Medien: Machen Journalisten krank?

23. Mai 2013
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Eine experimentelle Studie der Johannes Gutenberg Universität (JGU) Mainz untersuchte, ob mediale Berichterstattung über elektromagnetische Felder bei vorbelasteten Menschen Krankheitssymptome auslösen kann, obwohl es dafür keine objektive Grundlage gab.

Häufig berichten Medien über Nahrungsmittel-, Chemikalien- und Umweltgift- Intoleranzen bzw. Idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten gegenüber elektromagnetischen Feldern (IEI-EMF). Menschen, die unter elektromagnetischer Hypersensitivität leiden, laborieren unter den unterschiedlichsten unspezifischen, physischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Hautbrennen oder Kribbeln, welche durch Handys, Hochspannungsleitungen und WLAN-Netzwerken verursacht werden können. Häufig führen diese Symptome dazu, dass sich die Betroffenen aus ihrem angestammten sozialen Umfeld zurückziehen oder im schlimmsten Fall sogar ihren Wohnort wechseln, um sich der Exposition von elektromagnetischen Strahlen zu entziehen. Bisherige Studien weisen darauf hin, dass diese Symptome auf den so genannten Nocebo-Effekt zurückzuführen sind.

“Nach dieser Theorie können Ängste betreffend elektromagnetischer Feldern sowie die vorhandene Erwartung, dass die Symptome durch elektromagnetische Stimuli ausgelöst werden, negative körperlichen Reaktionen herbeiführen”, berichtet Diplompsychologe und Studienleiter Dr. Michael Witthöft von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der JGU Mainz. Bisherige doppelt veblindete Provokationsstudien haben gezeigt, dass die Probanden nicht unterscheiden konnten, ob ihre Symptome durch einen tatsächliche bestehenden elektromagnetischen Auslöser oder durch Schein-Wellen (sham exposure) verursacht wurden. Außerdem gebe es einige Anzeichen dafür, dass der Nocebo-Effekt häufiger bei Personen auftritt, die bereits an einer bestehenden Somatisierung leiden.

54 Prozent zeigen Symptome nach TV-Bericht

Für die kürzlich im Journal of Psychosomatic Research veröffentlichten experimentellen Studie wurden 147 Probanden im Alter von 19 bis 68 Jahren am Londoner King´s College nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt. Die Testpersonen wurden informiert, dass sie sich jeweils einen Film ansehen sollten, um nachher darüber Fragen zu beantworten. 76 von ihnen sahen eine neunminütige BBC-Doku über die dramatischen gesundheitlichen Auswirkungen von Mobiltelefonie und WLAN-Signalen. Die Dokumentation beinhaltete Statements von betroffenen Wissenschaftlern und Regierungsmitgliedern, die vor möglichen Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Mobiltelefonie und WLAN-Signalen warnten. Auch Personen, die unter elektromagnetischer Hypersensitivität litten, wurden befragt.

71 Personen verfolgten einen gleich langen BBC-Bericht über die Sicherheit von Internet- und Handydaten ohne gesundheitliche Aspekte. Anschließend wurden die Testpersonen einem 15 minütigen WLAN-Scheinsignal ausgesetzt. Die Forscher setzten beide Gruppen vor einen Bildschirm, auf dem ein großes WLAN-Symbol blinkte. Danach mussten sie einen Fragebogen beantworten, inwiefern ihre Symptome und Erfahrungen durch elektromagnetische Felder beeinflusst wurden. 86,4 Prozent der Befragten gaben an, dass sie glaubten einem WLAN-Signal ausgesetzt gewesen zu sein, 82 Testpersonen (54%) klagten über Beunruhigung, Kribbeln in den Extremitäten, Konzentrationsbeeinträchtigungen und Beklemmung, zwei Probanden brachen den Test ab, weil sie so starke Symptome zeigten, dass sie sich keiner weiteren (Schein-)Strahlung aussetzen wollten.

