Doktorarbeit: Zum Titel publiziert

6. Februar 2013
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Die Publikationspromotion bietet eine Alternative zur klassischen Monografie. Aber für wen ist diese Art der Promotion überhaupt geeignet? Wir klären auf und verschaffen Euch einen Überblick.

Die Publikationspromotion wird alternativ zur Monografie zum Erwerb des akademischen Titels (Dr. med.) angeboten. Sie unterscheidet sich von einer klassischen Monografie dadurch, dass Ihr eigenständig einen oder mehrere Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichen müsst. Dabei ist zu beachten, dass es sich dabei um Zeitschriften handeln muss, bei denen Gutachter über die Annahme eines Artikels entscheiden – sogenannte peer reviewed journals. Die Gutachter sind meist internationale Experten im betreffenden Bereich. Der Doktorand, der diese Arbeit zu Promotionszwecken einreicht, muss zumeist als Erstautor genannt sein. Das bedeutet, dass er den Hauptanteil an der Arbeit, die für die Publikation notwendig war, geleistet haben muss.

An die Veröffentlichung stellen die verschiedenen Universitäten unterschiedliche Anforderungen. So reicht zum Beispiel an der Uni Münster eine Erstautorenschaft, an der Charité müssen gleich drei Artikel veröffentlicht werden, eine als Erst- und zwei als Koautor (kumulative Dissertation). Mit der neuen Promotionsordnung kann auch eine Erstaurorenschaft in einem Top Journal ausreichend sein. Das jedoch ist nicht so einfach. Über die Möglichkeit und Vorraussetzungen für eine Publikationspromotion informiert die Promotionsordnung der zuständigen Fakultät. Oder Ihr fragt einfach im zuständigen Promotionsbüro nach.

Handfeste Gründe

Für die Einführung der Publikationspromotion gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen geriet die Qualität von medizinischen Doktorarbeiten in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik, wie man es zum Beispiel hier und hier nachlesen kann. Vor allem seien medizinische Doktoarbeiten nicht mit anderen, z. B. naturwissenschaftlichen Doktorabeiten vergleichbar. Im Unterschied zur medizinischen Promotion, die teils studienbegleitend geleistet wird, dauern naturwissenschaftliche Doktorarbeiten in der Regel mehrere Jahre, in denen der Doktorand Vollzeit forscht. Medizinern wird oft unterstellt, ihre Doktorarbeit in nur wenigen Monaten fertigzubringen. Die Einführung der Publikationspromotion soll nun für eine bessere Qualität der Doktorarbeiten sorgen.

Der zweite Grund ist ganz pragmatisch: Publikationen sind für den Ruf der Forschung der Universitätskliniken mitentscheidend und auch Gelder werden nach der Publikationsleistung an Institute verteilt. Somit hat eine erhöhte Publikationszahl auch ganz praktische Vorteile für die Institute. Im Gegensatz dazu bringen klassische Doktorarbeiten keine Vorteile für ein Institut, wenn diese nicht publiziert werden.

Wie ist der Ablauf?

Ein fertiggestellter Artikel wird bei einem in Frage kommenden Journal eingereicht. Die Arbeit sollte zum thematischen Schwerpunkt der Zeitschrift passen. Um veröffentlicht zu werden, sollte der Artikel neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Die eingereichte Arbeit wird dann von mehreren Wissenschaftlern gegengelesen und geprüft (peer review). Die Arbeit kann anschließend ohne Änderungswünsche angenommen werden, das ist jedoch eher die Ausnahme. Häufiger werden Auflagen erteilt, die kleinere oder größere Änderungen fordern (minor oder major revisions). Je nach Antwort muss der Artikel dann überarbeitet werden.

Bei einer experimentellen Arbeit können auch einmal zusätzliche Experimente verlangt werden, was zeigt, dass Revisionen eine Menge Arbeit bedeuten können. Ebenfalls ist es möglich, dass der eingereichte Artikel abgelehnt wird. Das ist zwar ungünstig, davon sollte man sich allerdings nicht einschüchtern lassen. Dann heißt es, bei einer anderen Zeitschrift anzufragen. Bis zur schlussendlichen Publikation des Artikels kann somit auch mal einmal ein Jahr vergehen.

Motivierter Doktorvater

Sarah, Doktorandin im 7. Semester, sieht die Vorteile einer Publikationspromotion in der Qualität der Arbeiten, da diese ein gewisses Niveau erreichen müssten, um von einem wissenschaftlichen Journal angenommen und publiziert zu werden. Da sie eine kumulative Dissertation schreibt, sei diese auch vielseitiger als eine Monografie, da man mehrere Publikationen mit mehreren Themen schreiben müsse. Fabian, ebenfalls Doktorand, sieht die Vorteile der Publikationspromotion in der Motivation des Doktorvaters.

Dieser habe den Ehrgeiz, dass die Arbeit von hoher Qualität sei und zügig voranschreite, sodass der Artikel möglichst schnell und in angemessener Form veröffentlicht werden könne. Zudem sieht er folgenden, ganz pragmatischen Vorteil: “Man hat das Gefühl, dass es jemand liest. Im Gegensatz zu einer Monografie, die lediglich von Doktorvater und Gutachter gelesen wird und dann in der Bibliothek verstaubt.” Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich zu einem späteren Zeitpunkt nicht ständig Gedanken machen muss, ob die Arbeit vielleicht qualitativ nicht ausreichend ist. Denn deren Qualität wurde ja schon von unabhängigen Gutachtern bestätigt. Außerdem ist für eine sehr gute Bewertung der Promotion in der Regel eine Veröffentlichung der Arbeit Vorraussetzung.

Der Druck ist groß

Eine Publikationspromotion ist mehr Arbeit als man denkt. Wer überlegt, dass ein mehrseitiger Artikel weniger Arbeit ist als eine Monografie, wird hier schnell enttäuscht. Die Publikation muss zudem – im Gegensatz zur Monografie – in englischer Sprache geschrieben werden. Dann durchläuft sie einen Korrekturprozess bei Deinem Doktorvater. Anschließend kommt noch der Reviewprozess durch die Fachzeitschrift. Da können schon einige Monate ins Land ziehen. Auch der Druck, der auf einem lastet, seinen Artikel zeitnah, vielleicht vor konkurrierenden Arbeitsgruppen und in ansprechender Qualität zu veröffentlichen, kann sehr hoch sein. Der Doktorvater muss zudem bereit sein, einen als Erstautor des Artikels zuzulassen, was sich in manchen Arbeitsgruppen als schwierig gestalten kann. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich nicht alle Themen, die für Doktoranden ausgeschrieben werden, auch für eine Veröffentlichung eignen. Hier ist man also in besonderer Weise auf den Doktorvater angewiesen und auf dessen Erfahrung im Publizieren.

Publikationspromotion – für wen denn nun?

Auf die Frage, für wen eine Publikationspromotion geeignet sei, antwortet Sarah: “Für Doktoranden, die den Anspruch haben, wissenschaftlich zu arbeiten und die ein wissenschaftlich relevantes Thema haben.” Für diejenigen, denen es hauptsächlich um den Doktortitel ginge und die, “die in eine Praxis gehen und sicher klinisch arbeiten wollen”, wäre eine klassische Dissertation der richtige Weg.

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