PTBS: Mit Typ-2-Diabetes assoziiert

23. Mai 2013
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Das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung ist mit dem Auftreten von Typ-2-Diabetes assoziiert. Dies fanden Forscher anhand von Daten einer Kohortenstudie heraus. Als Ursache vermuten sie eine Aktivierung der hormonellen Stressachse durch Stresssymptome.

Menschen, die eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) erleiden, haben ein erhebliches Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. PTBS bezeichnet eine Anpassungsstörung nach einem erlebten Trauma und führt zu massiven Stresssymptomen. Ein Zusammenhang zwischen Stressbelastung durch psychische Erkrankungen und Diabetes mellitus wird bereits seit längerem diskutiert, nun konnten Dr. Karoline Lukaschek vom Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) und Prof. Johannes Kruse von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg und Kollegen nun eine deutliche Assoziation der beiden Krankheiten nachweisen.

Veränderung der Reaktionsmuster

Dazu analysierten sie die Daten der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie KORA, die mittels standardisierter Befragung aller Teilnehmer sowie einem Glukosetoleranztest erhoben wurden. Insgesamt konnten 50 Teilnehmer ermittelt werden, die an einer PTBS litten sowie weitere 261, die die Symptome einer partiellen PTBS aufwiesen. Des Weiteren litten 498 Teilnehmer an einem manifesten Typ-2-Diabetes. Außerdem wiesen 333 Personen Zeichen einer prädiabetischen Stoffwechsellage auf. Die Auswertung ergab eine deutliche Assoziation von Typ-2-Diabetes mit einer PTBS, während keine Häufungen eines Prädiabetes bei psychischer Belastung festgestellt wurden. Die Wissenschaftler vermuten, dass die chronische Stressbelastung, an der PTBS-Patienten dauerhaft leiden, zu Veränderungen in den hormonellen Reaktionsmustern führt. Dies kann einen krankmachenden Einfluss auf den Stoffwechsel und die Verwertung von Glukose haben. In folgenden Studien sollen nun die zeitlichen und kausalen Zusammenhänge weiter untersucht werden.

Metabolische Risikofaktoren berücksichtigen

„Die Zusammenhänge zwischen psychischen Faktoren und Störungen des Stoffwechsels weiter aufzuklären wird eine wichtige zukünftige Aufgabenstellung in der Diabetesforschung sein“, so Prof. Karl-Heinz Ladwig, Arbeitsgruppenleiter am EPI II. „Bei Patienten mit PTBS und anderen psychischen Erkrankungen sollte jetzt schon die Behandlung von metabolischen Risikofaktoren Bestandteil der Therapie sein.“

Originalpublikation:

Relationship between posttraumatic stress disorder and Type 2 Diabetes in a population-based cross-sectional study with 2970 participants
K. Lukaschek et al.; Journal of Psychosomatic Research, doi: 10.1016/j.jpsychores.2012.12.011; 2013

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3 Kommentare:

Dr. med. Volker Perlitz
Dr. med. Volker Perlitz

Guten Tag,

die intensiven Zusämmenhänge zwischen bestimmten psychischen Erkrankungen, nämlich Depression und Diabetes mellitus, wurden, dies als reiner Hinweis, von Johannes Kruse bereits eingehend erforscht und umfangreich publiziert.

#3 |
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Heilpraktikerin

Depressionstherapien profitieren schon allein deshalb von einer begleitenden Therapie des Verdauungssystems, weil Tryptophan – die Vorstufe von Serotonin – aus dem Darm resorbiert wird….

#2 |
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Alexander Schell
Alexander Schell

Diesen Zusammenhang erlebe ich am mir selber und in der täglichen Praxis bei energetischen Behandlungen als APM- und Gestalttherapeut.
Auch emotionale Geschehen und Prozesse müssen” verdaut” werden. Anhaltender Stress, negative Emotionen, Traumata die nicht “verarbeitet” werden belasten permanent das Verdauungssystem (Pa, Le, Ga … – hier auch den lymphatischen Rachenring beachten) was irgendwann zur Überlastung und Dekompensation führt. Dies betrift neben der endokrinen auch die exokrine Funktion des Pankreas. (Oberbauchbeschwerden, Intoleranzen usw.)
Ist mein Verdauungssystem und die beteidigten Organe schwach > fällt es mir schwerer Traumatas zu verarbeiten. Die Resilienz ist vermindert.

Im Umkehrschluss: Alle langfristige Psychotherapien (v.a. Depressionen) profitieren von einer begleitenden naturheikundlichen Therpaie des Verdauungssystems.

#1 |
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