Jameda: Wenn das Geld im Kasten klingt…

21. Oktober 2015
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...die Bewertung in den Himmel springt: Viele Patienten vertrauen blind dem Rat von Jameda, falls sie einen Arzt suchen. Sie übersehen, dass sich hinter mancher vermeintlich guten Platzierung bezahlte Dienste verstecken. Grund genug für die Verbraucherzentrale, einzuschreiten – mit Erfolg.

Spitzenplatzierungen beim Online-Portal Jameda sind für viele Laien Grund genug, einen Arzt auszuwählen. Immerhin, so denken viele User, kämen entsprechende Wertungen doch aus der Community selbst. Weit gefehlt! Stand der Kollege bei einer Suchabfrage ganz oben, musste er nicht unbedingt gute Noten haben. Jameda bot Ärzten vielmehr an, Premium-Pakte zu erwerben. Damit konnten sie sich mit ihren Tätigkeitsschwerpunkten beziehungsweise Fachgebieten über allen anderen Ärzten in der Ergebnisliste präsentieren. Am rechten Seitenrand fand sich nur ein kleiner Hinweis auf die kostenpflichtige Anzeige. Verbraucherschützern war das ein Dorn im Auge.

Nutzer getäuscht

Bereits im März hatte die Wettbewerbszentrale gegen Jameda auf Unterlassung dieser Werbeoption geklagt (Az.: 37 O 19570/14). Wettbewerbshütern zufolge handele es sich um keine reine Suchfunktion. Vielmehr werde ein Ranking mit Einfluss auf Patienten abgebildet. Das Landgericht (LG) München I sah in der Kennzeichnung als „Premium Partner“ keinen ausreichenden Hinweis auf bezahlte Platzierungen. In der Urteilsbegründung hieß es, bei Nutzern werde die Vorstellung geweckt, dass der jeweils an oberster Stelle der Liste aufgeführte Arzt auch das beste Patientenvotum habe. Verbrauchern fehle das Verständnis, dass es sich um Mediziner handele, welche Zusatzoptionen käuflich erworben hätten. Sie folgen der Auffassung des Portalbetreibers nicht, kostenpflichtige Angebote seien räumlich von der votumbasierten Ärzteliste getrennt.

Berufung zurückgezogen

Jetzt hat das Oberlandesgericht München deutlich gemacht, dass es für eine Berufung wenig Aussicht auf Erfolg gebe (Az.: 29 U 1445/15). Daraufhin zog Jameda die Berufung zurück. Dem Portalbetreiber zufolge seien kostenpflichtige Einträge ohnehin nur in nur wenigen Städten gebucht worden. Jetzt lesen User explizit „Anzeige“ statt „Premium-Partner“. Zusätzlich verzichtet Jameda hier auf Ranking-Plätze, Durchschnittsnoten und weitere Elemente der Suchergebnisliste. Auch kann der Nutzer an dieser Stelle keine Bewertung für den jeweiligen Arzt abgeben. Anwälten zufolge hat der Rechtsstreit auch Folgen für weitere Branchen, die bezahlte Platzierungen mit User-Content mixen.

Löschanspruch per Holzhammer

Mehr Transparenz für Verbraucher ist eine Sache. Für Ärzte bleibt die Sachlage aber unbefriedigend. Tatsache ist, sie haben bei augenscheinlich falschen oder beleidigenden Bemerkungen ein Recht auf Löschung. Nicht immer reagiert Jameda auf dem kleinen Dienstweg, so dass Kollegen oft vor den Kadi ziehen müssen.

51 Wertungen (4.76 ø)
Gesundheitspolitik, Medizin

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9 Kommentare:

Dr. Corinna Spott
Dr. Corinna Spott

Jamedas Taktik um negative Kommentare zu entfernen (sofern vom Arzt “gebucht”):
1) Aufforderung, die Bewertung zu bestätigen, ansonsten würde sie gelöscht
2) Bei der Bestätigung wird zwangsweise die Zustimmung zu einer rechtlichen Überprüfung gefordert, sonst kann man die Bestätigung nicht vornehmen
3) Die Bewertung wird gelöscht mit dem Hinweis sie sei juristisch nicht beweisbar.
4) Ein Versuch, eine neue Bewertung abzugeben, wird verweigert mit dem “Argument” man hätte den Arzt ja schon bewertet
Dieses Vorgehen habe ich selbst erlebt. Natürlich gibt es “Lästerer”, aber es gibt auch schlechte oder arrogante Ärzte. Also bitte niemals Jameda-Bewertungen vertrauen.