Wohlbefinden langfristig beeinträchtigt

Dass die körperlichen Beschwerden bei den Betroffenen tatsächlich existierten, zeigten bisherige Untersuchungen mittels Kernspintomographie: Die schmerzverarbeitende Gehirnregion war tatsächlich aktiviert. Nur vier Probanden gaben an, dass sie keinem Signal ausgesetzt waren. Weiteres ergab die Studienauswertung, dass Personen, die von Haus aus unter Ängstlichkeit litten und den Dokumentarfilm über gesundheitliche Gefahren von EMF verfogten, die stärksten Symptome zeigten. “Während bisherige Studienergebnisse belegen, dass Medienberichte über neue gesundheitliche Bedrohungen kurzfristige negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden verursachen, lässt unsere Studie auch langfristige Effekte vermuten: Teilnehmer, die ihre Symptome auf die Scheinwellen zurückführten, glaubten stärker auf EMF zu reagieren, wenn Sie vorher die BBC-Doku verfolgt haben”, berichtet Witthöft. Wenn die Probanden danach über die Scheinwellen nicht aufgeklärt worden wären, hätten künftige elektromagnetische Stimuli mit einer höheren Wahrscheinlichkeit negative gesundheitliche Symptome augelöst, vermuten die Studienautoren.

Fazit der Studienautoren

Die gewonnen Studienergebnisse bestätigen, dass Medienberichte über vermeintliche Gesundheitsgefahren die Wahrscheinlichkeit verstärken können, dass bereits vorbelastete Personen anfälliger sind, bestimmte Krankheitssymptome und eine erhöhte Sensitivität zu entwickeln. “Daher können wir die Wissenschaftler nur auffordern auf diesem sensiblen Gebiet verstärkt mit den Medien zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass Berichte über mögliche gesundheitliche Auswirkungen neuer Technologien nach aktuellstem Wissensstand und so wahrheitsgetreu wie möglich an die Öffentlichkeit gelangen“, betont Witthöft.

Der Nocebo-Effekt

Der Begriff “nocebo” bezeichnete ursprünglich den negativen Gegenpart von Placeobphänomenen und wurde verwendet, um unerwünschte von erwünschten Wirkungen eines Placebos (Scheinmedikament bzw. Scheinintervention) abzugrenzen. Heute werden beide Begriffe in einem weiteren Sinn verwendet: Nichtspezifische Effekte einer medizinischen Behandlung werden als Noceboeffekte bezeichnet, wenn sie schädlich sind, und als Placeboeffekte, wenn sie nützlich sind. Unter “Nocebo-Effekt” versteht man Beschwerden und Symptomverschlimmerungen, die unter einer Scheinbehandlung und/oder durch gezielte oder unbeabsichtigte Suggestionen und/oder negative Erwartungen entstehen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, brennende oder kribbelnde Haut, Beklemmung und Unwohlsein.

Wie sich der Nocebo-Effekt im Gehirn auswirkt, ist noch nicht vollständig erforscht. Es wird aber vermutet, dass der Botenstoff Cholextokinin, der in der Darmschleimhaut entsteht und bei Phobien eine wichtige Rolle einnimmt, im Gehirn Schmerzreaktionen hervorruft. “Wer sich Schmerzen einbildet, wird früher oder später auch welche haben“, erklärt Prof. Dr. Arne May vom Institut für systemische Neurowissenschaften des Hamburger Universitätsklinikum (UKE). Dies sei eine Art Gegenstück zum Placebo-Effekt, bei dem sich Patienten, die ein wirkstoffloses Placebo erhalten, “gesund denken”. In der Studie „Insular Cortex Acitivity is Associated with Effects of Negative Expectation on Nociceptive Long-Term Habituation“ stellten die Wissenschaftler anhand von funktionellen Bildgebungsverfahren fest, dass ein Teil der Inselrinde im Gehirn das subjektive Schmerzerlebnis von Patienten signifikant beeinflusste. Mit der Studie stellten die Mediziner unter Beweis, dass sich bereits eine einmalig erfolgte (negative) Information auf das Schmerzempfinden von mindestens einer Woche auswirkte.

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Medizin, Psychiatrie

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26 Kommentare:

Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Sehr geehrter Herr Lang,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Ich kann mich an die Geschichte gut erinnern, waren auch mehrere Artikel im Laborjournal, z. B.

http://www.laborjournal.de/editorials/425.lasso

Was ich tatsächlich nicht wusste, die Ärztekammer Wien hat anscheinend in den Jahren 2005 ff – auf Grundlage der gefälschten Daten von Frau Diehm und den Herren Pilger und Rüdiger – Empfehlungen raus gegeben, Handys aus den Arztpraxen zu entfernen (Quelle: Diverse Artikel im Internet).
Ich schäm mich manchmal für meinen Berufsstand.
Gruß,
F. Bollig

P.s. Für alle, die jetzt sagen, an den Studien aus Wien war vielleicht doch was Wahres dran. Frau Diehm hat 2008 zugegeben, dass sie sich alle Ergebnisse komplett ausgedacht hatte. Der eigentlich Skandal ist, dass die Herausgeber der entsprechenden Journale die gefälschten Artikel noch nicht zurück gezogen haben.

#26 |
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Nichtmedizinische Berufe

Sehr geehrter Herr Dr. Bollig,

mit einem Quellennachweis der (vermeintlichen!) Stellungnahme der Wiener Ärztekammer kann ich leider auch nicht dienen, zuzutrauen wäre es der Wiener ÄK allerdings… Wer die Thematik ein bisschen verfolgt (oder Google bemüht) wird schnell feststellen, dass die Ärztekammer Wien für ihre teilweise hochspekulativen Aussagen zum Thema “Handystrahlen” berüchtigt ist.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja noch an die sog. REFLEX-Studie [1], die, soweit ich mich erinnere, von der Ärztekammer Wien bereitwillig kolportiert wurde und lange Zeit deren Hauptargument war. Im Rahmen der REFLEX-Studie wurden von einer beteiligten Wiener AG damals angeblich DNA-Strangbrüche festgestellt, eine Meldung die verständlicherweise enormes Aufsehen erregte! Letztendlich stelle sich heraus, dass die Ergebnisse bewusst manipuliert worden waren, siehe hierzu einen SPON-Artikel [2] bzw. weiterführende Literaturverweise in [1].

Viel Spaß bei der Lektüre ;-)

Mit besten Grüßen,
Michael Lang

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/REFLEX-Studie
[2] http://www.spiegel.de/spiegel/a-555365.html

#25 |
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Heilpraktikerin

Sehr geehrter Herr Dr. Bolling,

danke für Ihre berechtigte Nachfrage.
Natürlich sollte man keine Quelle zitieren, ohne einen Nachweis zu erbringen. Täglich erreichen mich so viele Informationen, von denen ich nur einige für mich Wichtige seit Jahren katalogisiere. Diese leider nicht.
Die hier Genannte hat mich in so fern nachhaltig beeindruckt wegen des prakmatischen Umgangs mit einem so heiss diskutierten Thema. Ähnlich die Aussage unserer damaligen Gesundheitsministerin, die Bedenken anmeldete, die Zigarettenpreise zu drastisch anzuheben, da zu befürchten war, dass dann die Raucher absprangen. Auch hierfür habe ich keinen Quellennachweis.

Aber da dieses Forum natürlich keine Anekdoten verbreiten sollte, nehme ich meinen Kommentar zurück.

#24 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Sehr geehrte Frau Völkel,
ich möchte Sie um eine Quelle bitten für Ihr Zitat von der Ärztekammer Wien.

MfG,

F.Bollig

#23 |
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Was ist ein hominus sapiens?

#22 |
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Heilpraktikerin

Immer wieder diese alten Kontroversen. Nocebo oder Placebo: Wichtig ist doch, was am Ende heilt.

Jedenfalls gibt es kluge Leute, denen diese Diskussionen gleichgültig sind und gleich zur praktischen Anwendung schreiten. So hab ich neulich gelesen, rät die Ärztekammer Wien Medizinstudenten, sich auf Gehirnchirurgie zu spezialisieren, da durch Handystrahlung in den nächsten 5 Jahren mit großem Bedarf für diese Fachrichtung gerechnet wird.

Zynischer geht’s doch wohl nicht.

#21 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

… geniale Diskussion!
Mir fehlt allerdings der Bezug zur “CO2-bedingten” Erwärmung der Erdatmosphäre: wird die nun durch “Strahlung” vermindert oder verstärkt … wer hat die besten “Beweise” dafür/dagegen bzw. die “schönsten” Säulendiagramme???
Und überhaupt: wo bleibt der Einfluss der “Strahlung” auf die Relation von Geburtenzuwachs bzw. -rückgang (von homini sapientes) in Bezug zur Storchenpopulation?

PS
Die Erde ist eine Scheibe; wetten? Guckt doch einfach mal aus dem Fenster!

