Chromosomen: Keine Zufallsknäuel

14. Mai 2013
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SMC-Proteine halten eine definierte Struktur des Chromosoms aufrecht und sorgen dafür, dass es nicht zu einem Zufallsknäuel zusammenfällt. Forscher haben nun in einer Studie gezeigt, wie SMC-Proteine sich über das Erbgut bewegen und es organisieren.

Mit schneller Fluoreszenzmikroskopie war es den Wissenschaftlern möglich, die Bewegungsmuster einzelner SMC-Moleküle sichtbar zu machen und automatisiert zu verfolgen. Dadurch konnten sie demonstrieren, wie nur etwa 50 Moleküle das gesamte Chromosom einer Bakterienzelle zusammendrücken und gleichzeitig seine dreidimensionale Struktur erhalten.

Entdeckung der SMC-Proteine

20 Prozent der SMC-Moleküle in einer Bakterienzelle sind statisch: Sie sind in zwei Zentren auf dem Chromosom gebunden. Zusätzlich enthält die Zelle dynamische SMC-Moleküle, deren Anteil 80 Prozent beträgt und die über das gesamte Erbgut wandern. Sie halten das Chromosom zusammen und organisieren es. Die Entdeckung der mobilen SMC-Proteine und ihrer kontinuierlich hohen Dynamik erklärt, wie nur wenige Proteinmoleküle ein Chromosom aus mehr als vier Millionen Nukleotid-Bausteinen dreidimensional anordnen können.

Interaktion mit dem Erbgut

Mit weiteren biochemischen Versuchen wies das Team der Wissenschaftler nach, dass nur die mobilen SMC-Moleküle direkt mit dem Erbgut interagieren, die statischen sind dazu nicht in der Lage. Beide üben jedoch wichtige Funktionen für die Zelle und die Zusammenfaltung der Chromosomen aus. Die neuen Erkenntnisse lassen sich vermutlich auf menschliche SMC-Komplexe übertragen: Denn SMC-Proteine kommen nicht nur in Bakterien vor, sondern sind auch in höheren Zellen für die Zellteilung und die Organisation von Chromosomen notwendig.

Originalpublikation:

The Bacterial SMC Complex Displays Two Distinct Modes of Interaction with the Chromosome.
J. Ries et al., Cell Reports, 10.1016/j.celrep.2013.04.005; 2013

17 Wertungen (3.29 ø)

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1 Kommentar:

Lieber anonymer Autor dieses Artikels über eine Publikation von J. Ries et al.,

herzlichen Dank für das Anhängen der Originalpublikation. Das war sehr hilfreich, denn ich befasse mich nicht täglich mit den Aspekten der Aufrechterhaltung von Chromosomenstrukturen.

Entsprechend sollte ich besser einräumen, dass mir die Abkürzung SMC nicht geläufig war.
Ferner muss ich wohl einräumen, dass ich recht verwöhnt bin von der üblichen Struktur wissenschaftlicher Publikationen, in denen ein Begriff zunächst ausgeschrieben wird, mit der entsprechenden Abkürzung in Klammern unmittelbar nach der Erstnennung des Begriffs. Einfach so als Erklärung für Andersgläubige.
…man gewöhnt sich ja so!
Luxuriöser Weise wird mir nachfolgend zumindest kurz – und hier liegt wohl die Kunst von Artikeln, die über eine Publikation berichten – erklärt, um was es hierbei geht.
Das ist eine nette Sitte, denn so wird meine Faulheit unterstützt, nicht erst bei z. B. Google* suchen zu müssen, gleichzeitig wird in der Kurzerklärung mein Interesse geweckt bezüglich der Fragestellung, um die es in der Originalpublikation geht.

Für alle, die nicht googeln mögen:

*Zitat Wikipedia: “SMC stands for Structural Maintenance of Chromosomes”

Und für solche Leser, die sich dann für die Fragestellung und Ergebnis der publizierten Studie interessieren sollten, ist ja immerhin die Originalpublikation genannt.
(…warum dann eigentlich die Mühe, diesen Artikel hier zu verfassen?)

Gern vergebe ich ein Sternchen!

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