Medizinstudium: Rich Kids on the Block

2. Dezember 2015
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Gute Noten, gute Nerven oder gutes Geld: Zum heiß ersehnten Studienplatz führen viele Wege. Wer am verhassten NC scheitert, kann seine Chancen über den TMS verbessern, gegen Unis klagen oder im Ausland sein Glück wagen. Ganz wichtig: das nötige Budget.

Abiturnote 2,0 – aus der Traum vom Human- oder Zahnmedizin-Studienplatz? Oder mindestens zwölf Semester Wartezeit totschlagen? Das muss nicht sein, denn er ist zurück: Der TMS (Test für medizinische Studiengänge) erfreut sich seit Wiedereinführung zum Wintersemester 2007/2008 zunehmender Beliebtheit. Momentan setzen 20 medizinische und 14 zahnmedizinische Fakultäten im Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) neben weiteren Kriterien auf TMS-Resultate.

Erfolgsaussichten in der Kristallkugel

Zum Hintergrund: Der TMS wurde als spezifischer Studierfähigkeitstest konzipiert; er soll das Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen erfassen. Befürworter argumentieren, Schulnoten reichen nicht aus, um den akademischen Erfolg zu prognostizieren. Kein Problem unserer Tage: Nach Abbruchquoten von bis zu 50 Prozent führten US-amerikanische und kanadische Hochschulen in den 1930er- und 1940er-Jahren den Medical College Admission Test (MCAT) ein – mit Erfolg. Nur noch sieben Prozent aller angehenden Ärzte warfen das Handtuch. Zur Methodik selbst: Bernhard Hell, Hohenheim, berichtet, dass Auswahlgespräche wenig praktischen Nutzen haben [Paywall]. Celia A Brown und Richard J. Lilford, Birmingham, sehen die beste Korrelation zwischen kognitiven Tests und späteren Erfolgen im Studium [Paywall]. Gleichzeitig unterscheiden sich Abiturnoten und TMS-Resultate deutlich voneinander [Paywall] – was für den Test spricht. Die Gewichtung legt jede Universität individuell fest.

Train the Test

Bleibt als Kritik: Wer beim Medizinertest gut abschneidet, würde auch mit Erfolg durch das BWL-, Physik- oder Jura-Studium kommen und erfolgreich forschen. Ob Studierende mit guten TMS-Resultaten tatsächlich bessere Ärzte werden, lässt sich empirisch nicht sagen. Lilford fand beispielsweise kein geeignetes Verfahren, um Eigenschaften wie Empathie zu berücksichtigen. Auch am Thema Vorbereitung scheiden sich die Geister. Daten kommen in diesem Fall aus der Schweiz. Eidgenossen unterziehen sich dem Eignungstest für das Medizinstudium (EMS). Beim EMS gilt – wie auch beim TMS – das „Testing-the-Limits-Paradigma“: Probanden erreichen mit zunehmender Übung eher ihre individuelle Leistungsasymptote, und Startvorteile nivellieren sich. „Vorbereitung (Training) ist notwendig“, schreibt das Zentrum für Testentwicklung und Diagnostik (ZTD) als Ausrichter. Älteren Studien zufolge liegen Erfolgsmaxima bei 22 bis 24 sowie bei 40 bis 46 Stunden. Tatsächlich versuchen diesseits und jenseits der Alpen viele Firmen, gutes Geld mit Studierenden in spe zu verdienen. Grund genug für ZTD-Experten, klarzustellen: „Man kann durch selbständige Vorbereitung ebenso erfolgreich sein wie durch Besuch professioneller Kurse. Man kann solche Kurse besuchen (niemand hat wirklich etwas dagegen), muss es aber nicht.“ Oft handele es sich um „Geschäfte mit der Angst“.