#20 |
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Dr. med.dent. Claus Scheingraber
Dr. med.dent. Claus Scheingraber

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Die Studie ist sehr problematisch! Sie könnte im Auftrag der Industrie veranlasst gewesen sein… Von einschlägiger Seite her ist man sogar daran interessiert, dass Untersuchungen zu EMF-belastungen gar nicht mehr gemacht werden. Und EHS-Erkrankte haben bekanntlich oft lange Zeit schon gelitten, bevor sie überhaupt die Funkursache erkannten und entsprechend reagieren konnten. Die Nocebo-These ist insofern ein alter Hut und gehört in die im Buch „Mythos Mobilfunk“ ausführlicher behandelte Rubrik der reduktionistischen „Psycho“-Schiene.

Mit besten Grüßen

C.Scheingraber

#19 |
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Heilpraktikerin

Danke, Herr Lang.
Ich bin sich nicht die einzige, die sich gern auf physikalischem Gebiet belehren läßt. Aber vergessen Sie nicht, dass es immer Dinge geben wird, die wir mit unserem Menschenhirn erklären können. Das wussten schon klügere Leute. Und es hilft den Patienten nicht weiter, wenn wir uns hier gegenseitig der Dummheit bezichtigen.

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

Frau Dietze,

dass sie mit Begriffen wie Entropie im Studium nichts anfangen konnten glaube ich Ihnen aufs Wort. Dieser Zustand scheint anzuhalten, wenn ich mir anschaue was Sie so von sich geben.

Mit einem “gleichförmigen” Signal können Sie keine Information übertragen, die Entropie (iSd Informationstheorie) ist nämlich gleich Null!

#17 |
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Nichtmedizinische Berufe

Sehr geehrter Herr Dr. Eckhoff,

ich halte es für, na sagen wir mal bedenklich, dass Leute wie Sie über eine Approbation als Arzt verfügen!

Ihre wirren Äußerungen über Störstrahlungen, Reizzonen (mit beidem sind wohl “Erdstrahlen” gemeint) und deren Auswirkungen sind Artefakte Ihrer Scharlatanerie, um das Kind mal beim Namen zu nennen. Weder ist die Existenz solcher Strahlen und deren Ursache geklärt noch gibt es theoretisch plausible Modelle. Wenn es Erdstrahlen wirklich gäbe, so müssten sie den selben Gesetzen genügen wie jede andere Strahlung auch. Und dazu gehört z.B. die Abnahme mit der Entfernung.

Kaufen Sie sich ein Physikbuch!

Mit der Ihnen gebührenden Hochachtung,
M. Lang

#16 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Noch eine Ergänzung:

Der von Ihnen erzielte PLACEBO-Effekt wird bekanntermaßen verstärkt durch die suggestive Kraft Ihrer begleitenden Erläuterungen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, ist dieser Effekt unabhängig von der neuen Position des Bettes (man könnte es “irgendwo” anders hinstellen) oder davon, ob das Funknetz wirklich oder nur scheinbar abgeschaltet wird.
Im Prinzip ist nichts dagegen einzuwenden, solche Placebo- bzw. Suggestiv-Effekte zu nutzen. Solange man sich als (hoffentlich) wissenschaftlich und logisch denkender Arzt des Wirkmechanismus bewusst ist.
Gruß, F.B.

#15 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Sehr geehrter Herr Dr. Eckhoff,
mit Verlaub, ich glaube Sie haben die Begriffe “Nocebo” und “Placebo” leider nicht verstanden. Der Effekt, den sie beobachten (nach Verändern des Bettenplatzes oder Abschaltung des Funknetztes) sind in der Tat keine Nocebo-Effekte, es handelt sich jedoch um Placebo-Effekte.

Mit freundlichen Grüßen,

F. Bollig

#14 |
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Zahnarzt

Sorry, aber ich kann dem Artikel nur widersprechen. Solange ich mich erinnern kann, spüre ich, wenn ich in der Nähe oder unter einer Hochspannungsleitung bin. Besonders verstärkt war dieses nach meiner durchgebrochenen Appendizitis für mehrere Jahre. Die OP war mit 9 Jahren und wir hatten zu der Zeit auch kein Fernsehen, medizinische Berichte interessierten mich dort auch noch nicht. Einen Nocebo-Effekt kann da niemand herbeireden.

