Ovarialkarzinom-Diagnostik: Nadeln im Heuhaufen

8. Dezember 2015
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Erstmals ist es Forschern gelungen, Eierstockkrebs schon im frühen Stadium zu diagnostizieren. Sie identifizierten mehrere spezifische Stoffwechselprodukte. Im nächsten Schritt soll daraus ein Screening-Test entstehen.

Rund 1,5 Prozent aller Frauen erkranken während ihres Lebens an Eierstockkrebs. Damit rangiert diese Krebsform nach Mamma-, kolorektalen, Lungen- und Endometriumkarzinomen an fünfter Stelle. Onkologen diagnostizieren 70 Prozent aller Ovarialkarzinome erst in fortgeschrittenen Stadien mit Ausbreitung im Becken beziehungsweise im gesamten Abdomen. Hier liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei weniger als 40 Prozent – verglichen mit über 80 Prozent in frühen Stadien. Als Grund sehen Ärzte die vergleichsweise unspezifische Symptomatik. Sie fordern bessere Methoden zur Diagnostik.

Verräterische Moleküle

Jetzt hat eine Forschergruppe um John F. McDonald, Atlanta, 16 Metaboliten identifiziert, um bereits frühe Formen nachzuweisen. Das Team untersuchte Blutproben von 46 Patiuentinnen mit diagnostisch gesichertem Ovarialkarzinom der FIGO-Stadien I oder II (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique). Als Kontrolle dienten 49 gesunde Frauen. Über gekoppelte Verfahren wie der Flüssigchromatographie und der hochauflösenden Massenspektrometrie fanden sie rund tausend potenziell geeignete Moleküle. Anschließend kam Kollege Computer zum Einsatz. McDonald gelang es, über spezielle Algorithmen 225 Verbindungen in die engere Wahl zu ziehen. Schließlich blieben 16 Moleküle übrig, die eine Unterscheidung zwischen gesunden und kranken Frauen mit mehr als 90 Prozent Genauigkeit ermöglichten. Es handelt sich um freie Fettsäuren und Lipide. Im nächsten Schritt wollen Forscher daraus einen praxistauglichen Screening-Test entwickeln.

Bislang nicht empfehlenswert

Ihre Studie könnte zum Paradigmenwechsel führen. „Ein generelles Screening sollte nicht durchgeführt werden“, heißt es bislang in der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“. Ärzten steht theoretisch die Transvaginalsonographie sowie die Bestimmung von CA 125 als Tumormarker zur Verfügung. Allerdings ist es weder mit der PLCO-Studie (US NIH Prostate Lung Colorectal and Ovary Study) noch mit der UKCTOCS-Studie (United Kingdom Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening) gelungen, Effekte beider Verfahren auf die Mortalität nachzuweisen. Jetzt warten Gynäkologen gespannt auf neue Daten zu biochemischen Tests.

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Forschung, Pharmazie

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