Endocannabinoide: Programmierbares Pankreas

11. November 2015
Teilen

Endocannabinoide können einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse von ungeborenen Babys nehmen. Durch die Zugabe der Botenstoffe kann man das Pankreas regelrecht „programmieren“. Ein zu hoher Anteil kann jedoch zu einem erhöhten Diabetes-Risiko führen.

Endocannabinoide, körpereigene Botenstoffe des endogenen Cannabinoid-Systems, gelten seit ihrer Entdeckung Anfang der 1990er-Jahre als Multitalente. Endocannabinoide helfen ab der Geburt bei der Regulierung vieler physiologischer Prozesse, wie etwa bei Fruchtbarkeit, der Entwicklung des Zentralen Nervensystems, Schmerzempfinden, Appetit, Immunreaktion oder auch Energiehaushalt. Neu hinzu kommt nun die Erkenntnis, dass sie auch in der Lage sind, die Bauchspeicheldrüse Ungeborener zu „programmieren“.

„In unseren Versuchen ließen sich die Insel-Zellen durch die Zugabe von Molekülen, die das endocannabinoide Signaling regulieren, fast nach Belieben modulieren und bildeten funktionierende pankreatische Zellcluster“, beschreibt Erstautorin Katarzyna Malenczyk.

Zu großer Anteil sorgt für Diabetes-Risiko

Die vom Körper selbst produzierte Substanz hat jedoch eine mögliche Schattenseite: Ein zu hoher Anteil der Botenstoffe im Blut könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Kinder später Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Glucose haben – und somit einem höheren Diabetes-Risiko ausgesetzt sind. Ursache dafür ist, dass Endocannabinoide während der Bildung der Bauchspeicheldrüse sowohl die Zusammensetzung als auch die Größe der Langerhans-Inseln beeinflussen, die Insulin und Glucagon produzieren.

„Dieses neue Verständnis wird uns sicherlich bei der Erarbeitung von Strategien für die rechtzeitige Reparatur von verzögerter oder fehlgeschlagener Entwicklung der Bauchspeicheldrüse helfen. Und es wird auch die pharmakologische Entwicklung von wirksamen Medikamenten beschleunigen. Das therapeutische Potenzial ist jedenfalls großartig, und die Studie zeigt auch die exakte Reihenfolge der Abläufe, die einen lebenslangen Nutzen fördern“, so Tibor Harkany, Leiter der Studie.

Originalpublikation:

Fetal endocannabinoids orchestrate the organization of pancreatic islet microarchitecture
Katarzyna Malenczyk et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1519040112; 2015

10 Wertungen (5 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Hannes
Hannes

Ich bin ein Gast und behaupte mal “es gibt keine Sonne”. [Kommentar von der Redaktion gekürzt]

#3 |
  2
Gast
Gast

Anandamid wurde von mW erstmals von R. Mechoulam entdeckt und benannt …

#2 |
  0
Gast
Gast

es gibt keine Endocannabinoide

#1 |
  2


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: