Drogen – Psychedelische Heilung

10. August 2011
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LSD gegen Kopfschmerzen und Ecstasy gegen traumatische Störungen – die Bedeutung von Drogen in der Medizin nimmt immer mehr zu, da man hofft, damit wirksamere Medikamente herstellen zu können. Wer heute Medizin studiert, verschreibt in der Zukunft vielleicht Ecstasy.

Drogen sind gefährlich: man wird abhängig und krank von ihnen, das lernt man schon in der Schule. Aber die Heilung von Krankheiten durch Drogen gewinnt immer mehr an Bedeutung, denn die Substanzen haben offenbar nicht nur negative Auswirkungen. Über Jahrzehnte waren diese Stoffe tabu, nun die Wirkung von Drogen erneut erforscht – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Wir werfen einen Blick auf 3 wichtige Drogen, die wir vielleicht in Zukunft in der Praxis kennenlernen könnten:

Ecstasy

Ein wichtiges und herausragendes Beispiel ist Ecstasy. Ecstasy wird in der Medizin zur Behandlung posttraumatischer Störungen nach Gewaltverbrechen oder sexuellen Übergriffen eingesetzt und soll Symptome wie Schlafprobleme, Angstzustände und Selbstmordgedanken lindern. Die herkömmliche Therapie einer posttraumatischen Belastungsstörung versucht, die quälenden Erinnerungen zu meistern, indem man diese in einer sicheren Umgebung hervorholt. Der Patient soll dabei lernen, die Erfahrungen zu überdenken, ohne von den Emotionen übermannt zu werden. In den USA führte der Psychiater Michael Mithoefer dazu eine Studie durch, in der den Patienten neben dieser gängigen Therapiemethode der Inhaltsstoff von Ecstasy, das sogenannte 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin oder kurz MDMA, verabreicht wurde. Eine Kontrollgruppe bekam ein Scheinmedikament. Mehrere Monate danach litt nur noch ein geringer Prozentsatz der Patienten, welche MDMA bekommen haben, unter den genannten Symptomen. Die Patienten, die mit dem Scheinmedikament behandelt wurden, wiesen dagegen kaum Verbesserung der Symptome auf. Eine Erklärung dafür ist, dass MDMA den Patienten das Gefühl von Sicherheit gibt und den Erinnerungen ihre Schärfe nimmt, sodass es den Betroffenen leichter fällt, die Erlebnisse zu verarbeiten.

LSD und Psilocybin

Ein weiteres Beispiel sind die Drogen LSD und Psilocybin, der Wirkstoff von halluzinogenen Pilzen. LSD und Psilocybin sollen zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt werden. Cluster-Kopfschmerzen sind durch quälende Schmerzen, die zwischen 15 Minuten und 3 Stunden anhalten, gekennzeichnet. In der chronischen Form können Attacken 8mal pro Tag auftreten, mit Unterbrechungen, die nicht länger als 1 Monat anhalten. Die Erkrankung ist unheilbar. Bei einer Studie eines Wissenschaftsteams um Andrew Sewell und John Halpern vom Alcohol and Drug Abuse Research Center am McLean-Krankenhaus im US-amerikanischen Belmont wurden 53 Patienten aus den USA, den Niederlanden, Südafrika und Großbritannien befragt, welche das bewusstseinserweiternde Mittel Psilocybin zur Linderung der Symptome angewendet hatten. Die Ergebnisse dieser Befragung waren auffallend, denn es stellte sich heraus, dass eine akute Attacke bei 85 Prozent der Betroffenen unmittelbar aufhörte, wenn sie Psilocybin benutzten, während konventionelle Therapien nur in 52 Prozent der Fälle eine Attacke zum Stehen bringen konnte. Auch stellte sich heraus, dass sowohl LSD als auch Psilocybin den Attacken besser als die konventionellen Medikamente vorbeugen können und die Patienten einige Zeit danach beschwerdefrei waren.

In einer anderen Studie, durchgeführt von John Halpern und Torsten Passie von der Medizinischen Hochschule Hannover, wurde Patienten das Medikament 2-Brom-LSD verabreicht. Dieses besteht aus einem LSD-Molekül, an dem ein Brommolekül hängt. Das Resultat war genauso enorm wie bei der Testreihe mit Psilocybin. Die Patienten hatten direkt nach der Einnahme keine Schmerzen mehr und blieben auch einige Zeit danach komplett beschwerdefrei. 2-Brom-LSD hat zusätzlich den enormen Vorteil, dass es nicht zu Halluzinationen führt wie die eigentliche Droge LSD, sondern nur die heilende Wirkung eintritt.

