser Studie bezahlt, und was war sein Motiv.

#10 |
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Aus pädiatrischer Sicht noch zu ergänzen, daß die Anwendung von Paracetamol bei Varizellenerkrankung desaströs mit einem REYE- Syndrom enden kann ( Leberausfallskoma ).
In der Kinderheilkunde ist Paracetamol doch schon seit vielen Jahren durch Ibuprofen abgelöst, aber selbstverständlich sollte auch dieses Medikament verantwortungsbewußt sparsam eingesetzt werden. GB

#9 |
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Man kann sich auch mit vielen anderen Medikamenten umbringen, alles eine Frage der Dosis und der individuellen Verträglichkeit. Unter Umständen reicht schon die richtige Menge Alkohol und der ist auch frei verkäuflich. Paracetamol ist für Schmerztherapeuten unverzichtbar. Ein Abusus ist m.E. nicht häufig, aber wenn Pat. über vermehrte Kopfschmerzen klagen und Paracetamoleinnahmen bekannt sind, muss man an einen Schmerzmittelabusus denken. Eine Marktrücknahme halte ich nicht für gerechtfertigt.

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PD Dr. med. David Martin
PD Dr. med. David Martin

Bei den Kommentaren würde ich mich freuen, wenn erwähnte Studien auch zitiert wären.

Man kann Fieberkrämpfe NICHT mit Paracetamol oder sonstige Antipyretika verhindern (hierzu gibt es schon mehrere RCTs, zuletzt: Strengell T, Uhari M, Tarkka R, Uusimaa J, Alen R, Lautala P, u. a. Antipyretic Agents for Preventing Recurrences of Febrile Seizures: Randomized Controlled Trial. Arch Pediatr Adolesc Med. 2009 Sep 1;163(9):799-804.)
Kinderärzte oder Apotheker die eine Fiebersenkung zur Prophylaxe von Fieberkrämpfe empfehlen sind schlechte Berater: denn die üblichen 2-5% der Kinder zwischen 0,5 und 6 Jahre werden trotzdem Fieberkrämpfe bekommen. Deren Eltern machen sich dann entweder fälschlicherweise ein schlechtes Gewissen weil sie denken sie hätten mit der Fiebersenkung zu spät begonnen, oder sie lesen in den Studien nach und merken, dass sie falsch beraten worden waren.

Glücklicherweise sind einfache Fieberkrämpfe harmlos. (Siehe: Verity CM, Greenwood R, Golding J. Long-term intellectual and behavioral outcomes of children with febrile convulsions. New England Journal of Medicine. 1998;338(24):1723-1728.)

Paracetamol ist sicher insgesamt relativ harmlos, aber ein Kind fiebern zu lassen ist, solange es nicht leidet, meistens noch harmloser oder sogar förderlich (Siehe z.B. El-Radhi ASM. Why is the evidence not affecting the practice of fever management? Arch. Dis. Child. 2008 Nov;93(11):918-920). Dabei wird der Effektstärke von Paracetamol zur Linderung von Beschwerden bei Fieber oft überschätzt (Kramer MS, Naimark LE, Roberts B, McDougall A, Leduc DG. Risks and benefits of paracetamol antipyresis in young children with fever of presumed viral origin. Lancet. 1991 März;337(8741):591-594.) Oft reicht es, das Fieber erträglich zu machen, wenn man auf genügende Flüssigkeitszufuhr achtet und wenn man die Kinder nicht mit Wärmeentzug im Fieberanstieg quält.
Eine Obergrenze ab der man die Temperatur senken sollte gibt es beim normalen Kind mit Infekt nicht. Siehe z.B: Sullivan JE, Farrar HC, the Section on Clinical Pharmacology and Therapeutics. Clinical Report–Fever and Antipyretic Use in Children. Pediatrics. 2011 Feb 28;:peds.2010-3852.

Fazit: PCM wird oft gegen die Evidenz verschrieben.

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Das ganze Theater um Paracetamol ist doch nichts neues. Erstaunlich ist nur, dass manchen “Wissenschaftlern” erst nach über 60 Jahren auffällt was ich bereits vor 40 Jahren gelernt habe, z. B. therapeutische Breite und Hepatotoxiziotät. Bei allem mißbräuchlich angewendetem hat man ein hohes Risiko. Die Aussage einer Studie ist immer abhängig vom Studiendesign. Qui bono? Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das berühmte Zitat: “die einzige Studie an die ich glaube ist die, die ich persönlich gefälscht habe.”

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Paracetamol-NAC-Tabletten statt Paracetamol-Tabletten

Wie wäre es, wenn man Paracetamol nicht mehr “rein” sondern stets mit NAC-Anteil anbietet, so dass Leber-Vergiftungen nicht/kaum mehr möglich sind?

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Dr. Dirk Schepmann
Dr. Dirk Schepmann

Prinzipiell finde ich es sehr gut und längst überfällig, dass über das Nutzen-/Risikoverhältnis von PCM kritisch und offen diskutiert wird.

Man sollte nur vorsichtig sein und den Wirkstoff nicht “verteufeln” – viele Menschen würden dadurch unnötig verunsichert.

