Ärztemangel: Modellprojekt als Köder

22. Mai 2013
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Die KV Sachsen spendiert ab dem Studienjahr 2013/2014 20 Medizinstudenten die Studiengebühren für ein Studium im ungarischen Pécs, verpflichtet diese jedoch zu einer Facharztausbildung Allgemeinmedizin und 5-jähriger Hausarztätigkeit, was die bvmd kritisiert.

Die bvmd teilt die Einschätzung des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums, dass die Hochschulzulassung nicht als Instrument geeignet ist, Studienbewerber „von vornherein auf ein späteres Tätigwerden im ländlichen Raum zu verpflichten.“

Rechnet man, so die bvmd, die Zeit der Facharztausbildung bis zur möglichen Niederlassung ein, müsste sich ein angehender Studierender, der eine solche Verpflichtung eingehe, mehr als elf Jahre vorher auf eine bestimmte Spezialisierung bzw. einen späteren Lebensort verpflichten. Dies, so die studentische Bundesvertretung, sei eine „zu starke Einschränkung der freien Entfaltung und persönlichen Entwicklung.

Schlecht für den Ruf

Zusätzlich sorge dieser Anreiz auf Studieninteressierte, die sonst keinen direkten Zugang zum Studium haben, langfristig dafür, dass die hausärztliche Versorgung den Ruf erhalte, das Fach jener zu sein, die den „offenen Zugang“ zum Studium nicht geschafft hätten. Unter diesem Aspekt sei es völlig unverständlich, dass die KV Sachsen einen Vertrag mit der Universität Pécs eingehe und Studienplätze im Ausland für Studierende finanziere, die sich verpflichten, zeitbegrenzt an der hausärztlichen Versorgung in Sachsen teilzunehmen.

Die bvmd könne die Sorgen der KV Sachsen in Bezug auf die Versorgungssicherheit nachvollziehen, aber statt durch Verträge mit ausländischen Kooperationsuniversitäten eine Landarztquote einzuführen, sollten deutschlandweit die Ursachen für den Landarztmangel analysiert und möglichst beseitigt werden. Die Attraktivität des Hausarztberufes muss gesteigert werden und über innovative Lösungsansätze diskutiert und umgesetzt werden.

Lösungen nötig

Die bvmd schlägt zudem vor, sich in die Diskussion einbringen zu wollen und die Perspektiven der Medizinstudierenden aufzuzeigen, denn sie sei sich bewusst, dass für eine zukünftige flächendeckende ärztliche Versorgung dringend Lösungen gebraucht werden.

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Das Medizinstudium im Ausland als einen nicht “offenen/direkten Zugang” und als “schlecht für den Ruf” zu bezeichnen, ist ein ganz grober Fehler in diesem Artikel.
Es ist nicht schlechter als das deutsche Niveau, was viele heimische Studenten zu glauben scheinen und lediglich ein anderer Weg, den immer mehr junge Menschen, getrieben von steigendem NC und Bewerberzahlen in Deutschland, sich trauen zu gehen oder gehen müssen um ihren Traumberuf zu erreichen. Die Europaeisierung verschafft uns viele neue offene Wege, die jeder mit einem NC unter 1.5 versucht zu begehen, sofern er irgendwie die Mittel dafür auftreiben kann.
Meine Sorge gilt daher nicht dem Ausbildungsniveau im Ausland, sondern viel mehr dem Facharztzwang durch die KV. Die KV Sachsen versucht allerdings eine neue Lösung zu finden, da auf Bundesebene der Problempatient Gesundheitsrefrom nicht therapiert wird. Symptome und Krankheitsverlauf sind offensichtlich, aber der Bund verdraengt das Problem. Wir brauchen ein neues System, eins das den heutigen und den kommenden Zeiten gerecht wird ud bitte liebe Bundesregierung keine halbdurchdachten Sachen, wie die Bundeswehrrefrom.

Schlussnote: In Pécs bekommt nicht jeder einfach einen Studienplatz. Die Bewerberquote verdoppelt sich alle 3 Jahre und liegt mittlerweile bei eins zu sechs Bewerbern. Das Studium dort ist auf hohem Niveau, schon Jahre lang in Deutschland akkreditiert und die Prüfungen sind sehr anspruchsvoll. Erkaufen kann sich dort niemand etwas, ausser einer guten Ausbildung.

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Gast
Gast

Und was ist, wenn die Allgemeinmediziner nach 5 Jahren Bürokratiedschungel, Gängelung durch die KV, Honorarkürzungen, Papierkrieg, hoher Arbeitsbelastung, der x-ten Honorarreform etc., die Flucht ergreifen und klinikfern oder im Ausland arbeiten?
Dann haben wir wieder dasselbe Problem, nur um 10 Jahre verschoben. Toll gemacht, liebe KV.
Nachdem die letzten verbliebenen Ärzte in Papierbergen und Bürokratiekram verschüttet werden und die Hälfte ihrer Zeit damit verbringen, wird jetzt die persönliche Not der Nachwuchsmediziner ausgenutzt, indem man finanzielle Sorgenfreiheit gegen Facharztwahl-freiheit aufrechnet.
Ich habe eine bessere Idee: Macht den Beruf finanziell und v.a. büroktatisch attraktiver!
Damit das auch klappt: schrumpft die KV auf ein gesundes Maß (oder schafft sie am besten ganz ab und etabliert ein gerechtes Honorarsystem, das Ärzte auch wieder als ~wirklich~ Selbstständige agieren lässt.)

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