E-Zigaretten: Der letzte Zug

27. November 2015
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In den USA erlitt ein Konsument von E-Zigaretten eine schwere Bronchiolitis obliterans. Wissenschaftler sehen hier Zusammenhänge mit Diacetyl als Bestandteil sogenannter Liquids. Das Molekül war bereits Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen – als Inhaltsstoff von Popcorn.

Brombeere, Kirsch-Sahne, Eierlikör, Kaffee oder Karamell: Liquids zur Befüllung elektrischer Zigaretten gibt es in mehr als 100 noch so obskuren Geschmacksrichtungen. Die zu verdampfende Flüssigkeit besteht neben Propylenglycol, Glycerin und Nikotin aus diversen Aromen. Um Buttergeruch zu imitieren, greifen Hersteller auf Diacetyl, ein äußerst umstrittenes Molekül, zurück.

Ein seltsamer Patient

Graham Atkins und Frank Drescher aus Lebanon (US-Bundesstaat New Hampshire) berichten jetzt von einem 60-jährigen Patienten, der sich mit starken Atembeschwerden und allgemeinem Krankheitsgefühl vorgestellt hatte. Beim Röntgen fanden Ärzte nichts Auffälliges. Sie gaben Ceftriaxon plus Azithromycin. Kurz darauf besserten sich die Beschwerden. Einen Monat später tauchte der ominöse Patient erneut auf – mit ähnlichen Symptomen. Dieses Mal kamen eine Hypoxie und Fieber mit hinzu. Beim Lungen-CT waren Infiltrate sichtbar. Atkins und Drescher verordneten wieder Antibiotika; kurz darauf war der Spuk vorbei. Die Wissenschaftler machten sich auf die Suche nach möglichen Auslösern und wurden schnell fündig. Kurz vor beiden Erkrankungsphasen hatte der Mann stark aromatisierte E-Zigaretten mit Diacetyl konsumiert. Das Molekül gilt bei Toxikologen als äußerst umstrittener Zusatzstoff und kann zu Bronchiolitis obliterans führen.

Popcorn schädigt Lungen

Diacetyl kommt unter anderem bei der Herstellung von Mikrowellen-Popcorn zum Einsatz. Seit dem Jahr 2000 befassen sich FDA-Experten mit Effekten des Zusatzstoffs auf Fabrikarbeiter. Toxikologen ist heute klar, dass Bronchiolitis obliterans („Popcorn Worker’s Lung“) von Diacetyl ausgelöst wird. Klagen Betroffener folgten, und Produzenten mussten Fabrikarbeitern mehrere 100 Millionen US-Dollar Entschädigung zahlen. Seit 2007 schützt der „Popcorn Workers Lung Disease Prevention Act“ Angestellte. Trotz dieser Gesetzeslage bleibt Diacetyl in den USA und in Europa weiter zugelassen.

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Forschung, Pharmazie

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2 Kommentare:

Achim
Achim

Leider wird nicht erwähnt, dass der Patient Zigarrenraucher ist (in der Orginalstudie wird das beschrieben) und Tabak viel höhere Konzentrationen von Diacetyl freisetzt, als in E-Liquiden enthalten ist.

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Gast
Gast

ihr Wissen ist leider veraltet. Inzwischen wurde von Experten schon Entwarnung gegeben http://www.ecigarette-research.org/research/index.php/whats-new/whatsnew-2015/234-bo

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