Klagen statt warten

Wer beim Auswahlverfahren der Hochschulen trotz TMS scheitert, kann über eine Studienplatzklage nachdenken. Kanzleien bieten offensiv entsprechende Dienste an. Ihre Strategie: Artikel 12 des Grundgesetzes zur freien Berufsausübung. Hochschulen haben zwar das Recht, Zulassungsbeschränkungen einzuführen. Sie müssen jedoch alle vorhandenen Studienplätze belegen. Genau hier setzen findige Juristen an. Sie prüfen, ob eine Fakultät im Rahmen ihrer Kapazitäten tatsächlich mehr Studierende aufnehmen könnte. Die Berechnung tatsächlicher Ressourcen ist schwierig. Selbst bei Erfolg vor dem Kadi winkt nicht immer der heiß ersehnte Studienplatz. Klagen mehrere Interessenten, wird gelost. Ein Gewinner steht aber fest: die Kanzlei. Anfragen von DocCheck bei mehreren Rechtsanwälten haben ergeben, dass Bewerber mit bis zu 1.000 Euro pro Verfahren rechnen sollten. Wer parallel gegen mehrere Unis klagt, erhöht seine Erfolgsaussichten – und ist schnell bei 10.000 bis 15.000 Euro angelangt. Unis rüsten zeitgleich ihre Rechtsabteilungen massiv auf.

Ab in den Osten

Stehen die Chancen in deutschen Landen schlecht und will man nicht dem Losverfahren vertrauen, bleibt noch ein Auslandsstudium. Österreich hat angesichts deutscher NC-Flüchtlinge bereits Quoten eingeführt. 75 Prozent aller Plätze gehen an Bewerber mit Maturazeugnis, zwanzig Prozent an EU-Ausländer und weitere fünf Prozent an Studenten aus Drittstaaten. Die Europäische Union akzeptiert derartige Einschränkungen zähneknirschend. Bis 2016 müssen Gesundheitspolitiker der Alpenrepublik belegen, dass ohne restriktive Einschränkungen tatsächlich Versorgungsengpässe drohen. Bleiben noch Hochschulen osteuropäischer Länder als Alternative. Teilweise gibt es Tests, teilweise entscheiden Büros nur anhand von Zeugnissen über eine Zulassung. Im letzten Wintersemester standen die Chancen gut, mit einer Abiturnote zwischen 2,3 und 2,4 noch aufgenommen zu werden. Pro Jahr fallen Studiengebühren zwischen 5.000 und 15.000 Euro an. Hinzu kommen einmalig mehrere tausend Euro für „Bildungsmakler“. Dafür bieten medizinische Fakultäten Vorlesungen und Praktika in englischer Sprache an. Als Quereinsteiger versuchen viele Mediziner in spe, zurück nach Deutschland zu wechseln.

Geld verleiht Flügel

Auch bei uns gibt es mittlerweile Alternativen: In Nürnberg bietet die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg (PMU) einen Medizin-Diplomstudiengang an – ohne deutschen NC, dem EU-Recht sei Dank. Interessierte müssen sich einem mehrstufigen Auswahlverfahren inklusive schriftlichen Tests und Interview unterziehen. Die weitaus größere Hürde sind Gebühren von jährlich 14.200 Euro. Am Ende winkt mit dem „Dr. med. univ.“ eine Berufszulassung. Red-Bull-Magnat Dietrich Mateschitz tritt bereits seit Jahren als Förderer der PMU in Erscheinung. Angehende Mediziner können sich angesichts dieser Entwicklung mit einem Zitat von Woody Allen trösten: „Geld ist besser als Armut – wenn auch nur aus finanziellen Gründen.“

77 Wertungen (3.94 ø)

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34 Kommentare:

Gast
Gast

Ein NC sagt Nichts über die Qualität der Studenten aus.
Leute die unbedingt Medizin studieren wollen, warten oft sehr lange auf einen Platz.
Leider werden sie dann oft auch als Altstudenten abgetan. Wenn man es endlich geschafft hat, gibt es also noch genug Neider und Hürden.

