Reform der Facharztausbildung

18. August 2011
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Nach der Entwicklung des Reformstudienganges Medizin will die Charité in Berlin auch in der Facharztausbildung neue Wege beschreiten. Das erklärte Ziel des neuen „Friedrich C. Luft“ Clinical Scientist-Programms ist die Vereinbarkeit von Forschung und klinischer Ausbildung.

Die Facharztausbildung an einer Universitätsklinik stellt oft eine große Herausforderung für angehende Ärztinnen und Ärzte dar. Nach der anstrengenden Tätigkeit auf Station, die bereits mit administrativen und organisatorischen Aufgaben überladen ist, arbeiten sie meist noch als Forscher quasi nebenbei an der Weiterentwicklung der Medizin. Die Qualität der klinischen Forschung leidet jedoch daran, dass die Ärzte keine wirklichen Freiräume für ihre wissenschaftliche Tätigkeit haben, zumal sich der biomedizinische Fortschritt so rasant entwickelt, dass ein Mithalten während der Facharztausbildung kaum gewährleistet werden kann.

Ende der Feierabendforschung

Daher wurde von der Jungen Charité, einer Vereinigung von jungen und engagierten Professoren und Forschern der Charité, ein neues Konzept zur Facharztausbildung entwickelt, dass den Assistenzärzten ganz gezielt Zeit für ihre Forschungsvorhaben geben soll. “Die Entwicklungen in der Biotechnologie bedingen das Ende der Feierabendforschung, in der man abends bis 23 Uhr im Labor arbeitet und am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder in der Klinik sein muss”, so Prof. Dr. med. Duska Dragun, eine der Initiatoren des Projektes. Das neue Programm orientiert sich unter anderem am Vorbild Nordamerikas, wo den Ärzten in sogenannten “protective times” Zeit für die Forschung eingeräumt wird.

Kein Facharzt-Light

Im Rahmen der reformierten Ausbildung wird in der zweiten Phase der Facharztausbildung ein Viertel der Zeit für Forschungsvorhaben reserviert. Dies können ein bis zwei Tage die Woche oder zwei bis drei Monate pro Jahr sein, je nach Facharztrichtung. Zudem werden Sommer- und Winterkurse angeboten, die eine berufsbegleitende Ausbildung in bestimmten naturwissenschaftlichen Bereichen, z.B. Zellbiologie oder Humangenetik sicherstellen. Die Facharztausbildung wird durch diese Neuerungen nicht länger dauern, da das Projekt den vorhandenen Forschungs- und Lehrauftrag für angehende Fachärzte nutzt, der eine bestimmte Zeit der Ausbildung für Forschung und Lehre vorsieht. Ebenso wird nicht an der Facharztausbildung gespart. “Wir wollen keinen Facharzt-Light erreichen”, so Prof. Dragun. Stattdessen wird das Profil des klinischen Wissenschaftlers definiert, der Forschung und Klinik in seiner Arbeit zusammenführt.

Das Programm startete Mitte April mit acht Assistenzärztinnen und Assistenzärzten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt wurden. Die Pilotphase dauert drei bis vier Jahre und wird von der Volkswagen Stiftung und der Stiftung Charité mit insgesamt 1,5 Millionen Euro gefördert.

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Medizin

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1 Kommentar:

Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag
Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag

“Neuer Wein in alten Schläuchen”. Wenn man sich ein wenig an deutschen Medizinischen Fakultäten umsieht – aber wer macht das schon!! – dann wird man eine Reihe von interessanten Modellen für die Kombination Facharztausbildung und Forschungstätigkeit finden, die dem angepriesenen “neuen Programm” nicht nur ebenbürtig sondern in der Effizienz sogar überlegen sind.

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