Bakterien: Fluorid reduziert Haftkraft

31. Mai 2013
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Zähne werden vor allem durch das Fluorid in der Zahnpasta vor Bakterien geschützt. Bekannt ist, dass Fluorid in den Zahnschmelz eingebaut wird und den Zahn abhärtet. Forscher haben nun gezeigt, dass Fluorid auch die Kraft beeinflusst, mit der sich Bakterien an Oberflächen anheften.

Ein Zuviel an Zucker ist nach wie vor der Hauptgrund für Löcher in den Zähnen. Die Bakterien im Mund bauen die Zuckerverbindungen ab und setzen dabei Säuren frei, die den Zahnschmelz angreifen. Vorbeugend hilft hier nur regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Das darin enthaltene Fluorid verbindet sich mit dem Zahnmaterial, dem Hydroxylapatit (HAP), und bildet unter anderem Fluorapatit (FAP), das weniger säurelöslich ist als das HAP und den Zahn vor Säureangriffen durch die Mikroben schützen soll. Forscher um Physikprofessorin Karin Jacobs haben allerdings schon vor einigen Jahren gezeigt, dass Fluorid nicht so tief in den Zahnschmelz eindringt, wie lange vermutet wurde. „Zudem ist dieser Schutzmantel sehr dünn und fragil“, erklärt die Physikerin weiter. „Ob die bisherige Erklärung der Wirksamkeit von Fluor tatsächlich ausreichend ist, ist daher fraglich und war unsere Motivation zu weiteren Experimenten.“

Die Rolle der Fluoridschicht

In einer neuen Studie hat das Team um Jacobs nun zusammen mit Mikrobiologen untersucht, welche Rolle diese dünne Fluoridschicht bei der Interaktion zwischen Bakterien und Zahnoberfläche spielt. Für ihre Versuche verwendeten die Forscher eigens hergestellte Hydroxylapatit-Plättchen, die dem Zahnschmelz in der Zusammensetzung zwar ähneln, aber eine sehr glatte Oberfläche aufweisen und daher für die hochauflösenden Analysemethoden besser geeignet sind als natürliche Zähne. Die Physiker haben mit Hilfe der Rasterkraftmikroskopie die Haftkraft verschiedener Bakterienarten bestimmt, darunter zwei Karieserreger (Streptococcus mutans, Streptococcus oralis). Es zeigte sich, dass die untersuchten Mikroorganismen – gleich um welche Spezies es sich handelte – an den Oberflächen, die mit Fluorid behandelt worden sind, nur halb so stark haften blieben wie an den unbehandelten Oberflächen.

Weitere Untersuchungen folgen

„Ob dieses im Labor erzielte Ergebnis auch in der Mundhöhle Bestand hat, müssen wir nun noch untersuchen“, kommentiert Jacobs die Ergebnisse. „Interessant ist in jedem Fall, dass Fluorid bakterielle Haftkräfte generell zu schwächen scheint.“ Dieser Effekt könnte künftig zum Beispiel auch dabei helfen, bessere Zahnfüllungen, Zahnersatz und medizinische Implantate zu entwickeln.

Originalpublikation

Reduced adhesion of oral bacteria on hydroxyapatite by fluoride treatment.
K. Jacobs et al.; Langmuir, DOI: 10.1021/la400855, 2013

[Bildlizenz: Weitergabe unter gleichen Bedingungen – http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/]

35 Wertungen (3.97 ø)
Forschung, Medizin, Zahnmedizin

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9 Kommentare:

Hallo Herr Freise, hallo Herr Nägele,
das ist ja unbestritten, daß Karies multifaktoriell verursacht ist und die völlig falsche Ernährung großer Teile unserer Bevölkerung eine wesentliche Ursache ist ( insgesamt zu viel raffinierter Zucker und säurehaltige Säfte schon ab Babyalter).Mir als ehemaligem Kinderarzt brauchen Sie dazu nichts zu sagen.
Die Zahnpflegemaßnahmen konnten in den zurückliegenden mindestens drei Jahrzehnten in der BRD durch konzertiertes Vorgehen aller : Kinderärzte, Zahnärzte, Kindergärtnerinnen, Krankenkassen, Aufklärungskampagnen u.v.a.m.
gut den Kindern und Eltern vermittelt werden und die Erfolge mit Rückdrängung der Karieshäufigkeit sind beachtlich. Aber: ich diskutiere hier nicht über die schädlichen Folgen einer (ungewollten) Fluorid- Überdosierung bei Menschen in Teilen Indiens, Chinas, Afrikas, wo es aufgrund der Bodenverhältnisse zu einem überhöhten Gehalt des Trinkwassers und somit auch der dort angebauten Nahrung ( Gemüse, Fisch) durch Bewässerung der Felder und somit zur FLUOROSE der dort lebenden Menschen kommt.Das ist ein ganz anderes Thema und der naturw.- medizin. Forschung bestens bekannt. In der BRD haben wir allerdings die gegenteilige Situation, in der Tat sind wir eben doch eine “Fluoridmangelregion”, mit Ausnahme weniger Orte in der Vulkaneifel, dem Hessischen Bergland und einigen Orten in der Region Nürnberg. Ansonsten liegen die im Trinkwasser von den Stadtwerken bzw. Wasserversorgern regelmäßig kontrollierten Fluoridwerte pro Liter zu niedrig, um eine optimale und ausreichende Fluoridversorgung der Menschen zu erreichen. Das ist unumstrittener Kenntnisstand und hat u.a. dazu geführt, daß in Deutschland die Verwendung von Kochsalz m i t Z u s a t z von F l u o r i d , J o d i d und F o l s ä u r e öffentlich empfohlen wird, um die Karieshäufigkeit, die Schilddrüsenkropfhäufigkeit und schwere angeborene Mißbildungen des ZNS ( bei Schwangeren mit Folsäuremangel) zu bessern bzw. zu vermeiden. Fluorid ist das ( von der naturw.-med. Forschung) am besten untersuchte Spurenelement, schon vor 40 Jahren gab es zu diesem Thema über 30.000 seriöse medizin. Publikationen. Ich glaube, damit sind wir “durch”. Buena notte und MfG, GB, Allemagna

#9 |
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Matthias Nägele
Matthias Nägele

Danke für ihre interessanten Ausführungen Herr Freisen!

Ich denke es macht einfach einen riesigen Unterschied, ob man eine Fluorid-Zahnpasta nutzt und nach dem Putzen vollständig ausspuckt oder Fluroid durch Wasser/Nahrung/Salz (ungewollt) in den Körper aufnimmt. Während Ersteres leider aufgrund unseres heutigen Ernährungsstils empfohlen werden *muss*, ist letzteres höchstwahrscheinlich schädlich für die Gesamtbevölkerungsgesundheit. Die obige Studie scheint ja diesen Effekt zu bekräftigen.

Bei gesunder Ernährung kann man m.E. bedenkenlos auf Fluoridzahnpasta verzichten und auf viel simplere und natürlichere Methoden zurückgreifen.

#8 |
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Paul-W. Freisen
Paul-W. Freisen

Hallo Herr Gburek und Herr Nägele,
Es ist wirklich sehr wichtig auf die “Nebenwirkungen” von Fluor aufmerksam zu machen. Mich hatte es “erwischt” nachdem wir ca. 10 Monate das Wasser unserer eigenen Quelle genossen haben. Das Denken war eingeschränkt, meine Frau und auch ich hatten Krämpfe. Ich konnte meine Socken nur noch im Sitzen anziehen!!!???
Nachdem wir ein Kohlefilter im Küchenbereich installiert hatten (vorbeugend, nur so), verbesserte sich alles ein bischen. Ich habe dann sofort eine Wasseranalyse machen lassen und sah die “etwas” erhöhten Werte. Die Infos aus Indien hatte ich seinerzeit studiert, es ist einfach erschreckend. Fluor lässt sich leider mit den normalen Filtern nicht eliminieren, so habe ich mir eine Wasseraufbereitungsanlage auf der Basis Reverse Osmosis installiert und seitdem haben wir 2 Wasserhähne in der Küche. Es hat dann ungefähr 2 Jahre gedauert bis ich wieder back to normal war und das Gift (so habe ich es gespürt Herr Gburek) glücklicherweise wieder abgebaut war. Da wir in einem noch nicht kontaminiierten Land leben, habe ich mich über den hohen Fluoranteil gewundert und mit den hiesigen Ingenieuren des Ministeriums für Geologie diskutiert. Uruguay hat in dem Teil wo ich lebe einen vulkanischen Untergrund.

Wichtig für uns ist jetzt natürlich unseren Mineralhaushalt normal zu halten, durch unkontaminiertes Mineralwasser und bei Bedarf Zugaben von Magnesium, Kalzium und Kalium

Viele Grüße aus dem bereits herbstlichen Piriápolis bei frühlingshaften Temperaturen
Paul-W. Freisen

#7 |
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Matthias Nägele
Matthias Nägele

PS: Ich sehe gerade, Sie sind Pädiater. Dann sind vielleicht folgende Daten für Sie interessant und sollten Sie zu weiteren Nachforschungen verleiten:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3409983/
http://208.109.172.241/scher/xiang-2003a.pdf
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8169995

#6 |
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Matthias Nägele
Matthias Nägele