#34 |
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Ärztin
Ärztin

Ich muss vielen beipflichten: eine 1,0 im LK Kunst macht allein noch keinen guten Arzt aus, auch schlau sein allein reicht einfach nicht, neben sozialer Kompetenz und fachlichem Interesse braucht es auch eine hohe Belastbarkeit, Fleiß und Durchhaltevermögen (nicht nur im Studium, auch im späteren Beruf).
Was mich ehrlich gesagt am meisten stört, dass kaum über die hohe Abbruchquote diskutiert wird: an meiner Uni begannen zu meiner Zeit regelhaft über 700 oder 800 Erstsemester ihr Studium, bei der Examensfeier standen dann gerademal 200 auf der Bühne!!! Und von denen arbeiten jetzt vermutlich nicht einmal die Hälfte in einer Klinik. WAS FÜR EINE VERSCHWENDUNG! Viele von denen die angebrochen haben taten das nicht weil sie es nicht geschafft hätten, sondern weil ihnen klar wurde, dass sie eigentlich gar keine Ärzte werden wollen. “Das hatte ich mir anders vorgestellt” wie oft habe ich diesen Satz gehört. Ich musste lange warten um meinen Studienplatz zu bekommen und habe vorher auch eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Ich kann nicht verstehen warum die angeblich so knappen Studienplätze immer wieder an Leute verschwendet werden die keine Ahnung haben worauf sie sich einlassen.
Ich würde ein klinisches Pflichtpraktikum für alle angehenden Mediziner empfehlen, das auch ganz besonders von Einserabiturienten ohne Wartezeit gefordert wird und natürlich von jedem der nicht anderweitig belegen kann jemals eine Klinik, Arztpraxis oder einen Rettungswagen von innen gesehen zu haben.

#33 |
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Ch. H.
Ch. H.

Eigentlich müsste die Zulassung durch eine Kombination verschiedener Faktoren zustande kommen. Zum Beispiel ein Punktescore aus Bewerbungsgesprächen und Praktika, und medizinischen Ausbildungen, der Abinote (wer gut lernt ist eindeutig im Vorteil), Wartezeit (wer lange durchhält hat eine höhere Motivation dann auch das Studium durchzuhalten) evtl. auch den Medizinertest der naturwissenschaftliches Verständnis prüft. Bedenklich finde ich, dass aus dem Ausland zahlreiche Ärzte oft mit mäßigen Deutschkenntnissen und ggf. mit unserem Studium nur bedingt vergleichbarer Ausbildung die Lücken in der Versorgung zunehmend füllen (müssen). Ich habe 1986 mein Medizinstudium begonnen (mit einer Abinote von 1,6 und gutem Medizinertest nach einem Wartesemester) und es in Mindeststudienzeit mit guter Note beendet. Verdient habe ich es mir weitgehend mit Nachtdiensten im Pflegebereich nach vielen freiwilligen Praktika, da ich keine wohlhabenden Eltern hatte. Ich habe diese Kombination aus verschiedenen Faktoren für die Zulassung damals als recht fair empfunden, sicher besser als nur die Abiturnote, denn jeder weiß, dass man als guter Arzt mehr als ein Spitzenabi (in NRW aktuell 1,0) braucht!

#32 |
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In der Gesamtschau wird deutlich: Jeder, der ein Abitur hat, kann in Deutschland Medizin studieren. Dafür braucht er entweder einen guten Abi-Schnitt oder (Warte-)Zeit, die sinnvoll überbrückt werden kann. Ein reiches Elternhaus kann einiges erleichtern, es geht aber auch ohne.

#31 |
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Wer schlau ist studiert in Ungarn ,USA,etc .Dann Quereinstieg nach dem Physikum.
Abi am besten auf einer Privatschule , guter Notendurchschnitt garantiert.
Ein Numerus clausus kann man gut umgehen.

