Kein Alkohol ist auch keine Lösung

26. August 2011
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Dass laut britischen Medien die Familie von Amy Winehouse einen abrupten Stopp des Alkoholkonsums als Auslöser des Todes der Sängerin vermutet, mag zunächst überraschen. Aber so abwegig, wie sie auf den ersten Blick möglicherweise erscheint, ist die Vermutung nicht.

Erste Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung des Leichnams der 27-Jährigen liegen bereits vor, die exakte Todesursache wird allerdings erst nach Abschluss der Untersuchungen im Herbst bekannt sein. Die Vermutung der Winehouse-Angehörigen, die junge Frau sei nicht an einer Intoxikation gestorben, sondern an den Folgen eines plötzlichen Alkohol-Entzugs, ist durchaus ernst zunehmen – mehr als eine jener Spekulationen, die in solchen prominenten Fällen fast üblich sind. Denn der plötzliche Entzug einer Droge ist für Suchtkranke, also auch für Alkoholkranke, eine enorme Belastung, die Risiken in sich birgt. Der Alkoholentzug sollte daher stets unter ärztlicher Kontrolle stattfinden, erklärt unter anderen Dr. Harry Haroutunian, ärztlicher Direktor des „Betty Ford Center“ in Rancho Mirage, das auf die Behandlung von Suchtkranken spezialisiert ist.

Besonders gefürchtet: das Delirium tremens

Auf den Alkohol-Entzug reagiert der Organismus kompensatorisch mit der Ausschüttung von Hormonen und Neurotransmittern wie Serotonin, Adrenalin und Dopamin; es kommt zu einer verstärkten Sympathikus-Aktivierung. Klinische Symptome des sogenannten „Alkohol-Entzugssyndroms“ können innerhalb weniger Stunden bis Tage nach dem letzten Alkohol-Konsum auftreten. Dazu zählen Symptome wie Schlafstörungen, Tremor, kardiale Palpitationen, Übelkeit und Schwitzen bis hin zu Halluzinationen und Herzrhythmusstörungen. Auch Krampfanfälle treten in der Regel innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach dem letzten Drink auf, sind aber sogar noch zehn Tage danach möglich, sagt der Sucht-Experte Professor James C. Garbutt von der Universität von North Carolina. Welche Rolle die endotheliale Dysfunktion spielt, die nach Untersuchungen von Forschern der Universität Jena beim Entzugssyndrom auftritt, ist derzeit noch unbekannt. Besonders gefürchtet ist das Delirium tremens (DT), das meist innerhalb von zwei bis vier Tagen nach dem letzten Alkoholkonsum auftritt.

Zum Vollbild eines Delirium tremens komme es bei rund fünf Prozent der Patienten, die ein Entzugssyndrom entwickeln und nicht behandelt werden, berichten die beiden Professoren Falk Kiefer und Karl F. Mann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in einer „Übersichtsarbeit“. Die typischen Symptome sind Halluzinationen, meist optische, Verlust der Orientierung, Grand-mal-Anfälle, Störungen des Bewusstseins und psychomotorische Hyperaktivität. Wird behandelt, ist die Prognose mit einer Letalität von zwei Prozent allerdings „relativ günstig“. Dennoch: Erleiden Alkohol-Kranke ein Entzugssyndrom, ist dies nicht nur eine akute Gefahr; es verschlechtert nach einer aktuellen spanischen Untersuchung auch die Langzeit-Überlebensprognose. Hinweise auf ein erhöhtes DT-Risiko sind laut dem Toxikologen Dr. Florian Eyer und seinen Kollegen der TU München ein niedriges Serum-Kalium, eine Thrombozytopenie und vor allem strukturelle Hirnläsionen („Alcohol and Alcoholism“). Besonders gefährdet sind nach aktuellen Daten von Forschern aus Taiwan Alkohol-Kranke mit besonders niedrigen Serum-Konzentrationen des „Brain Derived Neurotrophic Factor“ (BDNF), der bei der Alkoholkrankheit eine wichtige Rolle spielen soll.

