Colistin-Resistenz: Schweinereien bei der Tierzucht

4. Dezember 2015
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In China nimmt die Zahl an resistenten Escherichia-coli-Spezies zu. Viele Bakterien tragen Plasmide gegen Colistin. Damit verliert eines der letzten Reserveantibiotika an Bedeutung – pharmakologische Waffen werden stumpf.

Colistin steht seit 1959 zur Verfügung. Aufgrund seiner Neuro– und Nephrotoxizität wurde das Polymyxin-Antibiotikum jahrzehntelang nur topisch verordnet. Ein Glücksfall, da Resistenzen bislang kaum auftraten. Seit 2012 gibt es wieder Fertigarzneimittel, um Carbapenem-resistente Enterobakterien (CRE) zu bekämpfen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet Colistin nicht ohne Grund als „unverzichtbares Medikament in der Humanmedizin“. Studien zeigen, dass in nächster Zeit mit deutlich schlechteren Ansprechraten gerechnet werden muss.

Plasmide mit Schutzeffekt

Jian-Hua Liu und Jianzhong Shen aus der Universität in Guangzhou (Südchina) haben jetzt beim routinemäßigen Lebensmittelscreening E. coli mit Resistenz gegen Colistin nachgewiesen. Das ist an und für sich nicht überraschend. In den letzten Jahren haben mehrere Labors ähnliche Eigenschaften beschrieben. Liu und Shen fanden jedoch heraus, dass die Resistenz nicht an bakterielle Chromosomen, sondern an das Plasmid MCR-1 gebunden war. Im Labor wurden Colistin-sensitive Keime gegen das Polymyxin-Antibiotikum widerstandsfähig – was für rasche Transfektionen spricht.

Von China in alle Welt

Doch wie stark hat sich MCR-1 bereits in der Umwelt verbreitet? Jian-Hua Liu und Jianzhong Shen untersuchten Hühner und Schweine als beliebteste Nutztiere Chinas. In 166 von 804 Proben fanden sie das Resistenzgen. Aus Krankenhäusern bekamen sie Isolate von 1.322 Patienten, die wegen unklarer Infektionen behandelt wurden. Hier waren 16 Proben MCR-1-positiv. David L. Paterson aus Brisbane hält Zusammenhänge mit Resistenzen in Malaysia und Lagos für wahrscheinlich. Er fordert von der chinesischen Führung, Veterinäre stärker einzuschränken.

Tonnenweise Colistin

Pharmazeutische Hersteller produzieren etwa 12.000 Tonnen Colistin pro Jahr. Ein Großteil geht an die chinesische Massentierhaltung. Vor Ort haben acht große Hersteller ihren Sitz. China exportiert Schweinefleisch und Geflügel in viele Länder – mit blinden Plasmid-Passagieren an Bord. Damit werden Resistenzen zum globalen Thema.

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