#13 |
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Heilpraktikerin

Bei all diesen Diskussionen über Schädlichkeit der diversen Strahlungen wird nur über Frequenzen, Amplituden und Stärken diskutiert. Dass die eigentliche Schädlichleit in der Gleichförmigkeit der technisch erzeugten Strahlung liegt, die die naturgemäße Ungleichmäßigkeit aller Lebensvorgänge überlagert und unbedingt stört, wird ausgeklammert. Eigentlich hatten wir alle mal im Grundstudium Fächer wie Biophysik mit “Enthalpie und Entropie”, konnten nichts damit anfangen und haben uns durch diese Fächer gequält….
Können wir nur hoffen, dass der Mensch so anpassungsfähig an die verschiedensten Umwelteinflüsse bleibt wie bisher.
Und die Beschwerden jedes einzelnen Menschen ernst nehmen, ganz egal, was die Wissenschaft sagt.

#12 |
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Der Artikel beginnt mit einer semantischen Fahrlässigkeit. … idiopathisch umweltbezogen schließt sich gegenseitig aus. Ähnlich fahrlässsig ist die Schlußfolgerung aus dem Versuch.
Als Mediziner wissen wir, dass eine Diagnose erst genannt werden darf, wenn alle Differentialdiagnosen diskutiert worden sind. Das setzt aber enormes Wissen voraus.
Es gibt den Morbus Mohl ( Herrn Winkler sei Dank ), aber eben nicht nur.
Aus langjähriger Erfahrung heraus kenne ich genügend Patienten, die mit unscharfen Symptomen in meine orthopädische Praxis kamen ( S3 Richtlinie Lumbago) und schon eine Patientenkarriere aufgebaut hatten. Bei manchen fand sich als Causa eine Belastung durch erdgebundene Störstrahlungen (Reizzonen). Diese Patienten erfuhren Linderung bei Veränderung des Bettplatzes nach Beratung durch einen rutengeher. Andere Patienten waren empfindlich auf technische Störstrahlungen, ausgelöst durch schnurloses Telefon oder WLan. Wurden diese selbstgemachten Funknetze in der Wohnung durch Anschließen der Geräte an das Kabel abgeschaltet, so gingen auch die Beschwerden zurück.
Dies setzt aber Kenntnisse voraus. Einmal über die Strahlung als solche, dann müssen Testverfahren installiert werden, die die Reaktion des Patienten aufscheinen lassen.
Der normale Patient in meiner Praxis wußte nichts über Störstrahlung, war baß erstaunt ob dieser Ursache und war noch mehr erstaunt, wenn seine Symptome nachliessen bei Karenz von der Strahlung. Es gibt also Kranke, die nichts von Störstrahlung wissen und damit auch nicht eingebildet sind, als kein Nocebo-Effekt. Dieser Gruppe von Patienten tun wir unrecht mit dem Nocebo-Effekt. Lernt mit den Diagnostischen Muskel Reaktionverfahren (DiMuRet) diese Störungen zu entdecken. Denn dann kann differenziert werden zwischen der Reaktion auf die Zeitung ( Morbus Mohl ) und der Reaktion auf die Störstrahlungen selber. Als Mediziner sollten wir uns nicht von den Journalisten in die falsche Richtung treiben lassen.

#11 |
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Es gibt Menschen, die können Radioprogramme hören ohne Empfangsgerät. Eine entsprechende Sensitivität vorausgesetzt, sind also Radiowellen “hörbar”. Früher hat man in Schuhgeschäften den Kunden und Kinder die Füße geröntgt – war ja alles nicht schädlich.

#10 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Liebe Heilpraktiker,
Ihr müsst nicht um Eure Patienten bangen. Wer davon überzeugt ist strahlensensitiv zu sein oder trotz Seronegativität unter einer chronischen Borreliose leidet, der wird weiterhin zu Euch pilgern. Logik und wissenschaftliche Argumente sind da kein Hindernis.
Der Kritik von Herrn Kohlhaußen kann ich mich nur anschließen. Der Autor (Herr Strausz) berichtet lang und breit über die verschiedenen Filme, mit denen die beiden Gruppen exponiert wurden.
Ob sich ein Unterschied durch die unterschiedlichen Filme ergab bzgl. Symptome oder Ängste bleibt komplett unerwähnt.

