Parkplatz-Apotheke: easy-Rider geben Gas

6. November 2015
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Die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) räumt Inhabern mehr Rechte ein, als häufig vermutet wird. Aktuellstes Beispiel: eine easy-Apotheke auf Basis von Containern. Jetzt entscheiden Kunden zwischen Billigpreisen und Beratung.

Vor rund zwei Jahren präsentierte easyApotheke ein neues Konzept. Fehlen passende Räumlichkeiten für die Betriebsstätte, schlug der Konzern vor, Container aufzustellen. In der Praxis gestaltete sich alles doch schwieriger als erhofft. Nach umfangreichen Vorarbeiten entstand Mitte Oktober in Moers die erste Apotheke in modularer Bauweise. Per Schwerlasttransport kamen zwölf einzelne Montageteile aus der Slowakei. Daraus bauten Arbeiter eine Apotheke – auf dem Parkplatz.

Zahlen, Daten, Fakten

Das Gebäude ist komplett barrierefrei. Schallisolierung, Wärmedämmung, Klimaanlage und Lüftung des Moduls entsprechen gewohnten Standards moderner Fertighäuser. Auf 320 Quadratmetern Bruttofläche soll später eine Offizin mit rund 4.000 Produkten entstehen. Auch ein Kommissionierautomat wurde eingeplant. Im Außenbereich erwartet Kunden ein Drive-in-Schalter. Ende November will Apothekenleiter Detlef Dittrich seine Betriebsstätte eröffnen. Bis dahin sind noch Baumaßnahmen im Inneren durchzuführen. Allein die Module schlugen mit 450.000 Euro zu Buche, zuzüglich Innenausstattung und Technik.

„Einzigartiges Einkaufserlebnis“

Bleiben noch rechtliche Aspekte. easy hatte das Modell – eigenen Angaben zufolge – schon vorab apothekenrechtlich prüfen lassen. Auch der zuständige Pharmazierat sei frühzeitig eingebunden worden. Jetzt warten Betreiber und Kollegen mit Spannung auf die Abnahme. Noch stärker treibt sie die Frage um, wie Kunden reagieren werden. „Ein großer Selbstbedienungsbereich mit separater Kasse bietet den Kunden ein einzigartiges Einkaufserlebnis und lädt mit der großen Auswahl zum Shoppen ein“, hoffen easyApotheken. Ihr Kampagnenmotto: „Die Pioniere kommen.“

Vor Ort – vorbei?

Standesvertreter bleiben skeptisch. Sie erinnern sich an längst insolvente CoBoxen – ein gescheitertes Modell der Versorgung vor Ort. Hier sprachen Betreiber schon vom „dritten Vertriebsweg“ neben Präsenz- und Versandapotheken. Jenseits der Containerbauweise stören sich viele Apotheker am Konzept von easy. Im Mittelpunkt stehen niedrige Preise und günstige Arzneimittel – kein Weg, den Kollegen gerne mit „Apotheke 2030“ in Zusammenhang bringen. Jetzt haben Kunden das letzte Wort.

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