OECD-Studie: Krankes Gesundheitssystem

13. November 2015
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Hohe Verordnungszahlen, Schwächen bei der Primärversorgung und fehlende Fachkräfte: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) entlarvt so manche Schwachstelle im deutschen Gesundheitssystem. Nach Lösungen wird aber vergebens gesucht.

„Health at a Glance 2015“: Mit ihrer neuen Studie stellen OECD-Forscher Deutschlands Gesundheitssystem an den Pranger. Im Berichtszeitraum erhöhten sich die Pro-Kopf-Ausgaben um jährlich zwei Prozent – bei anderen OECD-Staaten waren es lediglich 0,9 Prozent. Hier zu Lande entfielen elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf Leistungen und Güter des Gesundheitswesens. Im OECD-Durchschnitt waren es 8,9 Prozent.

Teure Pillen

Auf der Suche nach Gründen wurden Forscher schnell fündig. OECD-weit hat Deutschland einen Spitzenplatz bei den Arzneimittelausgaben. Pro Kopf waren es im Jahr 2013 kaufkraftbereinigt 678 US-Dollar – 30 Prozent mehr als der OECD-Durchschnitt. Nur die Vereinigten Staaten, Japan, Griechenland und Kanada toppten diese Werte. Entsprechende Zahlen lassen sich nicht nur, wie oft vermutet, mit Hochpreisern erklären. Patienten sind hier zu Lande Weltmeister bei der Einnahme von Antihypertonika. Sie konsumierten 575 Tagesdosen je 1.000 Einwohner: ein Wert, der um 80 Prozent über dem Durchschnitt aller untersuchten Länder lag. Bei Antidiabetika waren es 30 Prozent über dem Durchschnitt. Unterschiede lassen sich mit der Prävalenz, aber auch mit dem Verschreibungsverhalten von Ärzten erklären.

Versorgungsqualität: gemischte Gefühle

Neben der Pharmakotherapie untersuchten Wissenschaftler auch die Primärversorgung. Bei potenziell vermeidbaren Krankenhauseinweisungen schnitt Deutschland schlecht ab. Patienten mussten sich weitaus häufiger aufgrund von Diabetes oder Herzinsuffizienzen stationär behandeln lassen als in anderen Ländern. „Dies kann teilweise durch eine höhere Prävalenz dieser Krankheiten erklärt werden“, heißt es im Report. Trotzdem wäre es wichtig, chronisch Kranke kontinuierlich zu versorgen, um überflüssige Behandlungen im Klinikum zu vermeiden.

Multikulti im weißen Kittel

Die Versorgung ist aber sichergestellt. Mit 4,1 Ärzten (OECD: 3,3) und 13 Krankenpflegern (OECD: 9,1), auf jeweils 1.000 Einwohner gerechnet, nimmt Deutschland einen guten Platz ein, wenn auch nicht aus eigener Kraft. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil ausländischer Mediziner von 3,7 auf 9,5 Prozent (2014) erhöht. Die meisten Kollegen kommen aus Rumänien, Polen, Griechenland und Österreich. Experten erwarten bei steigendem Bedarf, dass weitere Fachkräfte zu uns kommen. Auf eine sinnvolle Bedarfsplanung durch mehr Studienplätze vertrauen sie nicht.

20 Wertungen (3.8 ø)

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4 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

ganz einfach , nicht nur über Budgets u. Einsparungen “nachdenken”, sondern endlich die neuesten Erkenntnisse der internationalen Forschung umsetzen , wohlgemerkt nicht unbedingt der Ergebnisse der Pharma- Riesen; die aber sicherlich Ihre Daseinsberechtigung haben – NICHT mißverstehen .

#4 |
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Gast
Gast

2009-2013: AMNOG (2011) erklärt diesen Rückgang teilweise.

#3 |
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Gast
Gast

Was man aber auch aus den Zahlen lesen kann: während die Kosten der medizinischen Versorgung in Deutschland in den Jahren 2005-2009 um 2,8%/Jahr und von 2009-2013 um 2%/Jahr zulegten, stiegen die Ausgaben für Pharmazeutika und pharmazeutische Leistung nur in den Jahren 2005-2009 um 3,8%. Von 2009-2013 SANKEN die Gesamtausgaben jährlich um 0,7%/Jahr.

Die Ausgaben der medizinischen Versorgung in Deutschland sind vor allem durch die hohen Kosten Personalkosten in der ärztlichen Versorgung bedingt, die in den letzten Jahren durch Auskopplung der Ärzte aus dem allgemeinen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes und Einführung des TV-Ä entstanden ist.

#2 |
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Gast
Gast

Was die OECD so von sich gibt ( “erforscht” oder so ähnlich ) ist meiner Kenntnis nach oft nicht besonders qualifiziert. Deshalb weiß ich nicht so recht, wie diese “Studie” tatsächlich zu bewerten ist und welche Relevanz ihr beizumessen ist.

#1 |
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