Alterungsprozess: Kandidatengene stehen Schlange

4. November 2015
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Eine aktuelle Studie zeigt die wohl bislang umfassendste Auflistung von Genen, die am Alterungsprozess beteiligt sind. Insgesamt fanden sich 1.500 Gene, deren Aktivität sich im Laufe des Älterwerdens signifikant verändert. Die Daten sollen geriatrische Therapien unterstützen.

Für Ihre Untersuchungen trugen Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München die Daten von knapp 15.000 europäischen Probanden zusammen. Diese waren zum Zeitpunkt der Studie zwischen 40 und 70 Jahre alt und hatten für die Untersuchung eine Blutprobe abgegeben, die hinsichtlich ihrer Genexpression untersucht wurde. „Die Genexpression, also die Aktivität der einzelnen Gene, ändert sich im Laufe des Alterns und reagiert auch auf veränderte Umweltbedingungen“, so Dr. Holger Prokisch. „Bisherige Studien hatten lediglich die Unterschiede der Gene an sich betrachtet, die aber im Laufe der Alterung relativ statisch sind.“

Manche der Gene, deren Aktivität sich altersbedingt ändert, waren bereits vorher bekannt, etwa solche aus dem Bereich der Immunregulation und der DNA-Reparatur. Wiederum andere tauchten das erste Mal im Zusammenhang mit Alterungsprozessen auf und bieten sich daher für weiterführende Studien an. Darunter finden sich Kandidaten aus verschiedensten Funktionsbereichen wie Glykosaminoglykane, Wundheilungsfaktoren oder Gene aus der Nervenentwicklung und dem Energiestoffwechsel. Viele davon scheinen im Alter an Aktivität nachzulassen, so die Forscher.

Genetische Unterschiede der Alterung

Um die Übertragbarkeit Ihrer Ergebnisse zu überprüfen, verglichen die Wissenschaftler die Daten aus der europäischen Versuchsgruppe mit denen aus bereits bestehenden Datenbanken. Dabei stellte sich heraus, dass die Ergebnisse zwischen verschiedenen genetischen Hintergründen nur bedingt vergleichbar sind. Bei Hispanoamerikanern waren nur etwa 70 Prozent der Gene ähnlich reguliert wie bei den Europäern, bei Afroamerikanern waren es lediglich 27 Prozent. Dies deutet auf genetisch bedingte Unterschiede in den Mechanismen der Alterung hin.

Künftig wollen die Forscher an die erzielten Ergebnisse anknüpfen und den Mechanismen des Alterns nachgehen. „Die Liste an Genen ist sicherlich noch nicht vollständig. Die neuen biologischen Hypothesen sollen aber als Wegweiser für weitere Studien dienen, die die Ergebnisse in Behandlungsstrategien für altersassoziierte Erkrankungen übersetzen“, so Prokisch.

Originalpublikation:

The transcriptional landscape of age in human peripheral blood
Marjolein J. Peters et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms9570; 2015

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