#30 |
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eine Ärztin
eine Ärztin

Ich habe mein Abitur 2002 gemacht, habe ein Abischnitt von 2,7 (also für Medizin richtig richtig schlecht) und wollte aber auch unbedingt Medizin studieren. Natürlich habe ich keinen Platz bekommen…, was nun? Habe erstmal 2 Semester Lehramt studiert, was mir jetzt viele Jahre später natürlich als total verlorene Zeit vorkommt.
Und dann habe ich überlegt, ok dann mache ich eben erstmal eine medizinische Ausbildung…, ich absolvierte sehr erfolgreich eine MTLA-Ausbildung (eine wirklich tolle Ausbildung, für die man übrigens auch ziemlich viel lernen muss und anspruchsvoller ist als manch einer denkt). Danach habe ich mich wieder für Medizin beworben, wieder eine Absage…, habe dann doch erstmal angefangen zu arbeiten. 2 Jahre hat es dann noch gedauert bis ich endlich einen Studienplatz bekommen habe, 2008 begann ich als 25jährige mit dem Studium, natürlich mit der Angst: kann ich mich mit den 18/19jährigen 1er Abiturienten auf eine Stufe stellen? Ja konnte ich, ich absolvierte das Medizinstudium in einem Rutsch, ich brauchte auch kein Studienkredit oder Bafög, da ich ab dem 1. Semester als MTLA gut Geld nebenbei verdienen konnte.
Jetzt bin ich schon 1 Jahr Ärztin und bin sehr froh, dass ich das durchgezogen habe.
Die Wartezeit lohnt sich, und das Studium geht dann doch irgendwie (leider) schneller rum als man denkt…, und man darf auch nicht vergessen, selbst wenn man erst mit Anfang 30 fertig ist…, wir müssen trotzdem noch weit über 30 Jahre arbeiten gehen.

#29 |
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Gast
Gast

Die Bedingungen für ein Medizinstudium is Deutschland sind sehr transparent. Gemäß meiner bescheidenen Erfahrung ist das Medizinstudium wesentlich anspruchsvoller als das Abitur (War sehr erschrocken als ich für die erste Biologieklausur, die im Nachhinein die leichteste meines Studiums war, mehr lernen musste als für mein Abitur der Note 1.4). Somit sollten alle jungen Menschen, die unbedingt Medizin studieren möchte, mit Lernen und Disziplin in der Lage sein auch einfach eine ausreichende Abiturnote zu schaffen!

#28 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare und ihr positives Feedback.
Und lieber Herr Seidel, Sie haben völlig recht: Es handelt sich hier um ein Bild der “Dead Kennedys”.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß beim Lesen und Kommentieren unserer Beiträge!

Ihre DocCheck News Redaktion

#27 |
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Gast
Gast

Ich habe größten Respekt vor allen die volle 6 Jahre auf den Studienplatz warten, wer so lange aushält, dem kann man wirklich nicht die Motivation absprechen!
Ich selbst konnte nicht so lange warten und habe die Vorklinik in Szeged, Ungarn gemacht. Manche behaupten das Physikum dort wäre erkauft. Ich sage: Auch an den Ungarischen Universitäten kommen mittlerweile viele Bewerber auf einen Studienplatz, vielen bleibt dort die Zulassung verwehrt. Aus eigener Erfahrung und im Austausch mit deutschen Vorklinikern kann ich sagen, dass das die Vorklinik dort nicht weniger anspruchsvoll als in Deutschland ist. Die Durchfallquoten sind vergleichbar, die Prüfungssituation ein wenig anders. (Kein Staatsexamen dafür große Prüfungen am Ende jedes Semesters.) Die meisten schaffen den Quereinstieg nach Deutschland. Ich kann jetzt im 5. Semester keine signifikanten Wissensvorsprünge der deutschen Vorkliniker erkennen.

Ich glaube der Studienerfolg ist maßgeblich von der eigenen Motivation abhängig ist! Wer interessiert ist empathisch, und eine gute Auffassungsgabe besitzt kann immer ein guter Arzt werden. Das Studium ist nur der Rahmen einer Sozialisation als Arzt. Das Gerüst um das man selbst sein Wissen aufbaut und die Praktischen Fähigkeiten werden ohnehin individuell in der Klinik erlernt. Der Arztberuf (als Kliniker) bleibt ein praktischer Beruf.

