Alzheimer: Steigender Spiegel, steigendes Risiko

3. November 2015
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Träger des e4-Allels – eine Genvariante von ApoE – haben ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Eine kardiovaskuläre Erkrankung erhöht dieses Risiko zusätzlich. Die Senkung des Cholesterinspiegels könnte das Risiko für kognitive Einschränkungen reduzieren.

Apolipoprotein E (ApoE) transportiert Cholesterin zu Nervenzellen, die dieses für den Signalaustausch benötigen. Vom ApoE-Gen, das den Bauplan für das ApoE-Protein enthält, gibt es drei unterschiedliche Genvarianten.

In der von Prof. Dr. Hermann Brenner – stellvertretender Direktor des Netzwerks AlternsfoRschung (NAR) – geleiteten NAR-Studie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersuchten die Epidemiologinnen Dr. Laura Perna und Dr. Ute Mons, inwieweit Träger des e4-Allels (eine der drei Genvarianten) im Alter ein höheres Risiko für kognitive Einschränkungen haben, im Vergleich zu Trägern der anderen Genvarianten. Dabei interessierten sie sich vor allem für das Zusammenspiel von ApoE4 und Cholesterinspiegel.

Für ihre Analysen nutzten sie Daten zweier epidemiologischer DKFZ-Studien an älteren Erwachsenen, bei denen mit einem kognitiven Test unter anderem Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit geprüft und zusätzlich Blutproben und medizinische Daten ausgewertet wurden. An der ESTHER-Studie waren 1.434 Menschen über 70 Jahre beteiligt, an der KAROLA-Studie 366 Teilnehmer über 50.

Vorgeschädigtes Gehirn reagiert sensibel auf ApoE4

Die Forscher stellten fest, dass der Zusammenhang zwischen dem ApoE4-Risikofaktor und kognitiven Einschränkungen, vor allem der Gedächtnisleistung, bei denjenigen Teilnehmern am stärksten war, die einen hohen Cholesterinspiegel aufwiesen und unter Herzerkrankungen litten. „Eine mögliche Erklärung für die Ergebnisse könnte sein, dass das Gehirn gerade dann besonders sensibel auf die Effekte von ApoE4 reagiert, wenn es bereits durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen erhöhten Cholesterinspiegel vorgeschädigt ist“, erklärt Perna. Ein komplexes Wechselspiel zwischen den verschiedenen Faktoren sei wahrscheinlich.

So erhöhe die ApoE4-Genvariante nicht nur das Alzheimer-Risiko, sondern werde auch mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose in Verbindung gebracht. Arteriosklerose kann zu schweren Herzerkrankungen führen, begünstigt aber auch die Entwicklung von Demenz. Man nimmt an, dass sie durch einen erhöhten Spiegel des LDL-Cholesterins im Blut verursacht wird, der insbesondere bei ApoE4-Trägern oftmals auftritt. Ein hoher Cholesterinspiegel wiederum gilt als eigenständiger Risikofaktor für Alzheimer.

Trotz der noch nicht vollständig geklärten Zusammenhänge betonen die Forscher die klinische Relevanz ihrer Befunde. „Was für die Herzgesundheit gut ist, ist auch für Gehirn und Gedächtnis gut. Das scheint bei Trägern des ApoE4-Risikofaktors besonders wichtig zu sein.“

Originalpublikation:

Apolipoprotein E e4 and cognitive function: a modifiable association? Results from two independent cohort studies
Laura Perna et al.; Dementia and Geriatric Cognitive Disorders, doi: 10.1159/000440697; 2015

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Forschung, Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Gast
Gast

wen wundert’s, es gibt auch noch die cerebrovaskuläre Insuffizienz…

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