Die Umweg-Mediziner

24. August 2011
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Sind die Ablehnungsbescheide erstmal verschickt, suchen viele Studienanwärter nach einem alternativen Weg ins Medizinstudium. Wir stellen 4 Studenten vor, die für ihren Traumberuf Umwege in Kauf benommen haben.

Für viele ist der Arztberuf der absolute Traumberuf. Doch aufgrund der hohen Bewerberzahlen wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, einen der begehrten Studienplätze zu bekommen. Viele Studenten nutzen daher Umwege, um sich den ersehnten Medizinstudienplazu zu sichern.

Studienplatz über andere Studiengänge

Florian ist PJler – um jedoch überhaupt erstmal ins Medizinstudium zu kommen, hat er einiges auf sich genommen. Nach dem Abitur bekam er keinen Platz für Medizin, da sein Notendurchschnitt knapp über dem benötigten NC lag. Da er aber nicht warten und endlich studieren wollte, schrieb er sich zuerst für Chemie ein und studierte mehrere Semester. „In diesem Studiengang konnte ich einige Scheine absolvieren, die ich auch für das Medizinstudium gut gebrauchen konnte. Unter anderem wurde das chemische Praktikum auch in dem Studiengang durchgeführt“. Währenddessen bewarb sich Florian zusätzlich für Zahnmedizin und wurde sofort zugelassen. „Dadurch konnte ich noch mehr relevante Scheine für das spätere Medizinstudium sammeln“, erzählt er.

Nach einigen Semestern lies er sich die gesammelten Scheine beider Studiengänge anerkennen. Danach bewarb er sich für ein höheres Semester Humanmedizin an der gleichen Universität und wurde zugelassen. „Rückblickend betrachtet war es schon sehr riskant, da ich ja durch die Immatrikulation keine Wartesemester sammeln konnte. Außerdem hatte ich keine Garantie, dass ich hinterher trotz meinem Anerkennungsbescheid einen Studienplatz bekomme“. Laut Florian ist es auch in höheren Semestern sehr schwierig, einen Studienplatz zu bekommen, ganz besonders für Quereinsteiger wie ihn.

Nicht nur über andere Studiengänge im eigenen Land, sondern auch über Studiengänge im Ausland besteht die Möglichkeit, ins Medizinstudium einzusteigen. Auf diesem Weg hat es auch Martin versucht und geschafft. Martin bekam ebenso wie Florian nach dem Abitur in Deutschland keinen Studienplatz und schrieb sich sofort in Österreich für Pharmazie ein. „Das war für mich die optimale Lösung, gleichzeitig in Deutschland Wartesemester und in Österreich ein paar Scheine zu sammeln. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe“, findet Martin. Nach einigen Semestern in Österreich ließ auch er sich die Scheine in Deutschland anerkennen. „Durch das Pharmazie-Studium konnte ich Scheine sammeln, die für das spätere Medizinstudium relevant waren. Unter anderem konnte ich so den Schein für Chemie und Physik bereits absolvieren und hatte zu Beginn des Medizinstudiums schon den Kopf frei für wichtigere Fächer“.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland bewarb sich Martin erneut für Medizin und wurde letztendlich zugelassen. „Meine Entscheidung, diesen Weg eingeschlagen zu haben, bereue ich bis heute nicht. Die Zeit in Wien war definitiv sehr schön und ich konnte einige interessante Erfahrungen mitnehmen. Außerdem konnte ich mir in Deutschland meine bereits erbrachten Leistungen anerkennen lassen“, meint Martin. „Nur kostspielig war es auch, da das Studium und die Lebenserhaltungskosten in Österreich nicht grade gering waren.“

Bis zum Physikum – und dann?

Eine interessante Erfahrung hat auch Susanne machen dürfen. Sie bekam einen Teilstudienplatz für das Medizinstudium. Dieser Studienplatz wird von der Stiftung für Hochschulzulassung zum ersten Fachsemester per Losverfahren vergeben. Dadurch ist zumindest ein Studienplatz bis zum ersten Staatsexamen sicher. Als Susanne diese Chance geboten wurde, griff sie gleich zu. „Ich war damals überglücklich, überhaupt einen Studienplatz bekommen zu haben. Dass die Gefahr besteht, nach dem Physikum erst mal nicht mehr studieren zu können und warten zu müssen, war mir egal. Ich war der Meinung, wenn man erst mal den Fuß in der Tür hat, geht es immer weiter“ meint Susanne und schmunzelt dabei.

