Geschwisterposition: K(l)eine Charaktereffekte

22. Oktober 2015
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Welche Persönlichkeit uns auszeichnet, hängt kaum damit zusammen, wo wir in der Geburtenreihenfolge zwischen unseren Geschwistern stehen. Für Intelligenz und Intellekt finden sich nur minimale Effekte, für die anderen Persönlichkeitseigenschaften gar keine.

Die Frage, ob die Geschwisterposition einen Einfluss auf die Persönlichkeit hat, beschäftigt Wissenschaftler schon seit weit über 100 Jahren. Sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der Laien-Psychologie gibt es dabei vielfältige Annahmen: So sollen Erstgeborene beispielsweise besonders perfektionistisch, „Sandwichkinder“ hingegen kooperativ und „Nesthäkchen“ rebellischer sein.

Berechtigte Selbsteinschätzung

Um die bislang uneinheitliche Datenlage zu diesen Annahmen zu klären, analysierten Prof. Dr. Stefan Schmukle und Julia Rohrer von der Universität Leipzig sowie Prof. Dr. Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Daten von mehr als 20.000 Erwachsenen aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Dabei zeigte sich für alle drei Länder, dass die zentralen Persönlichkeitseigenschaften Extraversion, emotionale Stabilität, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit nicht mit der Geschwisterposition in der Herkunftsfamilie zusammenhängen. Lediglich bei der Selbsteinschätzung des Intellekts fanden sich minimale Unterschiede: Erstgeborene berichteten beispielsweise häufiger, über einen großen Wortschatz zu verfügen und abstrakte Ideen gut begreifen zu können.

Die durchschnittliche Intelligenz sinkt leicht ab

Ganz aus der Luft gegriffen scheint diese Selbsteinschätzung nicht, schließlich konnten die drei Autoren auch den bereits länger bekannten Effekt der Geschwisterposition auf die objektiv gemessene Intelligenz bestätigen: Vom Erstgeborenen zum Letztgeborenen sinkt die durchschnittliche Intelligenz leicht ab. „Dieser Effekt auf die Intelligenz lässt sich in großen Stichproben zuverlässig finden, ist aber auf der individuellen Ebene wenig aussagekräftig. Wenn man zwei Geschwister vergleicht, wird dennoch in über 40 Prozent der Fälle das später geborene den höheren IQ haben. Und die gefundenen Effekte sind so klein, dass es zweifelhaft ist, ob sie für den Lebensweg bedeutsam sind“, erläutert Schmukle. „Unser zentraler Punkt ist, dass die Geschwisterposition für die Persönlichkeit keine große Rolle spielt. Für Intelligenz und Intellekt finden wir sehr kleine Effekte, für die anderen Persönlichkeitseigenschaften gar keine, was sowohl prominenten psychologischen Theorien als auch verbreiteten Vorstellungen in der Bevölkerung widerspricht.“

Originalpublikation:

Examining the effects of birth order on personality Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America
Julia M. Rohrer et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1506451112; 2015

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Forschung, Medizin, Psychiatrie

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1 Kommentar:

Gast
Gast

na Gott sei Dank,
kein Grund für Vorwürfe

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