Alkohol-Entzug nicht ohne ärztliche Begleitung

Die Behandlung der Patienten setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen; die sogenannte „Entgiftung“ ist dabei neben der Rückfall-Prophylaxe und den wichtigen psychotherapeutischen Interventionen nur ein Element. Wie wird nun „entgiftet“? Die Vorgehensweise ist abhängig von der Schwere der Erkrankung und davon, ob sie ambulant, stationär oder teilstationär erfolgt. Einigkeit besteht unter Sucht-Experten auf jeden Fall darin, dass der Entzug unter ärztlicher „Überwachung“ stattfinden sollte. Nach Angaben von Professor Charles P. O’Brien, leitender Sucht-Forscher am „University of Pennsylvania’s Center for Studies in Addiction“, ist der erste Schritt natürlich eine vollständige medizinische Untersuchung. Basistherapeutische Maßnahmen sind zusätzlich zur ärztlich begleiteten Reduktion des Alkohol-Konsums die Gabe von Flüssigkeit, Elektrolyten und B-Vitaminen, vor allem von Thiamin zur Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalopathie.

Alpha-2-Agonisten zur Sympathikusdämpfung

Die pharmakologische Behandlung ist laut Kiefer und Mann bei etwa einem Drittel der Patienten erforderlich. Einen wichtigen Stellenwert haben zentral wirksame α2-Agonisten zur Dämpfung der übermäßigen Sympathikusaktivität. Eine auch in den deutschen Leitlinien aufgeführte etablierte Substanz ist das Clonidin. Eine mögliche Option sei auch der hochselektive α2-Agonist Dexmedetomidin, schreibt der Pharmakologe Professor Andrew J. Muzyk von der „University School of Pharmacy and Health Sciences“ in Durham in den „Annals of Pharmacotherapy“. Der Nutzen beim Alkohol-Entzug sei allerdings noch in weiteren Studien zu belegen. Dies gilt auch für das Muskelrelaxans Tizanidin, ebenfalls ein zentral wirksamer α2-Agonist, der möglicherweise nicht allein für die Entzugs-Behandlung, sondern auch für die Rückfall-Prophylaxe geeignet sein könnte, meint der libanesische Psychiater Dr. R. Bou Khalil („Saint Joseph University“ in Beirut) in den „Medical Hypotheses“.

Benzodiazepine: „derzeit noch das Beste“

Längst einen festen Stellenwert haben außer dem bekannten Clomethiazol auch die Benzodiazepine. Nach einer Analyse der „Cochrane Collaboration Group“ vom Juni dieses Jahres schützen sie eindeutig vor Krampfanfällen und sind möglicherweise auch Neuroleptika überlegen. Allerdings gebe es noch zu wenige Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit, um ein definitives Urteil über diese Präparate für die Alkohol-Entzugsbehandlung fällen zu können. Die Benzodiazepine, etwa Lorazepam und Oxazepam, seien derzeit aber noch das Beste, was wir hätten, sagt O’Brien. Auch für Baclofen gibt es laut einer anderen Cochrane-Analyse Hinweise auf einen Wirksamkeit gegen die Entzugssymptome. Die Belege reichten aber noch nicht aus, um den Wirkstoff zur Entzugs-Behandlung zu empfehlen. O‘Brien: „Es wirkt, aber nicht besser als Benzodiazepine. Es gibt vieles, das wirkt, aber die besten Belege gibt es immer noch für die Benzodiazepine.“ Ist eine Pharmakotherapie zur Minderung der Entzugssymptome und zur Anfallsprophylaxe notwendig, liegen laut Kiefer und Mann gute Erfahrungen über eine Kombinationsbehandlung mit dem Neuroleptikum Tiaprid sowie dem Antikonvulsivum Carbamazepin vor. Nach vorläufigen Daten von Dr. Christian A. Müller und seinen Kollegen von der Charité und der Uniklinik Essen könnte bei ambulanten Patienten auch die Kombination von Tiaprid mit Levetiracetam eine wirksame und sichere Option sein. Die Daten müssten aber noch bestätigt werden, schreiben Müller und seine Mitautoren im „Journal of Addiction Medicine“. Ein festen Platz in der medikamentösen Rückfall-Prophylaxe haben seit Jahren der Glutamatmodulator Acamprosat und der Opioidantagonist Naltrexon.

