Lungenkarzinom: Monozyten-Umpolung bei SCLC

24. November 2015
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Bei der Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms treten Tumorrezidive auf, die weitere Therapien erschweren. Um die Metastasierung und Chemoresistenz aufzuklären, konnte nun eine permanente Kultivierung von Zellen etabliert werden, die sich unbegrenzt fortpflanzen können.

15 Prozent der Lungentumorpatienten erleiden das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC), das meistens zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen gebildet und eine entsprechend schlechte Prognose hat. Die Behandlung erfolgt durch zytotoxische Chemotherapie und Bestrahlung.

Zunächst sprechen die meisten Erkrankten auf die kombinierte Therapie sehr gut an. Doch innerhalb etwa eines Jahres treten Tumorrezidive mit einer Resistenz gegen weitere Chemotherapien auf, was die Überlebenschance drastisch reduziert. Warum sich dieser Tumor so aggressiv verhält, konnte bisher nicht untersucht werden, weil es mangels chirurgischer Tumorentfernungen zu wenig Zellmaterial zur biomolekularen Analyse gab. Einziger Anhaltspunkt war die Kenntnis, dass sich im Blut der an SCLC Erkrankten extrem viele zirkulierende Tumorzellen befinden.

Die Gruppe um Gerhard Hamilton in Kooperation mit Robert Zeillinger von der Molecular Oncology Group der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Maximilian Hochmair vom Otto-Wagner Spital konnte nun eine Methode zur permanenten Kultivierung der zirkulierenden Tumorzellen von Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligen Lungenkarzinom etablieren. Es gelang dabei, vier solcher Zelllinien zu entwickeln, die sich unbegrenzt fortpflanzen können.

Umegepolte Monozyten im Mikromilieu

So konnte erstmals beschrieben werden, wie es den Tumorzellen gelingt, die körpereigene Immunabwehr zu manipulieren. Es werden dabei Monozyten zu Makrophagen ausgebildet, die mit Hilfe von chemischen Botenstoffen umgepolt werden und, anstatt die Tumorzellen zu bekämpfen, ein entzündliches Mikromilieu schaffen. Dadurch wird die Ausbreitung der Tumorzellen noch zusätzlich stimuliert. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass bei der Hauptrisikogruppe der Patienten vor Ausbruch des Lungenkarzinoms schon eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) vorliegt, welche die Bildung von zirkulierenden Tumorzellen zusätzlich fördert.

Dieses Ergebnis trägt grundsätzlich zur Klärung der Metastasierung bei Tumoren bei. Das nächste Ziel der Forschergruppe um Hamilton ist die Aufklärung der Chemoresistenz der rezidiven Tumoren des SCLC.

Originalpublikation:

Small cell lung cancer: recruitment of macrophages by circulating tumor cells
Gerhard Hamilton et al.; OncoImmunology, doi: 10.1080/2162402X.2015.1093277; 2015

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