#9 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

#7: Genau, zurecht! Kommentar die den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllen gehören sofort gelöscht und der Einsteller rechtlich belangt. Warum Nutzen solche Menschen nicht den offiziellen Beschwerdeweg über den ärztlichen Kreisverband? Ja weil man da die Form wahren muss, nicht anonym bleiben kann und ggf. seine Äußerungen belegen muss. Ein großer Teil dieser Lästerer hat eine Persönlichkeitsstörung die genau dieses Verhalten provoziert. Auch als Arzt kann man obwohl man das gerne will nicht jeden Schwachsinn der einem vor die Füße geknallt wird abfangen und distanziert professionell abhandeln. Insbesondere wenn Grenzüberschreitungen seitens des Patienten da sind wie z.B. Anpöbeln des Praxispersonal und aggressives Verhalten. Das ist zunächst ein Fall für die Polizei, später für die Psychiatrie. Warum diesen Leuten dann auch noch eine Plattform bieten die noch nicht einmal eine Gegendarstellung vorsieht?

#8 |
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Gast
Gast

Mediziner werden die Portale immer kritisieren. Verschwinden werden diese Portale jedoch nicht mehr. Vielleicht macht es ja mehr Sinn sich der Kritik darin anzunehmen.

#7 |
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angestellte Apothekerin
angestellte Apothekerin

Ohne nachvollziehbare und überprüfbare Klarnamen im Netz wird es nie eine aufrichtige, sachliche Kultur im Internet und auf den Netz-Plattformen geben. Sie werden dadurch unglaubwürdig und ziehen fast nur die “Unzufriedenen” oder die Selbstoptimierer an. Die meisten Ärzte, die ich kenne, haben so viel zu tun, dass es lange Wartelisten gibt. Und wenn man bei denen auf die sogenannten Patientenbewertungsplattformen schaut, haben von deren vielen tausend Patienten pro Jahr ganze zwei oder drei sich geäußert und das waren dann meist die anonymen “Stänkerer”. Diese Plattformen sind so überflüssig wie ein Kropf, sind weit entfernt von jeglicher Objektivität und dienen meist nur dem Überleben des Betreibers.

#6 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Liebe Ablästerer bedenkt die Fairness. Gibt es eine öffentliche Plattform um sich über unverschämte Patienten zu beschweren? Wo ist da die Gleichheit und Ausgewogenheit? Genau! Deshalb sind solche Foren zu nichts nütze außer warum auch immer gekränkten Menschen eine Plattform zu geben sich haltlos auszuk….Die einzige Gegenwaffe die man hat sind schwarze Patientenlisten. Gibt’s zum Glück inzwischen auch, ähnlich wie bei einem negativen Schufaeintrag kein Kredit bekommt man dann plötzlich keinen Termin mehr beim Arzt. Schützt Arzt dann vor notorischen Zechprellern, nicht zum Termin kommern, pöbelnden Patienten und Rezeptbetrügern. Sollten wir Ärzte nur konsequenter Nutzen. Mit den paar Warnrundmails ist es längst nicht mehr getan.

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Oh, dieses Vorgehen ist mir gut bekannt. In schöner Regelmässigkeit kontert eine Düsseldorfer Ärztin auf Negativbewertungen mit hausgemachten Positivbewertungen. Inzwischen sammeln mindestens 20 Personen die Bewertungen dieser Dame. Hinzu kommt, dass sie ein Foto bei Jameda eingestellt hat, auf dem sie mindestens 30 Jahre jünger ist.

Die Negativbewertungen sind derart heftig, dass man ihr schon allein aus diesem Grund die Zulassung ab erkennen müsste. Und Jameda schweigt…

#4 |
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Brigitta Sußebach
Brigitta Sußebach

Es gibt hier bei uns im Ort einen Orthopäden, der lässt konsequent alle negativen Bewertungen löschen und wenn es mal eine Negativbewertung gibt, die Jameda sich nicht löschen “lässt”, stehen dann plötzlich wieder zwei bis drei 1-Bewertungen darunter, damit die Quote wieder stimmt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! :-)
Im übrigen kenne ich den Arzt persönlich und weiß, dass es in dieser Praxis nur um Kommerz geht.

#3 |
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Gast
Gast

Habe 2 x genau gegenteilige Erfahrung mit Bewertungen gemacht: Gesamtwertung des HNO-Arztes liegt nur deshalb idR bei 1,1, weil er jede schlechtere Note über Nacht entfernen lässt…..

#2 |
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Gast
Gast

Als Patient finde ich Jameda eine super Orientierung.Insbesondere aufgrund der negativen Einträge.Denn die schreibt man sich nicht selber und lässt sie hoffentlich auch nicht schreiben.Hab mir auf diese Weise einen HNO gesucht und war sehr positiv überrascht,wie ordentlich sauber und gut organisiert diese Praxis war.Wie klar und kompetent der Arzt das Problem erkannte und auch erklärte.Wie die weitere Behandlung vorgesehen ist und wie das Ziel zu erreichen ist.Das ist wirklich nicht immer so.Auch wenn so ein Arzt nicht immer sofort eine Lösung parat hat und haben kann,so bin ich hier ganz und gar nicht enttäuscht worden und das nur anhand von Bewertungen bei Jameda.
Wenn ich mal wieder nicht weis,wohin,dann schau ich bei Jameda vorbei.

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