Prophylaxe bleibt die beste Therapie

Die Ergebnisse der stationären Entwöhnungstherapien sind laut Robert-Koch-Institut mit Erfolgsraten von bis über 50 Prozent übrigens „deutlich besser als häufig angenommen wird und liegen zum Teil deutlich über der Mitte der 1970er Jahre publizierten so genannten 1/3-Quote“ (Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 40). Vergleichsweise effizient seien auch „ambulante Entwöhnungstherapien (Abstinenzrate 46 Prozent nach 19 Monaten bzw. 44 Prozent nach drei Jahren)“. Die beste Therapie ist aber auch bei der Alkoholkrankheit natürlich die Prophylaxe. Und da ist bekanntlich immer etwas zu verbessern. Rund 1,3 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 65 Jahren gelten als alkoholabhängig, teilt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit. Insgesamt trinken knapp zehn Millionen Menschen Alkohol „in gesundheitlich riskanten Mengen“. Trotz Rückgangs sind es noch immer 13 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal wöchentlich zu alkoholischen Getränken greifen. Fast 17 Prozent trinken sich nach eigenen Angaben mindestens einmal im Monat einen Rausch an. Allein in Deutschland sterben täglich rund 200 Menschen an den Folgen ihres Alkohol­Missbrauchs.

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Medizin

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28 Kommentare:

@ Herrn Gromer (25): Und was haben die Aussies gegen Clomethiazol? Wir behandeln unsere Entzugspatienten auf Normalstation meist mit Distra. Bislang keine wesentlichen NW festzustellen außer gelegentlich “Unverträglichkeit” wahrscheinlich im Sinne von Allergie. Auf unserer ITS werden sie aber mit Tiapridex und Carbamazepin behandelt. Angeblich wegen der schlimmen “Verschleimung”, die das Distra mache.

#28 |
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Still waiting for rates of mortality due to alcohol withdrawal… (and if any, which one is the real causes of the death).
By the way, the spanish study (in the abstract) does not say that those patients with AWS die before than those that are alcoholic and continue drinking, rather with a “cohort population” with unclear percentaje of withdrawal / presence absence of AWS / even if includes non-alcoholics. At the “worst” it shows that those that during withdrawal have acute syndrom have worst prognosis as those without having acute syndrom, not at all that they survive less than with continued drinking as subrepcitically suggested in the article. And that result is logical at first view: it is expected that the AWS is statistically more likely to appear in the most “damaged” alcoholics…. Not an expert to say this is like that, just a common sense comment. Without that explanation the mentioned spanish study appears here as to be pure bullshit (sorry).

#27 |
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Rettungsassistent

Man darf zwei Dinge nicht verwechseln. Die Gefahren des Entzuges und die Gefahr des Konsums.
Das der Konsum unbestritten keinerlei positive Bewertung im medizinischen Sinne erfahren darf, ist glaube ich jedem klar. Selbst wenn es in irgendeiner Form positive Teilaspekte geben sollte (Rotwein hat mit Sicherheit nicht aufgrund des Alkohols gesundheitsfördernden Aspekte, also ist Rotwein auch kein Beleg für solche durch Alkohol).
Dass der Entzug aber auch gefährlich sein kann, ist keine Aufruf, weiter Alkohol zu trinken, sondern den Entzug zu überwachen und medizinisch zu begleiten. Ohne moralische Wertung!
ich bin nicht wirklich Bibelfest, aber in etwa so: Wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein.
Sonst müssen wir allen Adipösen KHK / AKS Patienten auch sagen, Sie sind es doch selbeschuld.
Aus einem Artikel, der auf die Gefahren des Alkoholentzuges hinweist, einen Pro Alkoholkonsum Artikel zu machen, ist doch etwas weit hergeholt.

#26 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

an Nr.19: NOMEN EST OMEN; nichts für ungut !