#26 |
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Manfred Geiß
Manfred Geiß

Also ich bin 29 Jahre alt, und studiere nun Medizin im dritten Semester.
Ich habe die volle Wartezeit ( 7 Jahre) hinter mir, in den Jahren habe ich die Ausbildung zum Heilpraktiker ( 2 Jahre Vollzeit) und die des Rettungsassistenten (insgesamt wohl auch zwei Jahre) gemacht.
Die Zeit des Wartens kam mir seeeehr lang vor, mir war aber klar, wenn ich meinen Traum erreichen möchte, gibt es nur diesen Weg. Drittes Semester ist noch weit am Anfang, aber es macht tierisch Spaß. Nicht zu unterschätzen ist die viele Lernerei.
Wenn ich durch die Wartezeit etwas gelernt habe, dann das, das ich im höheren Alter wesentlich ehrgeiziger mit meinem Erfolg bin und konsequenter vor den Büchern sitze. Bis jetzt musste ich noch keine Klausur wiederholen und habe mir als Ziel gesetzt, das Studium so schnell wie möglich zu absolvieren. Hätte ich mit meinen Noten gleich einen Studienplatz bekommen, ich weiß nicht, ob ich nicht abgebrochen hätte…
Mut und Ausdauer all denen gegenüber, die noch warten müssen. Ich möchte meine beiden medizinischen Ausbildungen aber niemals missen, der Rettungsassistent hat mir meine Angst vor Notfällen genommen und mir rationales Handeln in Notsituationen beigebracht.
Einklagen hat damals bei mir NICHT funktioniert, trotz des Privilegs aus “besserem Hause” zu kommen, musste ich wie alle anderen auch warten- das Finanz- Argument zählt somit nicht.
So, nun muss ich weiter Anatomie lernen :-)

#25 |
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Gast
Gast

In einem so verantwortungsvollen Beruf eine Zulassung zu bekommen, in dem Mama und Papa dafür bezahlen, finde ich mehr als bedenklich. Ich kenne persönlich “Studenten” an Privatuniversitäten und habe den Vergleich, was diese für ihren Abschluss leisten müssen, im Vergleich zu denen, die sich das sowohl mit ihrer Schulnote aber auch mit Arbeit im Studium ihren Studienplatz immer aufs neue verdienen müssen. DAS ist bedenklich, nicht so sehr der NC oder ein Test für den Einschluss von Medizinstudenten. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber ich möchte nicht von einem Arzt behandelt werden, der seine Zulassung nicht mit Lernen und Eifer erworben hat, sondern ausschließlich mit dem Geld seiner Eltern.

#24 |
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Evelyn Franken
Evelyn Franken

Einfach zum nachdenken: Macht ein 1-er Abiturkandidat/in einen guten Arzt aus? Sind nicht auch andere Werte gefragt?

#23 |
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Gast
Gast

Wieso muss in Deutschland der NC so hoch sein, dass wir uns Ärzte aus anderen Länder mit im Vergleich zum deutschen Medizinstudium fragwürdigen Studiengängen holen müsse, sie dann mit mehr oder weniger gutem Erfolg in Deutsch unterrichten.
Sowohl die Kollegen, als auch die Patienten sind verunsichert. Die Ärztinnen & Ärzte haben dort keinen NC benötigt!

#22 |
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Rettungsassistent

Ich habe mein Abitur 2012 abgelegt (2,5). Bin 21 Jahre. Habe dann 3 Monate Pflegepraktium auf einer urologischen Pflegestation absolviert. Anschließend die Ausbildung zum Rettungsassistent mit 1,5 abgeschlossen und zahllose super Bewertungen in den Klinikpraktika bekommen (ohne arrogant wirken zu wollen). Gerade in der Vorbereitung auf das Staatsexamen zum Notfallsanitäter. Das einzige, was mir echt Mut gemacht hat, waren Ärzte die mir offen und ehrlich gesagt haben, dass ihre damalige Abschlussnote heute nicht mehr annähernd reichen würde. Sie sprachen mir Mut zu, es Löhne sich bis 25 zu warten. Ich solle mich nicht davon abbringen lassen. Denn das Warten (es werden mit Sicherheit noch 3 Jahre sein) ist die Klippe an der man fast zerbricht. Alle reden von Ärztemangel. Ich lebe in Brandenburg und hier werden Ärzte mehr und mehr aus dem Ausland eingekauft. Von deutscher Sprache keine Spur. Und so viele engagierte, intelligente und motivierte junge Menschen in diesem Land dürfen partu nicht studieren, weil sie keine 1,… im Abi hatten. Ausbildungen und Beurteilungen sind einen Sche.. wert. Und trotzdem werden nur 20% nach Wartezeit ausgewählt. Und damit motivieren Sie mal jemanden, 6 Jahre auf seine eigentliche Chance zu warten. Wenngleich diejenigen die es wirklich wollen das in Kauf nehmen.

