Nährstoffaufnahme: O-Saft schlägt Orange

5. November 2015
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Nährstoffe, die sich in pasteurisiertem Orangensaft befinden, werden im Vergleich zu denen aus frischen Früchten doppelt so gut vom Körper aufgenommen. Diese Ergebnisse einer Humanstudie widerlegen die Ansicht vieler Kritiker, dass Orangensaft genauso ungesund sei wie Cola.

Die Orange ist ein wahres Nährstoff-Depot: Neben einer hohen Menge an Vitamin C enthält sie auch eine Vielfalt an Carotinoiden und Flavonoiden. Beide Nährstoffe werden damit in Verbindung gebracht, das Risiko von bestimmten Krebs- und Herzkreislauferkrankungen deutlich senken zu können. Denn als Antioxidantien schützen sie die Körperzellen vor schädlichen Umwelteinflüssen. Carotinoide spielen zudem aufgrund ihrer Provitamin-A-Aktivität eine wichtige Rolle in unserer täglichen Ernährung.

Anders sieht es mit dem Ruf von Orangensaft aus. Vor allem sein natürlicher Zuckergehalt ist vielen Ernährungsberatern ein Dorn im Auge. Doch der Doktorand Julian K. Aschoff und Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim wollten es ganz genau wissen. Im März 2015 veröffentlichten sie eine Untersuchung mit einem in vitro-Modell, das nahelegte, dass Orangensaft eine bessere Quelle für Carotinoide darstellt, als die Orange selbst. Nun haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse mit einer Humanstudie bestätigt.

Probanden mussten zwei Wochen auf Tomaten, Spinat & Co. verzichten

Zur Vorbereitung der randomisierten Crossover-Studie, in der nach dem Zufallsprinzip entweder zunächst die Orange oder der Orangensaft verzehrt wurde, mussten die zwölf Probanden zunächst zwei Wochen völlig auf Carotinoide verzichten. Im Verlauf des sogenannten „Wash-out“ waren grüne und rote Lebensmittel wie Tomaten, Karotten oder Spinat vom Speiseplan gestrichen und durften nicht verzehrt werden, damit die im Körper gespeicherten Carotinoide ausgewaschen werden.

Anschließend erhielten die Probanden einmal ein standardisiertes Frühstück mit Orangen und eines mit pasteurisiertem Orangensaft. Zwischen den beiden Testphasen lagen 14 Tage. Nach dem Frühstück entnahmen die Wissenschaftler den Probanden innerhalb von knapp zehn Stunden acht Blutproben und bestimmten anschließend den Carotinoid-Gehalt.

Doppelt so viele Carotinoide aus Saft wie aus Frucht

„In der Humanstudie hat sich unsere Hypothese aus der in vitro-Studie voll bestätigt. Orangensaft ist eine bessere Carotinoid-Quelle als eine Orange“, sagt Aschoff. „Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungefähr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handelsüblichen Orange.“

Dies liege an der Herstellung des Saftes, so Carle. „Bei der Herstellung des Orangensaftes werden Ballaststoffe wie beispielsweise Pektin oder auch Cellulose teilweise abgetrennt. Diese Stoffe hemmen die Absorption von Carotinoiden während der Verdauung. In der Orange sind mehr unverdauliche Ballaststoffe enthalten als im Saft, weshalb die Aufnahme der Carotinoide aus der Frucht stark vermindert ist.“

Orangensaft kann zu einer gesunden Ernährung beitragen

Auch die Konsistenz spiele bei der Nährstoffaufnahme eine Rolle, so Aschoff weiter: „Beim Zerkauen einer Orange wird die Frucht nie komplett zerkleinert. Viele Zellen bleiben so intakt und schließen die Carotinoide ein. Das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.“

Im Vergleich zu Cola enthält Orangensaft zudem weder das für Kinder ungeeignete Koffein noch die allgemein bedenkliche Phosphorsäure. Außerdem wird Orangensaft im Vergleich zu Erfrischungsgetränken, zu denen auch Cola zählt, üblicherweise nicht zum Löschen des Durstes getrunken. „Der Verzehr von Obst und Gemüse in Deutschland liegt weit unter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, so die Wissenschaftler. „Kaum ein Konsument hat Zeit, täglich genug Gemüse oder Früchte zu sich zu nehmen. In Maßen konsumiert, also ein Glas mit 200 ml pro Tag, kann Orangensaft so zu einer gesunden Ernährung beitragen und uns mit den Nährstoffen versorgen, die unser Körper benötigt.“