#25 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

Im 19. Jahrhundert lernte die wissenschafliche Welt Deutsch.
Nun leben wir mit Englisch. C R A V I N G ist kaum übersetzbar.
Beim Alkoholthema vermisse ich diese Vokabel hier. EHT

#24 |
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@30
Wichtiger Hinweis! 16.000 Tote jährlich (44 Tote PRO TAG) durch unmittelbar alkoholinduzierte Erkrankungen, geschätzt 40.000 pro Jahr infolge durch Alkoholkonsum begünstigter Erkrankungen (jeder 10 Krebsfall bei Männern z.B.)… Alkoholbedingte Störungen sind dritthäufigste Ursache für stat. Behandlungen!
Nur 150.000 Personen erreichen jährlich das Suchthilfesystem, im Durchschnitt vergehen 14 Jahre vom Beginn des abhängigen Konsums bis zum Therapieentschluss…

#23 |
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Wat für’n Dönkram aus der Uraltklamottenkiste lese ich denn hier?!
Jeder Tropfen C2H5Oh oral einem trockenen Alkoholiker appliziert mümdet unweigerlich in einen Rückfall?
Blödfug!
Allerdings besteht der Rückfall nach Ansicht vieler Therapeuten und Selbsthilfegruppen ja bereits in der Alkoholaufnahme, ungeachtet, ob singulär oder in einen stetigen, abhängigen Konsum mündend.

#22 |
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Ulrich Brinkmeier
Ulrich Brinkmeier

Es ist doch immer wieder auffallig die Aufregung zu bemerken die dann auftritt, wenn es um die diversen Wirkungen, Nebenwirkungen etc und dergleichen, einer “legalen Droge” wie Alkohol geht. Vergessen werden sehr schnell die 1,3 Millionen festgestellter Abhängigkeitserkrankter und die knapp 9 Millionen riskanter Nutzer dieser Droge. Es scheint so selbstverständlich, mit dieser “legalen Droge” zu leben, dass die Frage nach der Funktion, die ein solch immenser Konsum innerhalb einer Gesellschaft aufwirft, gar nicht mehr gestellt wird. Im medzinischen Bereich scheint man sich auch eher für die Entwicklung eines brauchbaren “Ersatzes” zu interssieren, als sich die grundsätzliche Frage danach zu stellen, wie dieser Drogenkonsum innerhalb unserer Gesellschaft auftritt und welche Not sowohl für das abhängige Individuum als auch für seine gesamte Umgebung damit verbunden ist. Was soll, bei den oben genannten Zahlen, denn eine Diskussion darüber, ob der Konsum von ein “bisschen” Nikotin, Alkohol, Canabis, warum nicht auch Heroin nicht doch auch “ein wenig” gesundheitsfördernd sei, wenn man sich nicht grundsätzlich die Frage stellt wie und mit welcher abwegigen Funktion diese geamten Drogen zu sich genommen werden. Der auch hier wieder zitierte Dr. Ameisen liefert in aller Ausführlichkeit seines Textes ein hevorragendes Beispiel dafür wie die Verdrängungsmechanismen, die für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung typisch sind, greifen und durch einen Ersatz beibehalten werden können, ohne dass auch nur im Ansatz der Versuch unternommen wird an der Störung etwas zu verändern.

#21 |
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Medizinphysiker

@27: not in disagreement with you in this case…is the solution!

#20 |
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Dr. Bertram, I agree with you! I would NEVER use or recomment to use (I am not a physician, übrigens…) nicotine or cocaine for ANY purpose. Indeed I do not even want and never wanted to know what is the effect in my or anybody else of cocaine. You are fully right, it would be STUPID to try to use such drugs medically in the presence of other well studied drugs with well known dosage patterns. I was just playing in the sense that fancy articles as the one above can be done for ANY drug.
The same article could have been written as “No heroin at all is also no solution” or “No nicotin at all is also no solution”.
Not being an expert… I have a simple question: the rates of mortality/morbidity etc are based on deaths during withdrawal on overall population. However I have not read which is that percentage for hospitalized patients. Which one is that percentage? perhaps <0.001%?

For me it seems that the withdrawl symptoms and ion unbalance can be easily managed (at least to avoid death)inside of a Hospital. If that is true, then this article is disqualified at all, since one of its arguments is that a 2% of people die during withdrawal (not clear if 2% of the 5% with DT).

#19 |
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Benno Mertens
Benno Mertens

Nichts Neues in dem Artikel, ich schliessem mich Dr. Schätzler (7) an.