#21 |
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Das Leben ist ungerecht: *1952; letzter Jahrgang mit Probeunterricht im Max-Planck-Gymnasium WHV; im Abiturjahrgang (1971) hatten noch 13 von ehemals 35 Schülern “überlebt”; dabei hatten 2 eine Abiturdurchschnitt von < 2,0 (!). Ich war der drittbeste der Klasse mit 2,3 (!). Das reichte lange nicht mehr für den damals aufkommenden NC. Ein Jahr freiwillig im KKHs gearbeitet um den Durchschnitt zu senken. Aber leider Kriegsdienstverweigerer. Und nach Berlin "geflüchtet". Dort gejobbt als Jugendarbeiter, als LKW-Werkstatt-Kalfaktor. Immer das Ziel Medizin zu studieren. Dann auch einige Semester Physik studiert. Nach 13 Semestern-Wartezeit Zulassung zum Medizin-Studium erhalten ! Recht schnell studiert, nach 13 Semestern Staatsexamen mit mündlich "1" und schriftlich "2" und gleichzeitig Promotion mit "magna cum laude" und zwar 1986, wo man diese Note noch nicht geschenkt bekam. Dann Facharzt und so weiter, ohne Probleme. War das gerecht? Man macht seine Lebenserfahrungen, trotzdem fehlen 6,5 Jahre Einkommen und "Karriere". Gruß an das "Max-Planck-Gymnasium" in Wilhelmshaven, es war grausam dort. Der Name sei auch schon abgeschafft worden…

#20 |
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Gast
Gast

An Gast,
Die Universität Witten/Herdecke erhebt zwar Studienbeiträge, die aber über eine studentische Initiative (Studierendengesellschaft) in Gestalt des Umgekehreten Generationenvertrags gegenfinanzoert werden können. Die Rückzahl erfolgt erst nach Aufanhme der Berufstätigkeit und auch dann nur proportional in Abhängigkeit vom Nettoeinkommen. Allerdings müssen sich die Bewerber einem uniinternen Auswahlverfahren stellen, wobei die Abiturnote durchaus auch von Gewicht ist, sofern sie von den medizinrelevanten Fächern geprägt ist.

#19 |
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Pflegewissenschaftler

Ich habe kürzlich in einem Seminar zu Prozessionstheorien mit den Studierenden Todesanzeigen ausgewertet. Dabei ging es um die Frage: Welche Berufe werden in den Anzeigen genannt? Die Nennung des Arztberufes ist dabei ganz vorne im Ranking. Dass in dieser Berufsgruppe noch über den Tod hinaus der Beruf wichtig ist und ebenso der “Dr. med.-Titel” der Trauernden, ist ein Segen für die Sozialforschung. So konnten wir feststellen, dass dem Dr. med.-Verstorbenen oft eine ganze Dynastie an Dr.med-Kindern, Dr.med-Enkeln etc. nachtrauern, die nun ebenfalls Ärzte und Ärztinnen sind. Das läßt verschiedene Deutungen zu: Entweder sind es doch genetische Faktoren, die für die berufliche Einmündung wichtig sind, oder das supportlive Elternhaus oder doch – wie der Beitrag oben andeutet – die Finanzverhältnisse.

