Antibiotikum: Fossiler Zwilling

17. November 2015
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Die Untersuchung von rötlich gefärbten Fossilien aus der Jura-Zeit hat erstaunliche Befunde aufgedeckt: Der fossile Farbstoff weist große Ähnlichkeit mit einem erst kürzlich entdeckten Antibiotikum auf, das zur Behandlung multiresistenter Krankenhauskeime eingesetzt wird.

Bei Untersuchung von rosarot gefärbten Fossilien aus der Jura-Zeit, haben Wissenschaftler erstaunliche Ähnlichkeit mit einem erst kürzlich entdeckten heutigen Antibiotikum festgestellt. Einem Forscherteam der Universität Göttingen, des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie Göttingen (MPI-BPC) und der Universität Linz ist es mit Hilfe modernster analytischer Methoden gelungen, den atomaren Aufbau der fossilen Farbstoffe im Detail aufzuklären.

Die Forscher verglichen die Borolithochrome, also die fossilen Substanzen, mit heutigen Naturstoffen. Dabei zeigte sich, dass es nur eine einzige bekannte Substanz mit einer vergleichbaren chemischen Struktur gibt: das gegen multiresistente Krankenhauskeime wirksame Antibiotikum Clostrubin. „Die große Ähnlichkeit der fossilen Farbstoffe mit dem heutigen Antibiotikum, das erst im vergangenen Jahr in einem Bakterium entdeckt wurde, beweist, dass die fossilen Substanzen nach mehr als 150 Millionen Jahren noch nahezu unverändert erhalten sind und ursprünglich wahrscheinlich auch von einem Bakterium produziert wurden“, sagt Dr. Klaus Wolkenstein vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen.

„Die Bestimmung der chemischen Strukturen anhand der winzigen noch erhaltenen Substanzmengen war eine echte Herausforderung“, so Dr. Han Sun vom MPI-BPC. „Dass man bei den Borolithochromen dieselbe von der Aminosäure Isoleucin abgeleitete Konfiguration findet, zeigt ihren biologischen Ursprung“, ergänzt Prof. Dr. Christian Griesinger vom MPI-BPC. Die Ergebnisse bieten einen einzigartigen Einblick in die vorhandene Naturstoffvielfalt in der Urzeit und zeigen, wie wenig sich Baupläne von funktionellen Naturstoffen im Laufe der Evolution verändert haben. „Niemand hätte erwartet, derart perfekt erhaltene Naturstoffe in den fossilen Überresten eines Organismus aus der Jura-Zeit vorzufinden“, so Dr. Wolkenstein.

Originalpublikation:
Structure and absolute configuration of Jurassic polyketide-derived spiroborate pigments obtained from microgram quantities
Klaus Wolkenstein et al.; Journal of the American Chemical Society. Doi: 10.1021/jacs.5b08191; 2015

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