Khat: Der Strauch der Versuchung

4. Dezember 2015
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Eine Droge erobert Deutschland: In den letzten Wochen haben Zollbeamte rund 450 Kilogramm Khatblätter am Flughafen München sichergestellt. Inhaltsstoffe des Strauches führen zur psychischen Abhängigkeit. Mit dem Schmuggel versuchen Warlords, ihre Kriegskassen zu füllen.

Heiße Ware: Reisende aus Ägypten versuchen häufig, Khat in die Europäische Union einzuführen. Hauptanbaugebiete sind Kenia, Oman, der Jemen und Äthiopien. Von dort geht es weiter nach Nordafrika und in die EU. Wie das Hauptzollamt München jetzt berichtet, befanden sich in einzelnen Gepäckstücken zwischen 35 und 45 Kilogramm Khat. Zöllnern gelang es, etwa 450 Kilogramm Pflanzenmaterial zu beschlagnahmen. Mehrere Strafverfahren wurden eingeleitet. Die Einfuhr, der Besitz und der Handel sind bei uns verboten.

 

Beschlagnahmte Khat-Blätter. Foto: Zoll München / Pressebild

Beschlagnahmte Khat-Blätter. Foto: Zoll München / Pressebild

Rausch für zwischendurch

In afrikanischen Ländern erfreut sich Kath (Catha edulis) als Alltagsdroge großer Beliebtheit. Botanisch gehört der Strauch zu den Spindelbaumgewächsen (Celastraceae). Kathblätter werden im Mund zerkaut und dabei aufgeschlossen. Über die Mundschleimhaut gelangt Cathin, ein Amphetamin, in unseren Körper. Weitere Wirkstoffe sind die Amphetamin-Derivate Norephedrin und Cathinon. In Kombination wirken die Naturstoffe stimulierend, lokalanästhetisierend und anorektisch. Sie führen zur psychischen, aber nicht zur physischen Abhängigkeit. Der Konsum größerer Mengen zieht Benommenheit, gastrointestinale oder kardiovaskulären Störungen nach sich. Langfristig kommt es zu Schlafstörungen, Impotenz, koronaren Herzerkrankungen und zu Krebs. Forscher führen Karzinome des Mundes, der Zunge sowie der Speiseröhre nicht per se auf Kath zurück. Vielmehr scheint es sich um Effekte unsachgemäß eingesetzter Pestizide zu handeln.

Veritables Exportgut

Mit gesundheitlichen Folgen ist es nicht getan. Regierungen und Söldner auf beiden Seiten des Roten Meeres versuchen, den Handel unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Jemen sehen al-Qaida-nahe Ansar al-Scharia-Milizen die Pflanze als veritable Einkommensquelle, im Süden Somalias sind islamistische al-Shabab-Milizen am Umsatz beteiligt. Gelder aus dem Kathschmuggel helfen etlichen Warlords, sich mit Waffen zu versorgen. Damit nicht genug: Immer häufiger steigen Bauern von Getreide, Obst und Gemüse in den Kat-Anbau um. Lebensmittel müssen importiert werden, und Versorgungsengpässe drohen. Durch konsequente Überprüfungen will der deutsche Zoll hier intervenieren.

52 Wertungen (4.73 ø)

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5 Kommentare:

Wem nützt das Verbot
Wem nützt das Verbot

Die deutsche Politik scheint offenbar interessiert daran zu sein solche Warlords zu stärken, anders ist das Verbot nicht zu erklären.

#5 |
  1
Gast
Gast

Diese afrikanische Alltagsdroge schein weniger schädlich zu sein als die deutsche Alltagsdroge Alkohol. Eigentlich doch gut für die Afrikaner. Wir müssen uns dafür mit den Leberschäden herumschlagen. Aber eben legal.

#4 |
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Martha Magiera-Fischer
Martha Magiera-Fischer

# 1 u. 2
BRAVO

#3 |
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Gast
Gast

Eine Droge hat Deutschland schon lange erobert: In den letzten 52 Wochen haben Deutsche Raucher rund 50000 Tonnen Tabak konsumiert. Inhaltsstoffe der Pflanze führen zur psychischen Abhängigkeit. Mit dem Verkauf versuchen Manager der Tabakindustrie, ihre Kassen zu füllen.

#2 |
  0
Gast
Gast

Schon ab 24 Stunden nach der Ernte verlieren die Blätter ihre euphorisierende Wirkung. Da muss der Vertriebsweg schon lückenlos sein um hier in Europa Khat zu verkaufen. Aus diesem Grund wird sich bei uns höchstwahrscheinlich keine Modeerscheinung entwickeln, abgesehen von der Diaspora aus den jeweiligen Ländern.
Abgesehen davon ist Khat zu kauen nicht gefährlicher als Alkohol oder Zigaretten zu konsumieren.

#1 |
  2
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