Alkoholabusus: Bars im Quartier erhöhen Risiko

16. Mai 2013
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Das Leben in einem Quartier mit vielen Bars ist abwechslungsreich, kann aber auch die Gesundheit gefährden. Dies haben Epidemiologen in einer Studie gezeigt. Das Risiko, an alkoholbedingten Krankheiten zu sterben, steigt mit zunehmender Dichte von Lokalen um den Wohnort.

Mit einem geschätzten Konsum von 11,5 Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr liegt die Schweiz in der WHO-Rangliste von 185 Ländern in den Top 20. Alkoholmissbrauch wird heute mit über 20 verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, unter anderem mit mehreren psychischen Erkrankungen, Leberveränderungen sowie neurologischen Erkrankungen. Aber auch das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen sowie Krebs ist erhöht.

Ein Forschungsteam um Professor Matthias Egger hat nun in einer Kohortenstudie in der Schweiz untersucht, inwieweit Bars, Restaurants und Hotels in der Nachbarschaft das Risiko beeinflussen, an einer alkoholbedingten Erkrankung zu sterben. Die Berner Epidemiologen bestimmten dazu einerseits die Anzahl solcher Verkaufsstellen im Umkreis von einem Kilometer um den Wohnort und andererseits die Gehdistanz zum nächsten Alkoholausschank.

Größere Distanz, geringeres Risiko

Beides hängt mit dem Risiko zusammen, an alkoholbedingten Erkrankungen zu sterben, wie ihre Studie zeigt. «Interessanterweise wirkt sich schon eine leicht grössere Distanz zur nächsten Bar positiv auf das Sterberisiko aus», sagt Egger. Dieses Resultat bleibt auch dann bestehen, wenn für individuelle Risikofaktoren wie Bildung, beruflicher Status, Beschäftigung, Zivilstand oder Elternschaft sowie für geographische Faktoren – etwa urbane oder ländliche Umgebung, Sprachregion und sozioökonomischder Status der Nachbarschaft – korrigiert wird.

Die WHO führe eine Reduktion der Alkoholverkaufsstellen als Prävention von Alkoholmissbrauch auf, sagt Egger. Im „Nationalen Programm Alkohol“ des Bundes werde zwar die Einschränkung des Alkoholverkaufs zu gewissen Zeiten, nicht aber die Reduktion der Verkaufsstellen an sich als mögliche Strategie erörtert.

Kein kausaler Zusammenhang

Egger gibt zur Berner Studie jedoch zu bedenken, dass diese keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Dichte von Bars und der Sterberate feststellen konnte. So sage die Studie nichts über den tatsächlichen Alkoholkonsum der einzelnen Personen aus. Verkaufsstellen von Alkohol über die Gasse wie Supermärkte oder Tankstellenshops konnten aufgrund fehlender Daten ebenfalls nicht analysiert werden. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Leute mit Alkoholproblemen vermehrt in Gebiete mit mehr Alkoholverkaufsstellen zögen.

In der Studie wurden die Daten von 4,4 Millionen Menschen analysiert, die zum Zeitpunkt der Volkszählung 2000 in der Schweiz wohnten und 30 bis 94 Jahre alt waren. Vom 5. Dezember 2000 bis zum 31. Dezember 2008 wurden 10‘878 Todesfälle in Zusammenhang mit alkoholbedingten Erkrankungen verzeichnet.

Originalpublikation:

Alcohol-selling outlets and mortality in Switzerland—the Swiss National Cohort.
M. Egger et al.; Addiction, DOI: 10.1111/add.12218, 2013

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1 Kommentar:

Ärztin

Kein kausaler Zusammenhang: Egger gibt zur Berner Studie jedoch zu bedenken, dass diese keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Dichte von Bars und der Sterberate feststellen konnte.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass die Studie vielleicht von vorne herein Tankstellen, Kiosks und Supermärkte hätte mit einbeziehen müssen.
Es liegt aber auch nahe, dass der Alkoholiker gezielt die Nähe der Bar sucht wie die Motte das Licht. In Ländern mit restriktiver Alkoholabgabe wird Selbstgebranntes vermehrt konsumiert.
Ebenso wie sich Kranke in der Nähe von Krankenhäusern häufen, häufen sich Toilettengänger in der Nähe von Toiletten Einkaufswillige in der Nähe von Supermärkten und Alkoholiker in der Nähe von Bars.
So wie die Menschen nicht seltener auf die Toilette gehen müssen wenn es weniger Toiletten gibt, führt die Verknappung von Krankenhäusern nicht zu weniger Kranken und wer tanken will geht dort hin wo es Sprit gibt.

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