Es ist mehr denn je der Apotheker gefragt, der den Kunden sachlich über die richtige Anwendung von PCM aufklärt. Und wir brauchen unbedingt mehr Apotheker, die die Courage und Gewissenhaftigkeit besitzen, Patienten, die eindeutig einen chronischen Analgetika-Abusus aufweisen, die Abgabge dieser Präparate zu verweigern – auch auf die Gefahr hin, dass der Kunde verärgert die Apotheke verlässt und sein Glück woanders versucht.

Eine Rezeptpflicht macht nur Sinn, wenn es nicht an die Packungsgröße, sondern an die Anzahl an abgegebenen Tabletten gekoppelt wird. Sonst kauft der Kunde nämlich 5×10 Sttk und ärgert sich nur über Bürokratie und teure Apothekenpreise.

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Apotheker

In dem Artikel wird das Missbrauchspotential von Paracetamol Coffein Kombinationen leider ebenso völlig augeblendet wie die in suizidaler Absicht genommenen Mengen in Verbindung mit Alkohol. Wurden diese “Sub-gruppen” in den Studien getrennt bewertet? Generell sind in dem Artikel die Studien zwar beschrieben, aber ihr Wert nicht ausreichend klar. Besonders unklar bleibt das Risiko bei der Studie zu dem Risiko von Knochenbrüchen bei postmenopausalen Frauen. Die positive Bewertung des Autors für Paracetamol bei “sachgerechter” Anwendung erstaunt nach Lektüre des vorausgehenden Textes. Die Verknüpfung des Risikos von Paracetamol bei Kindern mit der Relevanz im Rettungsdienst erklärt sich aus dem Beruf des Autors, ist aber irgendwie aus dem Zusammenhang gerissen.
Die “heavy user” , die jeden 2.Tag in “Ihrer Apotheke” stehen sind jedem Fachmann bekannt. Und wenn es dann noch ein attraktives Sonderangebot gibt, dann darf es schon mal eine Packung extra fürs Wochenende sein. Der vom Paracetamol+Coffein euphorisierte Mensch nimmt sich dann beim Sommerfestchen noch ein paar Bierchen zusätzlich zur Brust – was dann fehlt sind 300mg/kg/KG NAC.
Also liebe Brauereien hier ist die Martklücke : ab sofort das leckere NAC-Altbier. Werbespruch: Nimm Paracetamol sachgerecht – mit unserem Bier wird Dir nicht schlecht.”

#3 |
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Einige Studien werfen also ein ungünstiges Licht auf Paracetamol. Das muss man nach meiner Meinung aber deutlich relativieren.

“Einige Experten fordern Rezeptpflicht oder Marktrücknahme”
Die Rezeptpflicht für Packungen ab 20*500mg PCM klingt nach einer sinnvollen Maßnahme. Eine Marktrücknahme zu fordern ist aber absolute Polemik. Wenn man 1-2 Todesopfer pro Jahr in ganz Deutschland angibt, sollte man den Vergleich zu tödlichen Magenblutungen nach Einnehme von ASS mit nennen. Leider habe ich die Zahlen nicht parat. Sie sind aber imposanter als 1-2 pro Jahr.

“Dosis bei der Verschreibung peinlich genau prüfen”
Die Dosis legt der Arzt fest. Die Heilkunst lässt ihm hier einen Ermessens-Spielraum. Der erfahrene Mediziner legt hier vermutlich mehr in die Messlatte, als nur das Körpergewicht.

“Schon vor der Geburt ein Risiko”
Besonders interessant ist hier der Satz:
“Das Risiko für ein kindliches Asthma war signifikant mit einer pränatalen Paracetamol-Einnahme verknüpft, wenn die Mutter eine genetische Variante des Antioxidans-Gens aufwies.”
Wie viele Mütter haben denn dieses Gen in der Variante?
Offensichtlich lies sich ja der Zusammenhang in der Gesamt-Population nicht nachweisen.

“Hoden in Gefahr?”
Hier wird richtig festgestellt, dass auch in der Schwangerschaft Risiken bestehen.
Aber was ist die Alternative? Mir fällt spontan nichts besseres ein. NSAR wie Iburpfen, Diclofenac oder ASS haben schwerer wiegende Risiken. Von Opioid-Analgetika wollen wir hier mal gar nicht sprechen. Ohne Alternative, sollte man hier keine Hühner aufschrecken!

“Nagt PCM am Knochen?”
Die Studie war nach meiner Meinung absolut falsch konzipiert. Vermutlich haben Menschen, mit Osteoporose häufiger Schmerzen. Und wer häufiger Schmerzen hat nimmt häufiger Paracetamol. Um die kausalität nachzuweisen müsste eine Messung der Knochendichte vorher und nachher vorgenommen werden. Als Studienzeitraum schlage ich 5 Jahre vor.

“Vorsichtig auch während Impfungen”
Die Einnahme von NSAR und Paracetamol bei Impfungen sehe ich ebenfalls kritisch.
Allerdings sollte man dem fiebernden Kind bei Gefahr eines Fieberkrampfes nicht das PCM verwehren.
Besser wären aber vielleicht Wadenwickel.

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Apotheker

Sinnvoll wäre es hier noch darauf hinzuweisen,das die Bildung der toxischen Metaboliten beim chronischen Abusus von Alkohol stärker ist als beim einmaligen akuten Konsum.

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