#18 |
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# 16
Mein Abi war so, dass ich mich lieber nicht äußern möchte. Ich hatte das „Glück der frühem Geburt“, NC kam erst später.
Ich wurde Facharzt, erarbeitete mir eine riesige Praxis. Später arbeitete ich bis zu meinem 74. Lbj. in div. Kliniken quer durch die Republik als locum doctor, „Honorararzt“
Ein Einzelfall ist natürlich kein Beweis, aber es gibt auch hoch motivierte Spätstarter. Solche Leute fallen heute durch das Netz.

#17 |
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Dr. med. Frank Königs
Dr. med. Frank Königs

An Herrn Dr. Burgard : Natürlich spielen auch Abiturnoten eine Rolle für die Auswahl der künftigen Mediziner eine Rolle , oder glauben Sie , dass eine schlechte Abiturnote zu Höchstleistungen im Studium und Beruf prädestiniert ? Oder dass ein Jahr in der Altenpflege einen zu einem besseren Arzt macht ? Ärzte sind keine Pfleger vice versa , und das eine hat mit dem anderen nur bedingt Schnittmengen . Man muss sich ja in diesem Land schon bald für einen erstklassigen NC schämen , weil einem ja dann von vornherein die soziale Kompetenz abgesprochen wird . Und Empathie ist auch nur ein Teil, des Berufes .Mein NC war 1980 1,3 und hat meinem Beruf nicht geschadet .

#16 |
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A. Arnold
A. Arnold

Berichtig mich wenn ich falsch liege… aber:
warum ist ein Abiturient nicht des Medizistudiums würdig, bloß weil er in Reli oder Kunst keine 1 hat??
Zulassung zum Medizinstudium nur mit einer glatten 1 im Abi: so eine Regelung halte ich für völlig kontraproduktiv.

#15 |
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Gast
Gast

#2 Lieber Alexander,

für ein Medizinstudium würde ich die Welt bewegen, wenn es sein müsste! Warum wollen Sie aufgeben! Können Sie nicht mal über ihren Schatten springen und den Test trotz religiöser Einschränkungen absolvieren? Mir persönlich blieb das Medizinstudium von Seiten meiner Adoptiveltern verwehrt (Gründe: weiblich, bald Kinder, gehört hinter den Herd, braucht keine Ausbildung und schon gar kein Studium!)
Wer etwas wirklich will, sollte Berge versetzen können! Ich habe jetzt zumindest geschafft ein wirtschaftspädagogisches Fernstudium und eine HP-Ausbildung zu absolvieren und arbeite im Bildungsbereich mit Kindern. Wäre ohne Studium nicht möglich und ist auch sehr erfüllend.

#14 |
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Dr. med. Hanjo Burgard
Dr. med. Hanjo Burgard

Abiturnote ist für einen künftigen guten Mediziner unwichtig! Mein Vorschlag: 1 Jahr Hilfe in der Kranken- oder Altenpflege

#13 |
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Gast
Gast

oder einfach günstig und besser in den Niederlanden studieren

#12 |
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Wie man ein guter Arzt wird, lässt sich schwer testen. Allerdings wird das bei anderen Berufsgruppen nie gefragt. Wer testet Juristen, ob sie später für Gerechtigkeit kämpfen oder nur dafür sorgen, wie reiche Leute und Firmen durch Steuersparen immer reicher werden oder wie man reiche Halunken trickreich der gerechten Strafe entzieht. Auch hat bei Lehrern noch nie jemand nach einem Test gefragt, der herausfindet, ob sie sich wirklich für die Schüler interessieren oder weitgehend für den sicheren Job und die Ferien.