Es ist bis heute aber noch nicht genau geklärt, wie diese Drogen funktionieren und warum sie exakt diese Symptome lindern können. LSD und Psilocybin gehören zu einer bestimmten Art von Aminen, den Tryptaminen, die von der chemischen Struktur her viele Ähnlichkeiten mit natürlichen Transmittern wie etwa Serotonin vorweisen. Serotonin spielt eine Rolle bei der Verarbeitung von Schmerzauslösern. Chemisch ist LSD auch Methysergid ähnlich, ein traditionelles Medikament gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.

Ketamin

Ein weiteres bekanntes Beispiel für Drogen als Medizin ist Ketamin, das zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Das Anästhetikum Ketamin kann Depressionen innerhalb von Stunden lindern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des National Institute of Mental Health gekommen. Die Wissenschaftler injizierten 17 Patienten entweder eine sehr geringe Dosis Ketamin oder ein Scheinmedikament bestehend aus einer Kochsalzlösung. Alle Teilnehmer litten an Depressionen und hatten meist schon mehrere verschiedene Behandlungsversuche durchlebt; alle erfolglos. Das Ausmaß ihrer Depressionen wurde in der Folge Minuten, Stunden und Tage nach der Verabreichung des Medikaments festgeahlten. Bis zum Ende des ersten Tages hatten 71% der Teilnehmer auf das Medikament angesprochen. Zu diesem Zeitpunkt waren 29% der Patienten fast ohne Symptome. Die Forscher entdeckten zusätzlich, dass die Wirkung einer Dosis bei mehr als einem Drittel der Teilnehmer mindestens eine Woche anhielt.

Man nimmt an, dass Ketamin rascher wirkt als Antidepressiva, da es auf den NMDA-Rezeptor abzielt. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Rezeptor eine entscheidende Rolle bei Lernen und Gedächtnis spielt. In seiner derzeitigen Form ist Ketamin für die Behandlung von Depressionen jedoch nicht passend, da bei höheren Dosierungen Nebenwirkungen wie Halluzinationen und Euphorie auftreten.

Lesenswertes:

Vor- und Nachteile

Diese Art von Medikamententherapie ist umstritten, da Drogen natürlich auch eine gewisse Gefahr bergen. Vorteile sind vor allem die Heilungschancen und die Linderung bestimmter schwerwiegender Symptome. Außerdem greifen diese Medikamente in mancher Hinsicht viel besser und führen dementsprechend auch zu einer raschen Besserung der Symptome. Es ist auch von Vorteil, dass die Möglichkeit besteht, die Drogen chemisch so zu verändern und herzustellen, dass sie zwar die gleiche Wirkweise und Heilungschancen wie die eigentlichen Drogen aufweisen, aber die Nebenwirkungen enorm minimiert werden.

Ein schwerwiegender Nachteil ist jedoch, dass man bis heute nicht sagen kann, wie genau die Drogen wirken und wie gefährlich sie für den Menschen sein können. Gerade halluzinogene Pilze, welche gerne zur Therapie von Alkoholsucht eingesetzt werden, können für den bereits süchtigen Patienten gefährlich werden und ihn von einer Sucht in die nächste psychische Abhängigkeit treiben.

Fazit

Bestimmte Drogen könnten einen Weg in eine neue Zukunft mit neuen und besseren Medikamenten darstellen. Neue Medikamente, welche nicht die psychedelische Wirkweisen der eigentlichen Droge aufweisen, die aber die gleichen Hirnmechanismen aktivieren und so Heilungsmöglichkeiten bieten, sind ein wichtiger Schritt auf diesem Gebiet. Meiner persönlichen Meinung nach, sollten Substanzen wie Ecstasy und andere Drogen im medizinisches Zusammenhang nicht komplett verboten werden. Stattdessen sollte sicheres Ecstasy hergestellt werden, welches Krankheiten lindert, aber nicht die enormen Nebenwirkungen besitzt.

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