Fortschritt bei Autoimmunkrankheiten

25. August 2011
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Forscher identifizieren einen neuen Angriffspunkt zur Bekämpfung von Autoimmunkrankheiten. Entzündungsfördernde Th17-Zellen, können im Dünndarm zu ungefährlichen Zellen umprogrammiert werden.

Das menschliche Immunsystem entfaltet seine volle Wirkung erst durch das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen zellulären und humoralen Mitspieler. Die T-Zellen nehmen in diesem Arrangement eine zentrale Rolle ein, da sie die gezielte Immunantwort sowie die Aktivität des Immunsystems kontrollieren können. Neben den traditionell bekannten Subtypen Th1 und Th2 existieren noch regulatorische T-Zellen (Treg), die das Immunsystem toleranter gegenüber Fremdkörpern machen, und sogenannte Th17-Zellen, die mit einer verstärkten Immunantwort in Verbindung gebracht werden.

Überaktive Th17-Zellen

Genauer gesagt locken die Th17-Zellen durch die Sekretion proinflammatorischer Zytokine Abwehrzellen des Immunsystems in einen Entzündungsherd und beschleunigen damit die Zerstörung des Gewebes. Damit spielen sie gleichsam eine wesentliche Rolle bei der Pathogenese von Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn oder der rheumatoiden Arthritis und bieten einen aussichtsreichen Angriffspunkt für die Therapie dieser Erkrankungen. Denn konventionelle Behandlungsansätze schwächen das gesamte Immunsystem, so dass Krankheitserreger ein leichtes Spiel haben.

Dünndarm macht Th17-Zellen unschädlich

Da die Bedingungen, unter denen Th17-Zellen entstehen, recht gut analysiert wurden, konzentrierten sich die Forscher in dieser Arbeit auf die Erforschung der Mechanismen, die die Produktion von Th17-Zellen kontrollieren. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass der Dünndarm eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Th17-Zellpopulation im Körper spielt. Einerseits kann er Th17-Zellen eliminieren, indem sie in den Darm ausgeschieden werden. Andererseits können die aggressiven Th17-Zellen im Dünndarm zu ungefährlichen regulatorischen Th17-Zellen umprogrammiert werden. Die Ergebnisse wurden mithilfe eines Mausmodells für Multiple Sklerose erzielt.

Immunsystem bleibt aktiv

Dies weckt Hoffnungen auf neue hochspezifische Therapieansätze, die nur den überaktiven Teil des Immunsystems betreffen und somit die Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber Bakterien und Viren beibehalten. Eine vielversprechende Therapiemöglichkeit stellt zum Beispiel die Umleitung der überreaktiven Th17-Zellen in den Dünndarm dar. Dieser könnte sie dann gezielt kontrollieren und eine Autoimmunerkrankung eindämmen. Jedoch sind noch weitere Jahre Forschung im Mausmodell erforderlich, um eine sichere und effektive Behandlung zu gewährleisten.

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Medizin

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2 Kommentare:

Student der Humanmedizin
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Dr. med. Helmut Blankenburg
Dr. med. Helmut Blankenburg

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