Essstörungen im Kindesalter: Ausmaß beziffert

16. Mai 2013
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Essstörungen betreffen schon Kinder im Schulalter. Störungen mit restriktivem Charakter wurden in dieser Altersgruppe jedoch bisher wenig untersucht. Im Rahmen einer Studie wurde nun zum ersten Mal das Ausmaß dieses Phänomens unter 8- bis 13-jährigen Kindern in der Schweiz beziffert.

Ein restriktives oder vermeidendes Essverhalten im Kindesalter kann schwerwiegende Konsequenzen bezüglich der psychischen (emotional und kognitiv) und physischen Entwicklung nach sich ziehen. Die damit verbundenen Störungen lassen sich grob in drei Untergruppen aufteilen: 1) selektives Essen (stark eingeschränktes Spektrum an konsumierten Nahrungsmitteln), 2) die Nahrungsvermeidung mit emotionaler Störung (food avoidance emotional disorder) und 3) die funktionelle Dysphagie (Nahrungsverweigerung aus Angst, daran zu ersticken oder brechen zu müssen). Zu den Störungen dieser drei Gruppen bestehen zwar Studien, die das Kleinkindesalter betreffen; es ist jedoch das erste Mal, dass das Problem bei Kindern im Schulalter beziffert wird.

Präventive Maßnahmen entwickeln

730 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren – davon 362 deutschsprachige und 368 französischsprachige – nahmen an der Umfrage zu ihrem Essverhalten teil. Die Antworten der Kinder machten deutlich, dass das selektive Essverhalten (20,3 Prozent) die am häufigsten auftretende Störung ausmacht, gefolgt von der Nahrungsvermeidung mit emotioneller Störung (7,9 Prozent) und der funktionellen Dysphagie (1,6 Prozent). Ebenfalls klar zu Tage trat der Umstand, dass untergewichtige Kinder ein deutliches höheres Risiko zu einer die Nahrung vermeidenden Störung aufweisen (20,9 Prozent) als Kinder mit Normal- oder Übergewicht. Die Ergebnisse zeigen, dass restriktive und vermeidende Essverhalten, die bis anhin vor allem im Kleinkindesalter bekannt waren, durchaus auch im Schulkindesalter mit einer gewissen Häufigkeit auftreten. Gemäss Simone Munsch, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie, werden die erhobenen Daten dazu beitragen, präventive Maßnahmen zu entwickeln für Schulkinder, die unter dieser Art von Essstörungen leiden.

Originalpublikation:

Essprobleme im Kindesalter
Z. van Dyck et al.; Zeitschrift für Gesundheitspsychologie; DOI:10.1026/0943-8149/a000091, 2013

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