COPD: T-Zellen außer Kontrolle

23. August 2011
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Eine hohe Staubbelastung oder Zigarettenrauch galten bisher als Ursache der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Doch es wird deutlich, dass spezielle Immunzellen das Lungengewebe der Patienten angreifen und das Fortschreiten der Krankheit beschleunigen.

Husten, vermehrter Auswurf und Atemnot bei Belastung sind die wichtigsten Anfangssymptome der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es bei den Betroffenen zu einer Verengung der Bronchien und einer immer weiter fortschreitenden Schädigung des Lungengewebes. Dabei können sich die Lungenbläschen irreversibel überblähen und ein Emphysem entsteht. Die Krankheit, an der in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen leiden, ist eine der häufigsten Todesursachen und bisher besteht keine Möglichkeit, sie dauerhaft zu heilen.

Mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass außer Kontrolle geratene Zellen des Immunsystems dafür verantwortlich sind, dass sich das Lungengewebe dauerhaft entzündet und die COPD ihren letztendlich tödlichen Verlauf nimmt. In einer aktuellen Studie gelang es Forschern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, die Rolle der zytotoxischen T-Zellen in diesem Prozess genauer zu beschreiben. Wie die Wissenschaftler um Privatdozentin Dunja Bruder im Journal of Immunology mitteilen, scheint es mehrere Mechanismen zu geben, die die zerstörerischen Immunzellen in Schach halten könnten.

Präsentation der Antigene aktiviert Immunzellen

„Rauchen oder eine starke Staubbelastung sind der erste Schritt, um ein entzündliches Umfeld in den Lungenbläschen zu schaffen, sagt Bruder. „Wenn die Entzündung fortschreitet, sterben immer mehr der beschädigten Zellen ab und setzen Antigene frei.“ Diese Antigene würden, so die Wissenschaftlerin, von speziellen Immunzellen eingefangen und in die benachbarten Lymphknoten transportiert. Dort kann die Präsentation der Antigene dazu führen, dass zytotoxische T-Zellen aktiviert werden und nach ihrer Vermehrung dann irrtümlicherweise das körpereigene Lungengewebe angreifen. Dieser Prozess, so Bruder, sei typisch für Autoimmunerkrankungen und laufe unabhängig von der Schadstoffexposition weiter ab.

Um das Verhalten der zytotoxischen T-Zellen genauer zu verstehen und in das fehlgeleitete Immunsystem eingreifen zu können, simulierten Bruder und ihre Mitarbeiter das Geschehen in Mäusen. Die genetisch veränderten Tiere tragen einen Baustein des Grippevirus auf der Oberfläche der Lungenbläschen. Zusätzlich besitzen sie zytotoxische T-Zellen, die das Virusmolekül spezifisch erkennen und die Lungenzellen angreifen. „Schon kurz nach der Geburt entwickelten die Tiere eine heftige Lungenentzündung, die durch diese Immunzellen ausgelöst wird“, berichtet Bruder. „Ihre Lungenfunktion war deutlich beeinträchtigt.“ Allerdings stabilisierte sich die Entzündung nach drei Wochen und der Zustand der Mäuse verschlechterte sich nicht weiter.

Nur wenige Immunzellen greifen Lungengewebe an

Aus den entzündeten Lungen isolierten die Forscher die zytotoxischen T-Zellen, um sie im Labor zu untersuchen. Das Ergebnis überraschte das Team um Bruder: Viele dieser Immunzellen im entzündeten Gewebe sind gar nicht an der Zerstörung der Lungenzellen beteiligt. „Es befinden sich kaum noch neu aktivierte zytotoxische T-Zellen im entzündeten Gewebe“, so die Wissenschaftlerin. Nur wenige Zellen haben eine Reaktion gezeigt – dafür aber umso heftiger und mit fatalen Folgen für das Lungengewebe. Bruder: „Solange das Immunsystem nach der Geburt noch nicht ausgreift ist, findet eine massive Rekrutierung von zytotoxischen T-Zellen statt.“ Dann stelle sich ein Gleichgewicht ein.

