Leberzirrhose: Genvarianten-Trio als Alarmanlage

22. Oktober 2015
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Nicht jeder Alkoholkranke entwickelt eine Leberzirrhose. Das individuelle Risiko, daran zu erkranken, hängt unter anderem davon ab, welche Varianten dreier Gene ein Mensch im Genom trägt. Eröffnet diese Erkenntnis neue Therapiemöglichkeiten für alkoholkranke Patienten?

Alkoholkonsum ist tief in der westlichen Kultur verankert und interessanterweise besteht eine individuell sehr unterschiedliche Veranlagung für die verschiedenen alkoholbedingten Organschäden“, sagt Prof. Dr. Jochen Hampe, Leiter des Bereichs Gastroenterologie und Hepatologie am Uniklinikum Dresden und einer der federführenden Autoren der Studie. Schätzungen zufolge leiden bis zu einer Million Menschen in Deutschland an einer alkoholischen Leberzirrhose.

Auf drei Genvarianten fokussiert

Durch eine Untersuchung des gesamten menschlichen Erbguts haben Forscher des Uniklinikums Dresden und dutzender kooperierender Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Belgien und England nun herausgefunden, dass Varianten dreier Gene im Erbgut die Gefahr einer Leberzirrhose steigern. Hierzu hatten die Wissenschaftler mithilfe von Blutproben die DNA von über 4.000 Alkoholkranken mit und ohne Leberzirrhose untersucht. „Eines der Risikogene war bereits bekannt“, erklärt Hampe. Sowohl für dieses als auch für die beiden neu gefundenen Gene konnten die Forscher einen eindeutigen statistischen Zusammenhang mit dem Zirrhose-Risiko belegen. „Menschen mit bestimmten Genvarianten haben ein fünf- bis zehnfach erhöhtes Risiko, eine Leberzirrhose zu entwickeln“, sagt Hampe.

Die Ergebnisse der Studie eröffnen den Medizinern nun die Möglichkeit, besonders gefährdete Menschen früh zu identifizieren. Außerdem helfen sie den Wissenschaftlern, den Entstehungsprozess einer Leberzirrhose besser zu verstehen. „Alle drei Gene spielen eine Rolle im Fettstoffwechsel“, erklärt Dr. med. Felix Stickel von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Zürich. „Wenn wir den Krankheitsverlauf auf molekularer Ebene verstehen, können wir womöglich Therapien entwickeln, mit denen sich der Krankheitsprozess aufhalten lässt“, hofft Stickel.

Originalpublikation:

A genome-wide association study confirms PNPLA3 and identifies TM6SF2 and MBOAT7 as risk loci for alcohol-related cirrhosis
Felix Stickel et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.3417; 2015

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