Originalpublikation:

Bioavailability of β-cryptoxanthin is greater from pasteurized orange juice than from fresh oranges – a randomized cross-over study
Julian K. Aschoff et al.; Molecular Nutrition & Food Research, doi: 10.1002/mnfr.201500327; 2015

41 Wertungen (4.1 ø)

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11 Kommentare:

Gast
Gast

# 6 : Frau Dr. med Heidi Lüdi hat also die Studie finanziert. Interessant, arbeitet sie im oder für das Unternehmen, ist gar ein Teil desselben ? Oder ist sie Unternehmensberaterin ?

#11 |
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Gast
Gast

# 8 : Oh nein. Kotz und nie wieder, Frau Dr. …

#10 |
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Ela Kopf
Ela Kopf

Was ist das denn für eine komische Studie??
Wie kann man konventionellen Orangensaft , mit der Menge an “gegessenen Orangen” vergleichen?? Und wer bitteschön ist den am Morgen 2-4 Orangen??- (das entspricht, in etwa einer Menge von 250-300ml Saft)
Nein! Ich bin keine Wiissenschaftlerin, und ich habe auch noch nie eine “Studie ” gemacht! Ich gehöre zu der anderen Seite der Medaille. Ich bin eine von denen, die solche Studien dann manipulieren sollen.
Ich bin Verbraucher, ich bin Mensch . Ein Mensch der jeden Tag Nahrung zu sich nimmt.Und der genau wie viele Andere, “es richtig machen möchte” – über Appetit und ein Verdauungsystem verfügt.

Warum wurde 1.-nicht verglichen mit:
-frisch gepresstem Orangensaft oder meinetwegen
2.mit der gleichen Menge an :
– gesmoothten Orangen?
Klar ist, dass das Verdauungssystem flüssige Nahrungsmittel besser verstoffwechselt. Das nennt man “höhere Bioverfügbarkeit ,soviel ich weiß!
Flüssige Nahrungsmittel haben Vorrang.
Das hat die Natur so eingerichtet!
Die erste Nahrung die der Mensch zu sich nimmt ist Muttermilch!
Und damit die Menschheit überlebt gelangen diese schneller durch die Magen-Darmpassage.!
Das lernt man doch als Ernährungswissenschaftler! Was soll diese Studie beweisen?.Wem dient sie? Wenn der Aufrag lautet: “Beweise, das konventioneller Orangensaft besser ist als Mutter Natur “?…Heisst es nicht so schön: “Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast”?
Sie soll wohl der Lebensmittelindustrie dienen!
Was sind das für Wissenschaftler??
Wohl die Gleichen, ähnlich wie bei Medikamentenstudien!
IST ES :NUR EINE FRAGE DES GELDES,?!!

#9 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Kaum ein Konsument kann täglich ausreichend Obst und Gemüse essen? Dieses Argument ist wohl etwas unkritisch aus der Vitaminpillen-Werbung übernommen. Ja, stimmt, einen Apfel zu essen dauert soooo lange. Oder eine Kiwi. Geht wirklich nicht, denn diese Zeit fehlt dann doch beim i-und smartphonen…
Dass bestimmte Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe im aufbereiteter Form wie z.B. auch Garen besser bioverfügbar sind, ist spätestens seit Lykopin bekannt und relativiert die Rohkostkeule mancher Dogmatiker. Tipp: Zuckerfreies Bio-Tomatenmark auf ein Vollkornbrot, darauf noch frischen Schnittlauch: Lecker und megagesund!