Welcher Kontrollmechanismus die fälschlich aktivierten Immunzellen zurückdrängt, ist noch unklar. Der Verdacht, dass regulatorische T-Zellen dafür verantwortlich sein könnten, bestätigte sich nur teilweise. Normalerweise haben diese Zellen die Aufgabe, andere übermäßig aktive Immunzellen Einhalt zu gebieten. „Wenn diese Kontrolle ausfällt, kann es passieren, dass das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen vorgeht und Autoimmunkrankheiten die Folge sind“, erklärt Bruder.

Infektionskrankheiten verschlimmern COPD

Zurzeit versuchen die Braunschweiger Forscher herauszufinden, welcher zusätzliche Mechanismus die Aktivierung weiterer zytotoxischer T-Zellen verhindert. Außerdem wollen sie untersuchen, welchen Einfluss Infektionskrankheiten auf das entzündete Lungengewebe ausüben. „Atemwegsinfektionen führen bei COPD-Patienten oft zu einer deutlichen Verschlechterung der Erkrankung“, sagt die Wissenschaftlerin. Auch wenn die Forscher mit ihren Experimenten schon einigen molekularen Details der Immunaktivierung auf die Schliche gekommen sind, sollte man nach Ansicht von Bruder die mit Mäusen erzielten Ergebnisse nicht eins zu eins auf COPD-Patienten übertragen: „Wir wissen noch nicht, wie groß der Anteil der zytotoxischen T-Zellen bei den Patienten ist. Außerdem findet bei diesen im Gegensatz zu den Mäusen eine permanente Aktivierung der Immunzellen statt, da sie sich immer wieder den toxischen Substanzen aussetzen.“

Andere Experten wie Professor Jan Buer, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Essen, überzeugt der tierexperimentelle Ansatz der Braunschweiger Arbeitsgruppe: „Es ist ein gutes Modell, um die Aktivierung der zytotoxischen T-Zellen zu untersuchen und wie man diese regulieren könnte“, sagt Buer. „Mit Hilfe solcher speziell gezüchteten Mäuse lassen sich neue Strategien zur Bekämpfung der COPD erproben.“ Denn je besser man die dieser Krankheit zugrunde liegenden Mechanismen verstehe, findet Buer, desto gezielter könne man in das Immunsystem der Patienten eingreifen und das zerstörerische Wirken der zytotoxischen T-Zellen unterdrücken.

97 Wertungen (4.29 ø)
Medizin
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11 Kommentare:

“27.08.11 – 22:37
Dr. med. Matthias Rohde
Arzt/Ärztin

Man kann eigentlich nur dem Kommentator Nr. 6 Recht geben. Der Rest ist einfach unseriös, disqaulifiziert sich sich selber oder hat ganz andere Interessen sich hier zu äußern.”

Das werden Sie wohl erklären müssen.

#11 |
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Man kann eigentlich nur dem Kommentator Nr. 6 Recht geben. Der Rest ist einfach unseriös, disqaulifiziert sich sich selber oder hat ganz andere Interessen sich hier zu äußern. Ähnlich der “Heilpraktiker-Fraktion”, die ja mit Medizin wenig zu tun hat, abgesehen davon , dass man sich mal wieder von der “Schulmedizin” (was ist das eigentlich?) in quasi “Bild”-Manier abgrenzen konnnte. Doc-Check muß aufpassen nicht zu einer med. Bildzeitung zu werden, die einem “med. Stammtisch” hinterherläuft.
Rauchen Sie weiter Herr Dr. Braun (?), Rauchen ist ja nun nicht mehr die Ursache der COPD.

#10 |
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“Dieter Derpmann

Die Ausführungen von Peter Cornelisen finde ich immer
hochinteressant. Wie er aber herausfinden will, welcher
Influezatyp vor 60 oder 70 Jahren grassierte würde mich
doch mal interessieren.”