#11 |
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Die traurige Wahrheit!
Wir verweigern talentierten jungen Menschen aus Deutschland, die Ihr Interesse und Engagement oft schon in FSJ, Bundesfreiwilligendienst oder sogar kompletten Ausbildungen unter Beweis gestellt haben, den Studienplatz, und bevorzugen statt dessen reine NC-Kandidaten mit oft fragwürdiger sozialer Kompetenz.
Den Gipfel der Erbärmlichkeit beobachte ich an der hiesigen Uni des Saarlandes: es steht sehr wohl eine Quote für Auswahlgespräche etc. zur Verfügung, die aber bewusst nicht genutzt wird, weil “Auswahlgespräche zu aufwendig und teuer sind”.
Die Lösung: auch die Uni-eigene Quote wird über Abiturnote vergeben…Im Gegenzug werden an den Kliniken Leute fragwürdigster Herkunft angestellt, die oft nicht mal genug Deutsch können, um ein Aufklärungsgespräch zu führen:
NA DENN PROST!

#10 |
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Gast
Gast

Der Artikel geht an der Realität vorbei. Wer will denn in Deutschland noch therapeutisch tätig sein? Ca 50% derjenigen mit abgeschlossenem Examen jedenfalls nicht, oder meinen sie das Medizinstudium als interessantes Hobby?

#9 |
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Silke Schuster
Silke Schuster

#2
Wenn Sie jetzt schon aus religiösen Gründen nicht am Medizinertest teilnehmen können weil dieser nur Samstags stattfindet sind sie schlichtweg schon im Vorfeld für diesen Beruf nicht geeignet. Glauben Sie im Ernst, dass später am Samstag keine Menschen krank werden und versorgt werden müssen? Wer so unflexibel ist kann kein guter Mediziner werden!

#8 |
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Gast
Gast

Wie zuverlässig ist die Aussage 12 Semester Wartezeit? Bei uns waren es damals 6 und wenn man heute mit 17 Abi macht wäre das ja nicht so dramatisch.

#7 |
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Joachim Sontheimer
Joachim Sontheimer

Da hat der Autor noch was vergessen: Scheine im artverwanden (Chemie, Physik, etc.) Studium machen, Äquivalenzbescheinigung holen, beim zuständigen Landesprüfungsamt vorlegen, Semester bescheinigen lassen und in ein höheres Semester bewerben oder einklagen (z.B. 3. oder 4. Semester) letztlich kann man das Physikum auch als Externer machen und dann direkt in die Klinik bewerbe, klappt garantiert.

#6 |
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Gast
Gast

In Ihrer Auflistung fehlt noch die Privatuni Witten/Herdecke ;-)

Der finanzielle Bonus spiegelt sich doch bereits in der Abinote selbst teilweise wieder. Schüler aus reicheren Familien werden doch schon bei ner 2-3 statt 1 zur Nachhilfe geschickt.

#5 |
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Catrin marx
Catrin marx

Tja, da können sich die Kinder abstrampeln wie sie wollen, letztendlich zählt dann doch wieder nur die Dicke des Portemonnaies der Eltern. Wie soll man da den eigenen Kindern verkaufen, dass sie sich anstrengen sollen?

#4 |
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Cordula Mzyk, Ärztin
Cordula Mzyk, Ärztin

Überall herrscht Ärztemangel.Wir holen uns Ärzte aus Osteuropa, weil wir den Bedarf nicht decken können. Aber dann besteht dort der Mangel. Das Problem wird nur verlagert. Nur mit 1,0 Abiturnote hat man uneingeschränkt Zugang zum Medizinstudium in Deutschland. Warum lässt man nicht alle, die dieses Fach studieren wollen zu, und erhöht die Anforderungen in der Vorklinik und im Physikum. Da trennt sich bald die Spreu vom Weizen. Außerdem könnte man die Zahl der Studienplätze an den Unis erhöhen…

#3 |
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alexander.kasper97@gmx.de Kasper
alexander.kasper97@gmx.de Kasper

Guter Artikel!
Ich selbst bin frisch gebackener Abiturient und habe mich für die Medizin interessiert, allerdings habe ich in Deutschland mit einem 1,8 Schnitt keine Chance, weil ich aus religiösen Gründen nicht am TMS teilnehmen kann, da dieser IMMER (auch die Ausweichtermine) an Samstagen stattfindet. Sehr schade..

#2 |
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Physiotherapeut

Schönes Bild: Die “Dead Kennedys”?

#1 |
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