Hallo Herr Gburek,

Europa leidet nicht unter Karies, weil wir ein “Fluoridmangelgebiet” sind, sondern vor allem weil wir uns zuviel prozessierte, nährstoffarme und säure/zuckerhaltige Nahrungsmittel und Flüssigkeiten reinstopfen, die unsere Immunabwehr, den Zahnschmelzstoffwechsel und unsere pH-Balance im Mundraum stören. Ihre Argumentation ist leider typisch für die eines hörigem Mediziners, welcher eher noch irendetwas *on top* in den Patienten stopft (sei es Cortison, Fluorid etc.) statt sich mit den wahren Ursachen zu beschäftigen. Ich bin froh dass wir hier in Deutschland nicht auch schon den Weg einer kurzsichtigen Zwangsmedikation gegangen sind und uns noch freie Wahl gegeben wird über die Stoffe die wir uns in den Körper kippen. Was kommt als nächstes, wird uns bald Cortison in unsere Milch gepackt, da wir ja eh alle zuviel Entzündung haben??

Traurige Grüße,
M. Nägele

#5 |
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Hallo Herr P.-W. Freisen,
erstmals “maile” ich zu einem anderen Kontinent und dazu noch auf die Südhalbkugel, das stimmt mich im Ton etwas versöhnlicher. Fluorid als “Gift” zu verurteilen, ist natürlich sachlich nicht korrekt. Wie bei allem, kommt es auf die Dosis einer Substanz an, das formulierte schon Paracelsus (“Alles ist Gift, nichts ist ohne Gift, daß etwas kein Gift sei,macht allein die D O S I S “). Unsere BRD und darüber hinaus Europa ist bezügl. Trinkwassergehalt an Fuorid zu fast 100 % der Fläche ein Fluor- M a n g e l g e b i e t, somit über Nahrung und Trinken unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit diesem S p u r e n e l e m e n t. Folge ist eine deutlich zu hohe Karieshäufigkeit unserer Menschen ( mit allen Folgen bis zu frühem Zahnverlust). Sie traten nicht in ein “Fettnäpfchen”, sondern sprachen ein Thema an, mit dem ich mich seit Ende der 70-er intensiv beschäftigt und in meinem Beruf im Sinne der Kariesprävention eingesetzt habe. Wenn Sie beruflich “hinter die Kulissen” von Pharmafirmen geschaut haben, ist Ihnen evtl. manche Illusion vergangen, mag sein, daß dort teils mit “harten Bandagen” bis hin zur Manipulation und Betrug gearbeitet wird. Dies ist dennoch kein Grund, wissenschaftl. Forschung grundsätzlich der Korrumpiertheit zu bezichtigen. Wenn Sie in Ihrem Lebensraum einen in der Tat ( langzeitig )grenzwertig hohen Fluoridgehalt des Trinkwassers von 1,91 mg F pro Liter vorfinden, müßen Sie sich natürlich den lokalen Gegebenheiten anpassen.
Con cari saluti per una buona sera della questa domenica e una buona prossima settimana. GB, Allemagna

#4 |
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Paul-W. Freisen
Paul-W. Freisen

Hoppla, Herr Friedrich Karl Gburek,
das tut mir aber leid, das ich da in Ihr Fettnäpfchen getreten bin!
Da ich in der Vergangenheit einige Jahre für ein Unternehmen der Pharmaindustrie in Deutschland gearbeitet habe und dabei auch viel mit Meinungsbildnern zu tun hatte, kenne ich die Praxis mit Studien.
Wir wohnen in Südamerika und haben wir durch Zufall und mit etwas Glück “Weleda” in Santiago de Chile gefunden. Weder in Brasilien, noch in Uruguay ist Zahnpasta ohne Fluor zu bekommen.
Saludos cordiales y un buen fin de semana. PWF

#3 |
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Hoppla, Herr Paul-W. Freisen,
das ist aber eine gänzlich unbelegte Unterstellung, die wissenschaftl. Forschungsergebnisse von Zahn- oder Medizinern von vorherein und ohne jeglichen Beweis als korrupt und falsch zu verunglimpfen, weil nach Ihrer Ansicht durch “Bestechungsgelder ” der Pharmaindustrie finanziert.
Halten Sie sich meinethalben an Ihren “Weleda” und sonstigen Kram und halten Sie sich lieber mit unqualifizierten Äußerungen zurück. Cardiali Saluti, GB

#2 |
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Paul-W. Freisen
Paul-W. Freisen

Wer hat denn diese Studie bezahlt?
Wenn mal einmal die katastrophalen Folgen eines “leicht” zu hohen Fluoranteils (1,91 mg/l) im Trinkwasser am eigenen Körper gespürt hat, sollte man auf alles verzichten in dem dieses Gift vorhanden ist.
Es ist allerdings sehr schwierig Zahnpasta zu finden in dem kein Fluor vorhanden ist. Weleda bietet diese zum Beispiel an.
Saludos

#1 |
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