Wahrnehmung: Haben Babys ein Bewusstsein?

14. Mai 2013
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Wissenschaftler aus dem Bereich für kognitive und psycholinguistische Wissenschaften konnten jetzt in einer Studie aufzeigen, dass Säuglinge bereits ab fünf Monaten über eine ähnliche Form von Bewusstsein verfügen wie Erwachsene.

Wie lässt sich feststellen, ob Babys ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, wenn sie weder reden, noch ihre eigenen Gedanken formulieren können? Zur Lösung dieses komplexen Problems verwendeten die Forscher einen alternativen Ansatz: Sie wollten herausfinden, ob die bei Erwachsenen beobachteten neuronalen Marker des Bewusstseins auch bei Babys vorhanden sind. Jüngste Forschungen zeigten, dass das Gehirn von Erwachsenen in zwei Stufen auf die Wahrnehmung eines externen Ereignisses reagiert.

Dauer von Bedeutung

In den ersten 200 – 300 Millisekunden erfolgt die Wahrnehmungsverarbeitung komplett unbewusst und die Neuronenaktivität nimmt linear zu. Die zweite Stufe ist, entsprechend der Bewusstseinsschwelle, durch eine nicht-lineare Antwort gekennzeichnet. Nur wenn das Ereignis (z.B. die Präsentation eines Objektes) lange genug andauert, um diesen Schwellenwert zu erreichen, kommt es zu einer verzögerten Reaktion und einer bewussten Wahrnehmung. Nur diese verzögerte und nichtlineare Reaktion des Gehirns wird als neuronaler Marker des Bewusstseins betrachtet.

Verzögerte, nichtlineare Reaktionen beobachtbar

In dieser Studie wurde die Existenz dieses Markers bei 80 Kindern im Alter von 5, 12 und 15 Monaten getestet. Während ihre elektrische Hirnaktivität mit der Elektroenzephalographie (EEG) gemessen wurde, wurden ihnen für eine bestimmte Zeit (über oder unter ihrer Wahrnehmungsschwelle) Gesichter gezeigt. Bei allen Altersgruppen konnten die Forscher die gleiche verzögerte und nichtlineare Reaktion wie bei Erwachsenen beobachten und so die Existenz dieser “neuronalen Signatur des Bewusstseins” auch bei Babys bestätigen. Allerdings beträgt die Reaktionszeit bei Erwachsenen ca. 300 ms und setzt bei Säuglingen deutlich später ein – nach mindestens 1 Sekunde bei den Jüngsten. Diese Ergebnisse zeigen, dass die dem Wahrnehmungsbewusstsein zugrunde liegenden zerebralen Mechanismen bei Säuglingen bereits sehr frühzeitig vorhanden sind. Sie sind jedoch relativ langsam und werden erst im Laufe der Entwicklung immer schneller.

Originalpublikation:

A neural marker of perceptual consciousness in infants.
S. Kouider et al.; Science, DOI: 10.1126/science.1232509 ; 2013

51 Wertungen (4.2 ø)

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6 Kommentare:

Ich bin entsetzt, wie oberflächlich in den ersten zwei Dritteln des Artikels und vielen Kommentaren mit dem Begriff “Bewusstsein” umgegangen wird!
Schließlich hat man in der Studie nichts anderes als die dem “Wahrnehmungsbewusstsein zugrunde liegenden zerebralen Mechanismen” (s.o.) zeigen können.

#6 |
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Heilpraktikerin

Meine Empfehlung zu diesem Thema:
Dr. med. Thomas Verny: “Das Seelenleben des Ungeborenen”

In diesem Buch von 1981 findet sich schon eindrücklich beschrieben, was heute in der Neurowissenschaft z. B. von Prof. Hüther bestätigt wird: Bereits das Ungeborene verfügt spätestens ab dem 6. Schwangerschaftsmonat über ein erwachsenes Gedächtnis und Bewusstsein.

Bei meiner inzwischen 2 jährigen Enkelin kann ich diesen Bewusstseins-prozess hautnah beobachten und miterleben.

#5 |
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„perceptual consciousness“ schlicht allgemein mit „Bewusstsein“ zu übersetzen löst natürlich alle uralten philosophischen Probleme! Wir wissen also jetzt, wie es sich anfühlt eine Fledermaus zu sein (Nagel) oder?

#4 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Würde den Wissenschaftlern ein Praktikum im Bereich Pädiatrie, gerne auch Intensivstation sowohl auch in einer Familie mit Neugeborenem empfehlen, oder/und einfach mal das ganz normale Dasein mit offenen Augen, Ohren und einen ordentlichen Portion Einfühlungsvermögen betrachten!

#3 |
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Heinrich Hang
Heinrich Hang

Allerdings Herr Damrich! Die sensationelle Feststellung dieses Artikels ist ebenso bemerkenswert, wie die nicht allzu alter Forschungen , dass Tiere wohl doch auch ein Bewusstsein haben könnten. Wer ein Haustier hat, kann ebenso wie jede Mutter nur den Kopf schütteln über so viel Forscherignoranz.
Freundliche Grüße mit sogenanntem ‘gesunden Menschenverstand’, der so manchem Forscher zu fehlen scheint. – Dr. med. Gabriela Hang

#2 |
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Heilpraktiker

ähm…….als mein Sohn geboren wurde…………dacht eich auch erst noch ein Baby und es ging nach meinem Kopf……..spätestens nach 3 Monaten wußte ich das er ein eigenes Bewußtsein hat!…………Merkt das nicht jede Mutter?

#1 |
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