#18 |
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Ich habe einen Teil meines PJs in Australien verbracht, wo es im Krankenhaus auch eine eigene “Drug and Alkohol”-Abtl. gab.
Der Einsatz von Clomethiazol wurde dort mit “Deutsche Spinnerei” kommentiert. Die NW-Probleme geben dem aus meiner Sicht auch Recht.

#17 |
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Medizinphysiker

@18
Who of us has the ability to check always the dose rate of this drugs if they are used for “doping” as you teach? In my eyes: to accomplish fitness in this way is “to dance with the devil”.
By the way I prefer to enjoy two glasses of red vine every evening.

#16 |
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Dr. Bertrand: Please free yourself from moral preudices and focus in biochemistry facts. Where is the scientific reason where nicotine, cocaine, caffeine, etc must be BAD for EVERYTHING???? I do not say they “improve the health”, I say that they must improve some particular biochemical processes, in particular those referred to the CNS and attention. Particularly I parody this evident facts, and point out that few benefits cannot be an excuse to shadow the overall uncontestable problems caused by alcohol or cocaine or nicotine. Did you never drink a cup of coffee to be more fit for a long trip or when you where tired? I could copy and paste some hundreds of scientific papers to support what I said, but I find it unnecessary. The point on my comment is precisely that an article on “benefits” of nicotine (as apparently demonstrated for Alzheimer and ulcers based on strict STATISTIC FACTS) and pointing out the only FEW benefits, would be a fancy and misleading article, as the one here. I hope you understand now better what I said before.

#15 |
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Ich führe seit vielen Jahren bei geeigneten Patienten erfolgreich eine “scoregesteuerte ambulante Alkoholentgiftung” mit Carbamazepin, Tiaprid und Doxepin durch, Clonidin setze ich nur in Ausnahmefällen ein.
Benzodiazepine sind im Alkoholentzug nicht nur nicht zugelassen, sondern sogar kontraindiziert wegen ihres eigenen Suchtpotenzials.
Zur Abstinenzerhaltung biete ich seit fast 2 Jahren die Unterstützung mit Baclofen an, übereinstimmend mit den Untersuchungsergebnissen von Prof Jaury, Paris, erreiche ich in der “per Protokoll-Analyse” eine 1-Jahres-Abstinenz von 80%, in der “Intention-to Treat”-Analyse immerhin noch 55% – trotz zieloffener Herangehensweise an die Suchtproblematik ohne Abstinenzvorgabe!

#14 |
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Ich muß Herrn Dr. med. Schätzler (13) im Detail korrigieren. Naltrexon ist nicht zur Alkoholentzugstherapie zugelassen, sondern nur “als Teil einer umfass. Ther. gg. Alkoholabhängigk. zur Redukt. des Rückfallrisikos, als unterstütz. Behandl. in d. Abstinenz u. zur Mind. des Verlangens nach Alkohol” – damit geht es eher in die Konkurrenz zum Acamprosat, das m. E. (aus langjähriger Erfahrung in einer Entwöhnungsklinik) die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllt hat.
Zu Herrn Neuburger (2) wurde eigentlich alles gesagt. Wer gesteht sich seine Probleme mit einem Suchtmittel schon gerne ein…

#13 |
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Medizinphysiker

Mein Gott, was Nr.13 von sich gibt: Kokain, Koffein und Nikotin als gesundheitsfördernd zu bezeichnen und das in Zusammenhang mit einer erhöhten Fahrtüchtigkeit! Ist das wirklich ernst gemeint oder ist es der vollkommen misslungene Versuch Loriotnachfolger zu werden.

#12 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Seit wann werden hier Berichte von Alkoholikern freigegeben? Ich bin entsetzt.

