Demenzkosten: Silberlinge für Senioren

13. November 2015
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Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Unter Kostenaspekten sind Demenzerkrankungen jedoch problematischer. Wissenschaftler versuchen schon lange, den Erkrankungsbeginn hinauszuzögern – bislang ohne Erfolg.

Die Lebenserwartung steigt – und Patienten leiden im Alter häufig an Krankheiten. Christopher Murray hat kürzlich zusammen mit Kollegen untersucht, welchen Einfluss 79 Risikofaktoren auf unsere Gesundheit haben. Als Basis dienten ihm Daten der Global Burden of Disease Study.

Die üblichen Verdächtigen

Murray erfasste nicht nur Todesfälle. Er wollte auch wissen, wie viele behinderungsbereinigte Lebensjahre (Disability-Adjusted Life Years, DALYs) Menschen verlieren. Seine Resultate überraschen kaum: An erster Stelle der Negativliste stehen qualitativ minderwertige Lebensmittel (11,3 Millionen Todesfälle, 241,4 Millionen DALYs), gefolgt von systolischen Hypertonien (10,4 Millionen Todesfälle, 208,1 Millionen DALYs). Der Tabakkonsum führte über diverse Krankheitsbilder zu 6,1 Millionen vorzeitigen Todesfällen und zu 143,5 Millionen DALYs. Aus gesundheitsökonomischem Blickwinkel fehlt in der Arbeit ein entscheidender Aspekt: Welche Kosten verursachen bestimmte Krankheiten?

Demenzen nicht vergessen

Wer jetzt – ausgehend von der Global Burden of Disease Study – an kostspielige Therapien bei Herzerkrankungen oder Krebs denkt, irrt sich gewaltig. Amy S. Kelley aus New York hat untersucht, welche Gesamtkosten jeweils auf das Gesundheitssystem zukommen. Als Basis verwendete sie Daten der Health and Retirement Study mit 20.000 US-Amerikanern. Alle Teilnehmer werden seit ihrem 50. Geburtstag alle zwei Jahre befragt. Parallel erfassen Gesundheitsökonomen alle Kosten. Kelley griff auf Daten von 1.702 mittlerweile verstorbenen Patienten zurück. Ihre Analyse beinhaltete sowohl medizinische Therapien und Arzneimittel als auch Pflegeleistungen.

Das wird teuer

Zum Resultat: Bei Patienten mit Herzerkrankungen (175.136 US-Dollar) oder Krebs (173.383 US-Dollar) fand Amy S. Kelley deutlich geringere Kosten als bei Demenzpatienten (287.038 US-Dollar). Sie erfasste Ausgaben von Versicherungen und privat finanzierte Leistungen innerhalb der letzten fünf Lebensjahre. Zwar gehen bei kardiovaskulären oder malignen Erkrankungen Diagnostik und Therapie ins Geld. Da etliche Demenzpatienten über den gesamten, von Kelley untersuchten Zeitraum betreut werden mussten, kam es zu deutlich höheren Zahlen. In den USA erstattet Medicaid als Krankenversicherung für Senioren nur medizinische Leistungen. Angehörige mussten durchschnittlich 61.522 US-Dollar selbst berappen, um Patienten pflegen zu lassen. Aus gesundheitsökonomischer Sicht lohnt es sich speziell bei Demenzen, Therapien zu entwickeln, um die Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern.

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Forschung, Pharmazie

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