Vorhofflimmern: Das Herz im Takt der Depression

4. Dezember 2015
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Häufig treten bei Vorhofflimmern neben den typischen Symptomen wie Herzrasen und Schwindel auch Depressionen und Schlafstörungen auf. Offenbar verstärkt die psychisch schlechte Verfassung dabei die körperlichen Symptome der Herzrhythmusstörung.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung. Neben den typischen Symptomen wie Herzrasen, Luftnot und Schwindel, leiden viele Betroffene zusätzlich auch unter Depressionen, Schlafstörungen und Müdigkeit. Depressionen und Ängste wirken sich negativ auf den Verlauf von Krankheiten aus. Dies ist vielfach belegt. Bei Vorhofflimmern wurden diese Zusammenhänge bisher allerdings wenig erforscht. Prof. Ladwig, Dr. Alexander von Eisenhart Rothe, vom Helmholtz Zentrum München, und Kollegen haben die seelische Gesundheit von über 500 Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland im Rahmen von zwei klinischen Studien des AFNETs untersucht. Die Daten von Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern stammen aus der ANTIPAF – AFNET 2 Studie, die von Patienten mit persisierendem Vorhofflimmern aus der Flec-SL – AFNET 3 Studie.

Depressive Verstimmung verschlimmert körperliche Beschwerden

„Kardiologen machen ihre Entscheidung für eine mehr oder weniger aggressive Therapie normalerweise davon abhängig, wie stark das Vorhofflimmern den Patienten belastet. Dabei sollten allerdings nicht nur körperliche Symptome, sondern auch die psychische Verfassung und Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden.“ erklärt Ladwig. Denn die Studie hat gezeigt: Depressive Stimmungen beeinträchtigen nicht nur das psychische Wohlbefinden, sondern verstärken auch die körperlichen Beschwerden. Symptome wie Unruhe, Übelkeit oder Kurzatmigkeit werden von den Betroffenen schwerwiegender empfunden als von Vorhofflimmerpatienten ohne Depression. Dies gilt bei paroxysmalem Vorhofflimmern ebenso wie bei persistierendem. Diese Ergebnisse belegen, dass die Lebensqualität ein wichtiges Entscheidungskriterium für Therapieoptionen sein sollte.

Arzt und Patient beurteilen die psychische Verfassung von Vorhofflimmerpatienten oft unterschiedlich, wie Prof. Ladwig und Kollegen herausgefunden haben. Depression, Schlafstörung und geringe körperliche Aktivität werden von Ärzten weniger gravierend eingeschätzt als von den Betroffenen selbst. Deshalb empfiehlt Prof. Ladwig: „Ärzte sollten geschult werden, damit sie Depressionen bei ihren Patienten besser erkennen. Außerdem wäre ein gezieltes Depressions-Screening in Kliniken und Praxen, die Vorhofflimmern behandeln, notwendig.“ Weitere Studien sollen erforschen, ob solche Maßnahmen den Gesundheitszustand der Vorhofflimmerpatienten verbessern können.

Originalpublikation:

Depressed mood amplifies heart-related symptoms in persistent and paroxysmal atrial fibrillation patients: a longitudinal analysis-data from the German Competence Network on Atrial Fibrillation
Alexander von Eisenhart Rothe et al.; Europace, doi: 10.1093/europace/euv018; 2015

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2 Kommentare:

Dr. Stephan Lunau
Dr. Stephan Lunau

Es muß natürlich Antiarrhythmika heißen.

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Dr. rer. nat. Stephan Lunau
Dr. rer. nat. Stephan Lunau

Neben dem o.g. sinnvollen Ansatz wäre es vor allen Dingen angeraten erwiesenermaßen erfolglose Therapieansätze wie z.B. die medikamentöse Therapie mit Antiarhythmika oder Cardioversion zu unterlassen und stattdessen sofort die offenbar mittel- langfristig wirksame Katheterablation anzuwenden. Die abgestufte Therapie ist aus eigener Erfahrung reine Zeitverschwendung und dient offenbar primär monetären Interessen.
Allein die Einnahme von Antiarhythmika, die außer Nebenwirkungen i.d.R. keine Wirkung erzielen, ist eine erhebliche Belastung für den Patienten und beeinträchtigt die Lebensqualität oftmals stärker als das Vorhofflimmern selbst.

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