#11 |
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5 In the same way I am surprised by the lack of studies of the healthy effects of nicotine or even smoking. I am sure that they exist -again, Alzeihmer is one of such fancy studies- but as alcohol, it is probabilistically unlikely that smoking (as drinking alcohol) is “healthy”. I truly think that consumption of caffeine or nicotine (or even cocaine) has a benefit on driving since the alert state is increased. One day if I have funds, I will work on it and write a paper on how good are some miligrams of cocaine before driving to reduce mortality in accidents involving a rapid response of the driver. Surely will worth an article as the one above.
6 Of course many readers can be proud to drink or smoke and have a healthy stage or even to live a century. What they do not consider is which healthy stage would they have without drinking/smoking: again, probabilistically surely they would have a healthier/longer life -except psychiatric considerations, where perhaps a moderate consumption is mentally healthier for many-.
7 In brief, the article is curious, shows a bunch of fancy-science papers[not far from sci-fiction] or papers not more rigurous that Jurassic Park script, but fails to conclude that EVEN WITH ALL THE TERRIBLE reported effects on withdrawal, it is -as of today- uncontestable that an alcoholic must be treated (and medically controlled) till absolute suppresion of alcohol.
8 For those that enjoy drinking, and do not create tolerance (difficult but possible) perhaps they are right. At the end the human must have adapted its organism to certain level of ethanol since WE keep drinking since far ages…
PS More or less I come to say what Dr. Schätzler already said… :)

#10 |
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1. What else the family of Amy could say? It is quite unbelievable that the reason of the death has been the alcohol withdrawal. Just read your own statistics… casually in a multidepent drug consumer? But it is indeed a nice excuse for a fancy article.
2. The title is misleading, since it suggests that it is better to be always alcoholic (there is no “maintenance dosage” for alcoholics since they will always come back to the usual highly toxic dosage). A fair title should be “Medical control in alcohol withdrawal is necessary”. Or the like.
3. I do not need fancy studies from fancy universities to know that many abrupt metabolic changes in the body have their negative consequences, that is a basic concept in biochemistry. It is also irrelevant studies that demonstrate neurological damage/changes, even in the brain (I mean, I do not need to know which protein is affected, I know a priori that that will surely happen to X or Y proteins). Where it is most likely to happen a metabolic chaos in witdrawal of a drug that acts on the CNS, and notably in the brain? Science constructed on the basis of rather believable hypotheses is always suspicious, if to arrive to newspapers’ appeal level. Those scientific papers do not demonstrate at all that it is medically recommended to leave an alcoholic forever in that stage, but they purposively suggest that.
4. I participated as principal researcher in an european study on the french paradox (attributted by many to the resveratrol). http://ec.europa.eu/research/research-for-europe/agriculture-paradox_de.html
Point of the study was to provide stable formulations of resveratrol without the toxic effects of alcohol. Even more, I had a granted patent (ES2219166)on resveratrol and analogs -as in many patents, few science is inside-.
However, I still do not see that a balance in between alcohol and resveratrol (or any other polyphenols/components of wine) is medically indicating that wine is healthy. In any case it would be the administration of resveratrol alone (of course, bright minds already published that reveratrol has healthier properties in the presence of alcohol than alone -again a believable hypothesis even perhaps true) the healthy strategy, not together with alcohol (as wine or whatever). Still, the likelihood that resveratrol or other polyphenols are healthy is high (but still far to be strictly demonstrated).

#9 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

nichts Neues! Streit um völligen Entzug oder schlückchenweise ist uralt
Vor Jahrzehnten bereits erklärten sich die AA-Leute in Baden-
Baden für einen kompletten Entzug und gegen das mäßige Grinken als Entziehungsziel.- Sie forderten außerdem lebenslängliche
Alkoholabstinenz da bereits kleinste Mengen Rückfälle unvermneid bar
auslösen.-Neuere Risikoangst vor Entziehung stinkt nach Alkohol-
lobby.Schließlich war bei der Besiedlung Nord- Amerikas durch
Europäer Alkohol “bestes” Vernichtungsmittel der Ureinwohner.-
Der Prestigewert viel Alkohol vertragen zu können ist gottlob
auf Null gesunken.- Auch die Medizin hat ihre Moden und neues Lernen durch Erfahrung für jede nachrückende Generation.-!!!