Das geht noch viel, viel tiefer.

1. muß herausgefunden werden, welcher Influenza-Typ damals grassierte.

2. muß herausgefunden werden, an welchem Typ die Mutter im Jahr vor der Empfängnis erkrankte. Sie kann mehrere Male erkrankt sein; wie also soll der SPEZIELLE TYP gefunden werden?

3. einerseits wird von einer “Toleranz” gesprochen, andererseits von einem Immunschutz durch die Mutter, die dem Neugeborenen Antikörper mitgibt. Wieso soll dann bei Viren (Influanza!) eine Toleranz übergeben werden, in anderen Fällen (zum Beispiel Masern) eine Immunabwehr? Das widerspricht sich doch.

4. wird angeblich mit “Nosoden”, also einer homöopathischen Aufbereitung eine bekannt noch nicht heilbare Krankheit GEHEILT. Erstens ist Homöopathie Mumpitz und zweitens: Wo sind die Nachweise der erfolgten Heilungen?

Das ist nicht nur eine Sache, die nicht funktioniert – da funktioniert gar nichts (siehe auch die mißglückten Erklärungen zum Thema Körperelektrik).

Auf dieser Basis Darm”sanierung”?

#9 |
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Pflegeheimleiter

Entschuldigung, muß Peter Cornelius heißen.
D.D.

#8 |
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Pflegeheimleiter

Peter Cornelisen (zu 4)
Die Ausführungen von Peter Cornelisen finde ich immer
hochinteressant. Wie er aber herausfinden will, welcher
Influezatyp vor 60 oder 70 Jahren grassierte würde mich
doch mal interessieren.
So sind die Ausführungen unvollständig.
D.D.

#7 |
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“24.08.11 – 00:10
dr.med.dent. Wolfgang Stute
Zahnarzt/-ärztin

Eine gute Beeinflußung der COPD sowie der Pilzbelastung der Lunge ist über O2-, Singulettsauerstoff – Einatmung
via Raumluft möglich.”

Singulett-Sauerstoff hat eine so kurze Lebensdauer, daß in der Lunge nur warme und feuchte Luft ankommt. Eine solche “Behandlung” wird die Pilze sicherlich freuen und auch die Hersteller der sehr teuren Geräte:
http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Airnergy

“zu 5. Deckers :+ Nano div + Parfümierungen + Ausdünstungen von Druckerzeugnissen”

Kein “Nano div” (was immer das sein soll), kein Parfüm, kein Papier – und dennoch COPD.

Die Menschen lesen zwar Zeitungen und Bücher, aber Waschen bzw gewaschene Wäsche an sich und um sich haben tun sie bedeutend öfter: 24 Stunden am Tag.

Auch sind GEZIELT fettlösende Chemikalien, die beim Geschirrabwaschen durch den Wasserdampf in die Luft und in die Lunge geraten, ganz sicher aggressiver und ganz sicher in einer weitaus höheren Dosis in der Lunge vorhanden als andere schädliche Chemikalien.

#6 |
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“23.08.11 – 23:13
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Da vor Gewittern besonders hohe Atmosphärische Spannungen herrschen, welche die Ausgleichsfähigkeit der körpereigenen elektrischen Potentiale manchmal überfordern, macht verständlich, warum chronische Leiden vom Wetter beeinflussbar sind.”

Nun soll ja – okay, es kann auch ein Gerücht sein – der Körper mit leitfähigen Elektrolyten geradezu gefüllt sein. Man spricht sogar von einem Gesamtwiderstand – über die Haut – von nur 1 KiloOhm. Vielleicht erklärt auch das die Kurzschlußhandlungen vieler Menschen?

“Vielleicht liegt darinnen auch die Ursache, warum in unserem multielektrifizierten Zeitalter nicht nur COPD sondern auch viele andere chronisch entzündliche Leiden so zugenommen haben.”