#9 |
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Mitarbeiter Industrie

Morbus Mohl wurde das mal nach dem Moderator benannt, als es im ZDF noch das Gesundheitsmagazin Praxis gab. Jeden Tag darauf waren die Praxen voller Leute mit genau den Krankheiten, die am Vortag im TV besprochen wurden.
de.wikipedia.org/wiki/Morbus_Mohl

#8 |
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GROTTENSCHLECHT !!! Sorry – aber wie kann man denn über so eine Studie berichten, ohne auch nur einen einzigen Wert im Vergleich zwischen den Gruppen aufzuführen ? Schade um den Platz …

#7 |
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Dr. med. Matthias H. J. Munk
Dr. med. Matthias H. J. Munk

Herr Koch, können Sie uns bitte mal den logischen Zusammenhang zwischen der vermuteten Detektion von EM-HF-Wechselfeldern mittels biologischer Mechanismen, die bisher naturwissenschaftlich nicht bewiesen wurden, und der Contergan-Katastrophe erklären?

Falls dies überzeugend ausfallen sollte, bleiben Sie uns immer noch schuldig, zu erklären, welche Wirkungen die HF-WF auf biologische Organismen haben sollen. Ich kenne mehere Forschergruppen, die seit Jahrzehnten dieser Frage äußerst intensiv und systematisch nachgehen und bisher nichts nachweisen konnten.

#6 |
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Alexander Koch
Alexander Koch

Der Nocebo-Effekt ist wie die prophylaktische Schutzschmerzgenerierung eine sinnvolle Körperfunktion. Jedoch sollte man jetzt nicht den Fehler begehen, zu meinen, elektromagnetische Strahlung wie Mobilfunk- oder DECT-Strahlung etc. hätte keine Wirkung und die Effekte wäre nur Einbildung. Zum einen sind unbeeinflussbare Wirkungen feststellbar, wie z. B. der Ery-Geldrolleneffekt bei Bestrahlung ohne Wissen, zelluläre Ionenkonzentrationsänderungen u. a.
Zum anderen gibt es sogar Menschen, die ohne Kenntnis der Umgebung genau sagen können, wo z. B. eine Mobilfunk-BTS steht.
Daher ist eine Verharmlosung des Problems völlig unangebracht, zumal solches Verhalten in der Vergangenheit große Katastrophen auslöste; bestes Beispiel Contergan oder die Holzschutzmittel Lindan und PCP bzw. das Formaldehyd.

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Frau Li, Sie sollten keine voreiligen Rückschlüsse aus Ihren anekdotischen Beobachtungen ableiten! Auch die Tatsache, dass Sie persönlich an etwas glauben und sich gerne über Smartphone-Nutzer mokieren reicht nicht aus, um auch nur im entferntesten einen Anfangsverdacht zu begründen.

Herr Tausch, könnten Sie bitte die biologischen Effekte hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den Menschen kurz erläutern? Welcher Wirkmechanismus liegt der von Ihnen unterstellten und vermeintlich durch elektromagnetische Felder induzierten digitalen Demenz (was auch immer das sein mag) zugrunde?

#4 |
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Besserwisser
Besserwisser

Ich war neulich mit 4-5 Heilpraktikern in einem öffentlich Raum. Die haben zwar nicht gestrahlt. Aber sie waren mindestens ebenso gesundheitsgefährdend wie Handys.

#3 |
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Heilpraktiker

Frau Kollegin Li hat gut beobachtet, was “Wissenschaftler” gerne übersehen. Elektromagntische Felder kann jeder der es will, messen: die Feldstärke hat natürlich auf belebte Materie, zu der auch Menschen gehören, eine Wirkung und digitale Demenz ist eine der Folgen(das nennt sich Kausalkette).

#2 |
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Heilpraktikerin

Ich hätte auch ohne die Studie nicht am Nocebo-Effekt gezweifelt. Jedoch besteht die Gefahr, dass die Strahlungen dadurch verharmlost werden. Habe erst heute wieder erleben dürfen, wie auf 2 qm Raum mindestens 4-5 Personen (ÖPNV) mit Ihren Internethandys konstant zu Gange waren.
Da ich auch Menschen kenne, die mir bei Besuchen genau sagen können, ob mein WLAN gerade an ist oder nicht (Ich nutze diese Bequemlichkeiten mitunter ebenso), bin ich von der Harmlosigkeit der steigenden Verstrahlung nicht überzeugbar.
Ich finde es schade, dass diese Kritikpunkte in dem Artikel nur unzureichend zur Geltung kommen.

#1 |
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