Helicobacter pylori: Alles KEIM Problem

13. November 2015
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Derzeit aktualisiert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten federführend eine Leitlinie zu Infektionen mit Helicobacter pylori. Ihr Ziel, Resistenzen gegen häufig eingesetzte Arzneistoffe zu vermeiden, verfolgen sie nur halbherzig.

Infektion mit Helicobacter pylori verlaufen häufig symptomfrei. Nur bei einem Fünftel aller Betroffenen treten Erkrankungen auf. Grund genug für Ärzte, Patienten ohne Beschwerden nicht umgehend zu therapieren. „Die Frage ‚behandeln oder nicht?‘ ist eindeutig zu beantworten: Jede Infektion sollte therapiert werden“, sagt Professor Dr. Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus. Jetzt steht die S3-Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ auf dem wissenschaftlichen Prüfstand. Beim Kongress „Viszeralmedizin 2015“ zeigten Experten, wohin die Reise therapeutisch gehen wird.

Bakterien unter Beschuss

Das beginnt schon bei der Diagnose selbst. Eine Metaanalyse mit 14 randomisierten klinischen Studien hat gezeigt, dass Patienten mit funktioneller Dyspepsie signifikant von Eradikationstherapien profitieren, verglichen mit Placebo. Bei allen Personen hatten Ärzte Helicobacter pylori zuvor nachgewiesen. Weitere Empfehlungen gelten für Patienten, die NSAIDs als Dauertherapie erhalten und an einem Ulkus leiden, falls der Magenkeim vorhanden ist. Kommt es unter NSAR zu gastrointestinalen Blutungen, sollten parallel zur Eradikation Protonenpumpenhemmer in Dauertherapie verordnet werden, falls H. pylori mit von der Partie ist.

Risiken abwägen

Die Behandlung selbst wird zunehmend problematisch. Bei Patienten aus Süd- und Osteuropa treten Resistenzen gegen Clarithromycin gehäuft auf. Wer in vergangenen Jahren öfter Makrolid-Antibiotika einnehmen musste, gilt auch als gefährdet. Ärzte sollten bei Risikopatienten in erster Linie eine Quadrupeltherapie mit Bismuthsalzen, Protonenpumpenhemmern, Tetrazyklinen und Metronidazol durchführen. Als Zweitlinientherapie empfehlen Wissenschaftler eine Fluorchinolon-haltige Tripeltherapie. Ohne entsprechende Risiken bleibt die klassische Tripeltherapie mit PPI, Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol Standard.

Abwarten statt handeln

Heilberufler kritisieren jedoch, dass Resistenzen leitliniengerecht erst untersucht werden sollten, falls Arzneistoffe zwei Mal ihr Ziel verfehlt haben. Das ist umso erstaunlicher, als Ärzte bei Beschwerden im Oberbauch ohnehin eine Gastroskopie durchführen und Gewebeproben entnehmen. Falls sich H. pylori nachweisen lässt, wären Tests auf Resistenzen sofort angebracht – ohne wertvolle Zeit zu verlieren.

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Forschung, Pharmazie

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