#8 |
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Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich
Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich

Üblicherweise finden sich in seriösen wissenschaftlichen Publikationen Angaben der Autorinnen/Autoren zur Frage, ob Interessenskonflikte, die ggf. durch eine Projektfinanzierung entstehen könnten, gegeben sind oder nicht (Fehlanzeige erforderlich!). Im vorliegenden Artikel ist das leider nicht erkennbar; dazu müsste die Originalpublikation eingesehen werden.
In der Sache selbst – Freisetzung von lipophilen Biomarkern durch thermische Behandlung der pflanzlichen Rohwaren – kann ich mitteilen, dass meine frühere Arbeitsgruppe (Professur für Prozesstechnik an der Justus-Liebig-Universität Gießen) diese Effekte in zahlreichen Studien z.B. an Blattspinat, Karotten, Kartoffeln oder Brokkoli ebenfalls gefunden hat. Schon das Blanchieren von Brokkoli – 1 min in Wasserdampf bei 100 °C – setzt fettlösliche Vitamine wie z.B. alpha-Tocopherol und beta-Carotin quantitativ aus der Zellmatrix frei, so dass diese für den menschlichen Organismus verfügbar werden. Diese Befunde sprechen eher gegen den Verzehr von Rohkost, haben aber natürlich nichts mit Cola zu tun…

#7 |
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Dr. med. Heidi Lüdi
Dr. med. Heidi Lüdi

wer hat denn diese Studie finanziert???
Dr.med. Heidi Lüdi

#6 |
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Heilpraktiker

das sehe ich wie Frau Molz. erst heißt es:

“Vor allem sein natürlicher Zuckergehalt ist vielen Ernährungsberatern ein Dorn im Auge. Doch der Doktorand Julian K. Aschoff und Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim wollten es ganz genau wissen. ”

und dann nichts mehr, haben die erwähnten Ernährungsberater nun Recht oder nicht. Ich weiß es jedenfalls immer noch nicht ganz genau.
Diese Art vo reißerischen Artikeln mit Überschriften, die nicht ganz falsch aber auf keinen Fall richtig sind braucht kein Mensch.
Warum heißt der Artikel nicht “Carotinide lassen sich ….. ”
Und ..
“In Maßen konsumiert, also ein Glas mit 200 ml pro Tag, k a n n Orangensaft so zu einer gesunden Ernährung beitragen und uns mit den Nährstoffen versorgen, die unser Körper benötigt.”
kann er das? Und wenn woher weiß der Autor das? Und was genau hat dieser Satz in klassischer Metasprache nun mit der Studie zu tun?
Da frage ich mich doch gleich in welcher Beziehung steht der Autor dieses Artikels zu Herstellern von Orangensaft.

#5 |
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Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

Wer hat die Studie finanziert? Vermutlich ein Safthersteller, der in Zukunft damit werben kann, wenn er ein gezuckertes Orangensaftgetränk anbietet.
Nur die Carotinoide zu betrachten, ist in der Tat viel zu wenig. Und die Ballaststoffe sind schließlich keineswegs überflüssig, wenn wir an die ballaststoffarme Ernährung unserer Bevölkerung denken. Und was geschieht durch die Pasteurisierung mit den anderen Vitaminen und Vitaminoiden?
Ziemlich unfertige Studie und ziemlich ungenügendes Studiendesign.

#4 |
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Evi Wimberger
Evi Wimberger

Die Studie hakt allein dadurch, dass der Orangensaft zum Frühstuck getrunken wurde. Fett und Eiweiß aus dem Frühstück verzögern die Magenentleerung, die Nährstoffe werden dadurch langsamer und damit auch besser in die Blutbahn aufgenommen. Außerdem, wer sagt denn, dass Orangensaft oder allgemein Säfte und Schorlen nur zum Frühstück getrunken werden und nicht auch sonst während des Tages zum Durstlöschen.

#3 |
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Medizinfotograf / Designer

Schon die Überschrift ist falsch!
Nährstoffaufnahme: O-Saft schlägt Orange

Es ging nur um die Aufnahmen von Carotinoiden.
Dass dann auch noch die Aufnahme von Ballaststoffen als negativ eingstuft wird, zeigt, dass diese Studie nichts taugt und den Artikel hätten Sie sich auch sparen können.

#2 |
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Cordula Molz
Cordula Molz

Wenn der Artikel das Studienergebnis vollständig wiedergibt, erfahre ich etwas über die Aufnahme von Carotinoiden, nicht aber über über die Verstoffwechselung der Fructose. Bisschen wenig, wenn ich die gegenwärtige Diskussion über deutlich überhöhte Zuckerzufuhr betrachte.

#1 |
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