Reaktionen auf Musik: Das Auge hört mit

17. November 2015
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Beim Musikhören lassen sich die emotionalen Reaktionen der Hörer von der Pupillengröße der Augen ablesen. Die Emotionalität und der persönliche Bezug zur Musik hängen mit Veränderungen der Pupillengröße zusammen. Wahrnehmung von Musik lässt sich so effektiv untersuchen.

Klänge können, abhängig von ihrem emotionalen Gehalt, auch Pupillenreaktionen hervorrufen. Hocherregende Klänge, wie zum Beispiel Stimmen eines sich streitenden Paares, führen zu einer größeren Pupillenerweiterung als neutrale Klänge, wie etwa Hintergrundlärm in einem Büro. Musik kann häufig starke Emotionen bei Hörern auslösen, aber Pupillenreaktionen während des Musikhörens wurden bislang nicht systematisch untersucht.

Ein Forscher-Team um Bruno Gingras von der Universität Innsbruck verwendete Musik aus der Romantik – bekannt für ihren Pathos – um zu zeigen, dass stark emotionale Musik zu einer Erweiterung der Pupille führt. Der Grad der emotionalen Erregung korrelierte mit der Pupillenerweiterung, d. h. die Pupille erweiterte sich stärker beim Hören von hocherregender Musik. „Es wurden auch stärkere Erweiterungen bei jenen Zuhörern beobachtet, die angaben, dass Musik eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt“, so Gingras. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die emotionale Reaktion auf Musik sich in der Pupillengröße widerspiegelt, und dass sowohl der emotionale Gehalt als auch der Bezug zur Musik dabei eine Rolle spielen.

Emotionale Reaktionen auf Klavierklänge

Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, hat Gingras in Zusammenarbeit mit Tecumseh Fitch, Manuela Marin und Estela Puig-Waldmüller von der Universität Wien 30 Studien-Teilnehmer gebeten, den emotionalen Gehalt von Ausschnitten aus Klaviertrios zu bewerten. Eine andere Gruppe von 30 Teilnehmer, die den Zweck des Experimentes nicht kannten, hörte diese Ausschnitte, während die Pupillengröße mittels Eyetracker gemessen wurde. Danach füllten diese Teilnehmer einen kurzen Fragebogen aus, der auch Fragen über ihre Beziehung zur Musik beinhaltete.

„Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Veränderungen der Pupillengröße beim Musikhören von einem komplexen Zusammenspiel von musikalischen Parametern und individuellen Unterschieden der Hörer bestimmt werden. Diese Faktoren bestimmen wahrscheinlich auch emotionale Reaktionen“, erklärt die Psychologin Marin. Gingras ergänzt: „Die Messung des Pupillendurchmessers ist eine vielversprechende Methode, um emotionale Reaktionen auf Musik zu untersuchen, da Pupillenreaktionen nicht willentlich kontrolliert werden können. So können wir unbewusste Prozesse beim Musikhören untersuchen“.

Originalpublikation:

The eye is listening: Music-induced arousal and individual differences predict pupillary responses
Bruno Gingras et al.; Frontiers in Human Neuroscience, doi: 10.3389/fnhum.2015.00619; 2015

13 Wertungen (4 ø)

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4 Kommentare:

Michael Serr
Michael Serr

Das Thema ist dem Publikationsdruck der Wissenschaft erlegen!

#4 |
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Weitere medizinische Berufe

Doch, wirklich spannende und total neue Erkenntnisse – und wozu der ganze Aufwand?

#3 |
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Dr. angelika ehrfeld
Dr. angelika ehrfeld

ja da sind wir doch alle überrascht, dass man an altes Wissen erinnert wird

#2 |
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Ärztin

Bei Erregung weiten sich die Pupillen. Das sind ja bahnbrechende Erkenntnisse…

#1 |
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