MRSA: Gesellschaftsfähige Lunge

5. August 2011
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Wiener Wissenschaftler haben die Ursache für schwere Lungenentzündungen entschlüsselt, die durch multi-resistente Bakterien ausgelöst werden. Dadurch ergeben sich neue therapeutische Ansätze, um deren fatalen Verlauf zu verhindern.

Methicillin resistente Staphylokokken (MRSA) sind weltweit verbreitet. Nach ihrem ersten Auftreten 1963 hat ihre Häufigkeit zugenommen. Bestimmte Stämme haben eine besondere Fähigkeit entwickelt, sich auszubreiten. Sie sind durch eine hohe epidemische Virulenz gekennzeichnet. Das Maß ihrer Ausbreitungsfähigkeit ist für größere Infektionsausbrüche entscheidend. Gegen Antibiotika resistente Bakterienstämme sind besonders schwierig zu behandeln und in gleichem Maße oft entsprechend lebensbedrohlich.

Etwa 50 bis 60 Prozent aller mit MRSA besiedelten Patienten entwickeln eine Infektion. Hauptsächlich davon betroffen sind Patienten mit schweren Grunderkrankungen und den für MRSA bekannten Risikofaktoren. Diese kommen besonders häufig aus Bereichen mit intensivem medizinischem Versorgungsbedarf. Meticillin resistente Staphylokokken besitzen daher eine große Bedeutung als Verursacher nosokomialer Infektionen, allen voran besonders schwer verlaufender Pneumonien. Der Anteil von MRSA bedingten Infektionen in Krankenhäusern stieg in den Jahren 1998 bis 2004 von 15 auf über 20 Prozent.

Ambulant erworbene MRSA nimmt zu

Methicillin resistente Staphylokokken werden jedoch auch mit unterschiedlicher Häufigkeit als Infektionserreger in der nicht hospitalisierten Bevölkerung nachgewiesen. Man bezeichnet sie deshalb als community-aquired MRSA (caMRSA). Diese besonders aggressiven MRSA-Stämme haben eine hohe Pathogenität. Sie werden besonders mit tiefgehenden und nekrotisierenden Haut- oder Weichteilinfektionen in Zusammenhang gebracht und gelten als Ursache der nekrotisierenden Pneumonie. caMRSA zeichnen sich durch eine hohe Morbidität und eine Mortalität bis zu 32 Prozent aus.

Eine bedeutende Rolle innerhalb der zunehmend verbreiteten caMRSA Stämme spielt das bakterielle Toxin Panton Valentine Leukocidin (PVL). Es greift vor allem die neutrophilen Granulozyten im Blut an und führt zu deren raschen Zelltod. Panton Valentine Leukocidin gilt als Virulenzfaktor für Meticillin resistente Staphylokokken und ist entscheidend für Entwicklung einer nekrotisierenden Pneumonie, einer fast immer tödlichen Komplikation schwerer Erkrankungen der Lunge.

PVL lösen Entzündungsreaktion aus

Eine Forschungsarbeit der Medizinischen Universität Wien hat sich in diesem Zusammenhang genauer mit den gefürchteten caMRSA befasst. Die Arbeit entstand in Kooperation mit dem Center for Molecular Medicine (Ce-M-M), den Klinischen Instituten für Labormedizin und Pathologie der Medizinischen Universität Wien, sowie der Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie. Ana Zivkovic aus der Forschungsgruppe von Univ.-Prof. Sylvia Knapp (Universitätsklinik Medizin 1, Abteilung für Infektiologie und Chemoprophylaxe) fand heraus, dass Panton Valentine Leukocidin jedoch zusätzlich in der Lage ist, Alveolarmakrophagen zu aktivieren.

Diese Zellen an der Oberfläche der Lungenbläschen bauen im Normalfall totes Material und Fremdpartikel in der Lunge ab. Bei der Aktivierung durch PVL wird dadurch jedoch eine ausgeprägte Entzündung der Lunge ausgelöst. Diese Arbeit, die am Mausmodell durchgeführt wurde, zeigt somit erstmals, dass Panton Valentine Leukocidin nicht ausschließlich auf Granulozyten wirkt, sondern zudem sehr wesentlich an der Entzündungsreaktion der Lunge beteiligt ist. Diese Entdeckung erlaubt einen neuen Ansatz in der Suche nach entsprechenden Therapiemöglichkeiten.

9 Wertungen (4.89 ø)
Medizin

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2 Kommentare:

O.Univ.Prof. Dr. Vilmos Vécsei
O.Univ.Prof. Dr. Vilmos Vécsei

Wird ein Ergebnis vorgetaescht ohne dieses zu liefern! Schade.

#2 |
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Prof. Dr. med J. Peter Guggenbichler
Prof. Dr. med J. Peter Guggenbichler

Mit dieser sicher interessanten Entdeckung ist man aber noch Meilen von einem therapeutischen Ansatz entfernt!
Die Überschrift verspricht wesentlich mehr als sie hält.
Es gibt zahlreiche andere – wahrscheinlich bessere und billigere – Ansätze um nosocomiale Pneumonien zu verhindern! Diese sind wesentlich näher an einem klinischen Einsatz.

#1 |
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