Besonders die Elektrizität durch Wollpullover ist beachtlich. Gibt es schon Behandlungen, die zu einem Verzicht von Wolle raten?

“Bei COPD spielen nach meiner Erfahrung sehr oft die Grippetypen, welche im Jahr vor der Geburt eines Kindes epidemisch waren eine entscheidende Rolle, da sie das Ungeborene noch vor Entwicklung seines Immunsystems treffen, so dass dieses eine Immuntoleranz gegen diesen Grippetyp einprogrammiert bekommt,”

Ja, die Crux ist halt, daß die Mütter eine solch hefige Immuntoleranz übertragen, daß Impfungen in den ersen Monaten teilweise völlig sinnlos sind.

“da sie das Ungeborene noch vor Entwicklung seines Immunsystems treffen, so dass dieses eine Immuntoleranz gegen diesen Grippetyp einprogrammiert bekommt, welche nach meiner Erfahrung nur mit Hilfe der Nosode eben dieser vorjährigen Grippe durchbrochen werden kann.”

Ein interessanter Aspekt! Nosoden sind doch homöopathische Mittel, wobei mich besonders beeindruckt, daß alle diese Mütter im jahr vor der Schwangerschaft eine echte Influenza hatten. Das kann doch wirklich kein Zufall sein.

“So ist es mir schon manches mal möglich gewesen, entgegen der im Artikel behaupteten Unheilbarkeit, von COPD betroffene Patienten doch zu heilen.”

Ein beeindruckender Aufwand: Für jedes Jahr eigens eine Nosode, sagen wir ab “Influenza 1920” – das würde immerhin die bis 90-jährigen umfassen -, und schon kann eine wirksame Therapie angeboten werden. Die Pharmaindustrie wird das nicht überbieten können. Gibt es schon Angebote – so in Richtung Lizenzen?

(Herr Truckenbrodt, Mainz ist überall, 365 Tage im Jahr… ;O))

#5 |
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Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Für was die Leute alles Zeit haben, bei den Kommentaren denk ich manchmal an die Mainzer Büttenreden.
Haarsträubend

#4 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Die richtige Darm”sanierung” beginnt mit der Geburt .Dem sterilen Neugeborenen sollte ein gesunder Darmkeim
“eingeimpft” werden .
Eine gute Beeinflußung der COPD sowie der Pilzbelastung der Lunge ist über O2-, Singulettsauerstoff – Einatmung
via Raumluft möglich .
zu 5. Deckers :+ Nano div + Parfümierungen + Ausdünstungen von Druckerzeugnissen

#3 |
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Etwas, das man ENDLICH untersuchen sollte: Dämpfe und Stäube von Waschmitteln und den darin enthaltenen Fettlösern und Enzymen. Je besser die Waschmnittel werden, desto aggressiver werden auch kleinste tröpfchen bzw Staubpartikel, die zum Beispiel aus der gewaschenen Wäsche in die Atemluft gelangen.

Die frühen Seifen waren beim Waschen nicht so effizient, dafür aber mit Sicherheit nicht so zerstörend für die Lunge.

#2 |
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Dr. med.Dr.rer.nat. Wolfgang Skorczyk
Dr. med.Dr.rer.nat. Wolfgang Skorczyk

Sehr gut!
Es sollte unbedingt weiter die Bedeutung des Darmes für das Immun-System erforscht werden. Nach unseren Untersuchungen könnten Milliarden Euro im Gesundheitswesen eingespart werden.Eingespart werden wenn an eine Darm-Sanierung gedacht würde.
Der Einfachste Weg ist
1. Mit der geringst möglichen Nahrungsmenge auskommen
2. Das trainieren durch Unterscheidung zwischen a) Hunger b)Appetit und c) Gelüsten
Nur bei Hunger essen aber auch mal bei Gelüsten. Entscheidend ist das ständige Training!
Wir haben es geschafft. Nicht leicht aber es geht.
Die Erfolge sind die Anstrengung wert

#1 |
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