#8 |
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An Herrn Neuburger: Die Sucht ist das Eine, das Gift das andere. Die Leberzirrhose ist irgendwann da, und das ist dann überhaupt nicht mehr lustig. Ich will nicht den Missionar spielen und ich gönne jedem seinen Lebensstil, aber so viel muss erlaubt sein zu sagen: gesund ist das nicht und einen Zusammenhang mit Christentum sehe ich auch nicht.
Wenn man zum “Runterkommen” Bier braucht, dann ist das übrigens auch ein Kriterium für Sucht. Ich wünsche Ihnen (ausschließlich in Ihrem eigenen Interesse), dass Sie davon los kommen.

#7 |
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Annette  Peter
Annette Peter

Habe Beitrag aus Zeitgründen eher überflogen – falls ich nichts übersehen habe: was fehlt, ist die Kommentierung der Angewohnheit vieler deutscher Kliniken und Krankenhäusern, Alkoholikern “zur Überbrückung” ALKOHOL “therapeutisch” zu geben, eine Unsitte, die einfach nicht todzukriegen ist. ich empfehle hierzu die entsprechende neurolog. Leitlinie bzgl. Alkoholentzugs-behandlung zu lesen, zusammengefasst: durch Alkohol wird nur die chronische Vergiftung des Pat. verstärkt, ansonsten ist nichts, aber auch gar nichts gewonnen.

#6 |
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Kleines Glossar:
Clomethiazol (Distraneurin®, Hersteller: AstraZeneca) in der Selbstmedikation hoch problematisch (Todesfälle); nur stat.!

Clonidin als Genericum; Vorsicht: Blutdrucksenkend.

Tizanidin (Sirdalud®) therapeutisch fragwürdig.

Dexmedetomidin ist ähnlich stark wirksam wie Midazolam (Dormicum) zur Sedierung auf Intensivstation geeignet!?

Bei den Benzodiazepinen ist Oxazepam gegen Lorazepam von Vorteil, weil es die zentralen Suchtrezeptoren besetzt.

Baclofen, ursprünglich ein Mittel gegen Spastik wird von Anwendern positiver als von Prüfärzten gesehen.

Carbamazepin (Tegretal®, Timonil®) ist hepatotoxisch.

Tiaprid (Tiapridex®) ist als Antikonvulsivum (Tourettte-Syndrom) und im Entzug eher stationär einzusetzen.

Acamprosat (Campral®) ist als Anti-Craving-Substanz ambulant zur Dämpfung des Verlangens nach Alkohol üblich.

Naltrexon (Naltrexin®, Adepend®) ist ein zentraler Opiatantagonist; zugelassen zur Alkoholentzugstherapie.

Verwunderlich bleibt, warum der Autor nicht mehr hervorragende Experten in Deutschland befragt hat, wie z. B. den Leiter der Abteilung Suchtmedizin Herr PD Dr. Gerhard Reymann, Rehabilitationszentrum Ruhrgebiet an der LWL Klinik Dortmund, Marsbruchstr. 179, 44287 Dortmund, (0231) 45032777 ?
Denn was ein Dr. H. H. vom ¿Betty Ford Center¿ in Rancho Mirage, L. A., USA oder ein Professor James C. Garbutt von der Universität von North Carolina sagen, bzw. Forscher der Taipei Medical University in Taiwan herausgefunden haben, wo der Alkoholabbau bei Asiaten völlig anders als bei Europäern abläuft, ist für DocCheck Leser nicht wirklich interessant.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Weitere medizinische Berufe

Lässt sich die Kommentier-Funktion nicht auf registrierte Personen beschränken, die ja in irgendeiner Weise ein fachliches Interesse am Zugang zu doccheck nachweisen müssen?

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Hallo Herr Neuburger,
da kneife ich doch grinsend ein Auge zu ;-)
Klasse Alibi haben Sie sich da geschaffen, eine schöne Toleranz, daß das große Zittern und Flattern nicht anfängt.
Jedem das “Seine”. Und die Freunde in der Kneipe beeindrucken Sie auch…..
Nichts für ungut, doch sollten Sie sich Distrameurin in die Hosentasche stecken.

#3 |
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Ein Glas Rotwein mit dem Benefit des Resveratrols und der Entspannung vom Alltagsstress kann M.E. nicht schädlicch sein.

#2 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

netter Beitrag.
Allerdings wo waren hier die wirklich neuen Aspekte welche man in diesem Forum erwartet?

#1 |
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