Nach dem Physikum aber trat genau der Fall ein, über den Susanne sich vorher wenig Gedanken gemacht hatet. „Ich wurde direkt nach dem Physikum exmatrikuliert, da es für mich keinen Platz für den klinischen Abschnitt an dieser Universität gab. Das war anfangs sehr schwer für mich, da ich dort sehr viele Freunde und einen Partner gefunden und mir dort auch ein schönes Leben aufgebaut hatte. Ich hätte liebend gerne weiterhin an dieser Universität studiert“ klagt Susanne. Nach dem Physikum wurde sie jedoch an einer anderen Universität angenommen und hatte somit die Chance, dort den klinischen Abschnitt zu absolvieren. „Ich habe mir aber direkt nach der Zulassung einen Tauschpartner gesucht. Somit konnte ich wieder zurück an meine Wunschuni und war überglücklich darüber“ freut sich Susanne. Teilstudienplätze sind ihrer Meinung nach eine gute Möglichkeit, im Medizinstudium Fuß zu fassen und das erste Staatsexamen zu absolvieren. Man muss aber damit rechnen, aus Kapazitätsgründen nach dem Physikum Freunde und eventuell den Partner zurückzulassen und den klinischen Abschnitt an einer anderen Universität absolvieren zu müssen.

Nicht verzagen – einklagen!

Eine sehr aufwendige Methode, um an einen Studienplatz zu gelangen, ist das Einklagen. Viele Bewerber nutzen diese Chance, um trotz Ablehnungsbescheid doch noch studieren zu können, auch wenn eine Klage sehr kostspielig ist und es sehr lange dauern kann, bis man einen Bescheid bekommt. Auch gibt es dabei nie eine Garantie, trotz Klage einen Studienplatz zu bekommen. Catharina*, eine Medizinstudentin im inzwischen 10. Semester, hat diese Hürde auf sich genommen, weil Ärztin ihr absoluter Traumberuf ist. „Direkt nach dem Abitur habe ich mich für einen Studienplatz beworben, ich wurde aber wegen dem hohen Numerus clausus abgelehnt. Ich hatte nun mal leider keinen Schnitt von 1,x“ meint Catharina. Da sie nicht lange warten und auch keine Ausbildung machen wollte, klagte sie sich ein.

„Ein paar Monate nach meiner Klage erhielt ich den Bescheid, dass ich sofort mit dem Studium beginnen kann. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass es trotz Warnungen von allen Seiten doch geklappt hat“. Doch die Freude währte anfangs nicht sehr lange, da sie mit vielen Vorurteilen und Missgunst zu kämpfen hatte. „Ich musste mir einiges von Kommilitonen anhören. Sprüche, dass ich anderen den Platz wegnehme, oder dass dank Leuten wie mir die Hörsäle zu voll sind, oder Beleidigungen wie ‚Gerichtsmediziner‘ waren an der Tagesordnung“, erzählt Catharina. „Nach dem Physikum habe ich dann die Universität gewechselt und dort verschwiegen, wie ich zu meinem Studienplatz gekommen bin. Ich wollte nicht mehr wie eine Aussätzige behandelt werden, sondern wie eine normale Studentin, die sich ihren Traum vom Arztberuf erfüllt.“ Trotz aller Anfeindungen und Beleidigungen bereut sie es bis heute nicht, zu dieser Methode gegriffen zu haben. „Ich habe mir zwar durch das Einklagen meinen großen Traum erfüllt, Ärztin zu werden, aber meiner Meinung nach ist es nach wie vor besser, Stillschweigen darüber zu bewahren, wie man zu seinem Studienplatz gekommen ist. In diesem Studiengang ist nun mal der Konkurrenzkampf, Missgunst und Neid sehr groß“, meint Catharina.

Fazit

Viele Wege führen nach Rom und somit führen auch viele Wege zu einem begehrten Studienplatz für Medizin. Auch wenn man nicht direkt nach dem Abitur zugelassen wird, gibt es diverse Möglichkeiten, sich seinen Traum doch noch zu erfüllen – auch wenn dies einige Umwege und Kampfgeist erfordert. Wichtig dabei ist aber, dass man letztendlich den Weg einschlägt, den man für richtig hält und vorher natürlich alle Vor- und Nachteile abwägt, um letztendlich an das große Ziel zu gelangen: endlich Medizin zu studieren.

*Name geändert

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