Insulinresistenz: Feinstaubbelastung erhöht Risiko

15. Mai 2013
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Wissenschaftler kommen in einer Studie zu folgendem Ergebnis: Eine erhöhte Feinstaubbelastung im Kindesalter steigert das Risiko, an einer Insulinresistenz, einer Vorstufe von Diabetes mellitus, zu erkranken.

Schadstoffe in der Luft werden mit der Entstehung chronischer Erkrankungen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in Verbindung gebracht. Für Diabetes allerdings liegen hierzu bislang keine gesicherten Daten vor. Das Ziel der Studie von Elisabeth Thiering und Dr. Joachim Heinrich, vom Institut für Epidemiologie I am Helmholtz Zentrum München, war, mögliche Assoziationen von Luftverschmutzung und einer Resistenz gegenüber Insulin bei Kindern zu identifizieren.

Mehr Feinstaub bedeutet höhere Insulinresistenz

Dazu werteten die Wissenschaftler Daten und Blutproben von 397 10-jährigen Kindern innerhalb einer prospektiven Kohortenstudie in Deutschland aus. Für die Erhebung der Feinstaubbelastung wurden Analysen der Verkehrsemissionen und der Bevölkerungsdichte in Wohnortnähe herangezogen. Zudem wurden die Modelle für die Einbeziehung weitere Daten angepasst, darunter sozioökonomischer Status der Familie, Exposition gegenüber Passiv-Rauchen sowie Geburtsgewicht, Entwicklungsstatus und BMI (Body-Mass-Index) der Kinder. Die Untersuchungen ergaben, dass eine höhere Insulinresistenz bei jenen Kindern vorlag, die vermehrt Feinstäuben ausgesetzt waren. Pro 10,6 µg/m³ zusätzlichem Luftgehalt an Stickstoffdioxid (NO2) stieg die Häufigkeit der Insulinresistenz um 17 Prozent. Für Feinstaubin der Luft (bis zu einem Durchmesser von 10 µm) kam es zu einem Anstieg der Insulinresistenz um 19 Prozent pro 6 µg/m³. Auch die Entfernung der Wohnung zu einer stark befahrenen Straße spielte eine Rolle: in ihrer Nähe stieg die Insulinresistenz um 7 Prozent pro 500 Meter.

„Die Toxizität von Luftschadstoffen ist unterschiedlich, allerdings sind sie alle potentielle Oxidantien. Das heißt, sie können direkt Lipide oder Proteine oxidieren oder auch indirekt oxidierende Signalwege in den Zellen aktivieren“, erklärt Thiering, Erstautorin der Studie. „Dieser oxidative Stress durch Feinstäube kann eine Erklärung für die Entwicklung einer Insulinresistenz sein. Zudem haben frühere Studien gezeigt, dass eine Vermehrung von kleinsten Luftpartikeln sowie NO2 zu einer Erhöhung entzündlicher Biomarker führen, was ebenfalls ein möglicher Trigger für eine Insulinresistenz sein kann.“

Beziehung von Feinstaubbelastung zu Insulinresistenz

Die Studie beschreibt die Beziehung einer langfristigen Feinstaubbelastung zu dem Vorliegen einer Insulinresistenz bei Kindern. „Wir konnten beobachten, dass eine erhöhte Luftverschmutzung mit einem erhöhten Risiko für die Insulinresistenz einhergeht und diese Beobachtung ist unabhängig von Begleitfaktoren wie sozioökonomischem Status, Passiv-Rauchen oder dem BMI.“

Die Nachbeobachtung der Kohorten erfolgt über insgesamt 15 Jahre. Aktuell untersuchen die Wissenschaftler, inwiefern sich ihre Beobachtung bei den älteren Kindern, während und nach der Pubertät, wiederspiegeln und ob beispielsweise ein Wohnortwechsel, aus dem sich eine Änderung der Feinstaubbelastung ergibt, Aufschluss bietet über die Bedeutung der frühkindlichen bzw. späteren Exposition. „Wir können momentan die klinische Relevanz des erhöhten Risikos für die Insulinresistenz durch Feinstaubbelastung nicht abschätzen. Die Resultate unterstützen aber die These, dass die Entwicklung eines Diabetes im Erwachsenenalter mit Umweltfaktoren früherer Lebensabschnitte zusammenhängt“, resümiert Heinrich, Letztautor der Studie.

Originalpublikation:

Long-term exposure to traffic-related air pollution and insulin resistance in children. Results from the GINIplus and LISAplus birth cohorts.
Thiering, E. et al., Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-013-2925-x, 2013

28 Wertungen (4.21 ø)

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2 Kommentare:

Ärztin

Die Stichprobe ist zu klein, die Variablen zu groß. Es liegen keine kontrollierten reproduzierbaren Studienbedingungen vor. Diese Studie ist nicht geeignet aussagefähige Daten zu produzieren.
Sollte tatsächlich eine Tendenz zu einer höheren Insulinresistenz bei Bewohnern in der Nähe viel befahrener Straßen bestehen, so ist das eher ein soziales Phänomen (niedriger sozialer Status an unattraktiven Wohnorten) mit all seinen Folgen als ein direkter Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Insulinresistenz.
Niedriger sozialer Status und niedriges Einkommensniveau sind erwiesen mit schlechterem Gesundheitsstatus korreliert. Eine unattraktive Wohnlage ist bei niedrigem Einkommensniveau üblich.
Die Studie ist nicht gut geplant, mangelhaft durchgeführt und kommt zudem zu einer falschen Schlussfolgrung. Dass so eine Studie Eingang in eine Fachzeitschrift findet ist skandalös

#2 |
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397 Kinder – spricht man hier ernsthaft von einer seriösen “Studie”. Wieviele Kinder hatten denn nun in absoluten Zahlen tatsächlich eine Insulinresistenz? Ich finde diese Zahlen nicht in der Arbeit, lediglich Angaben über einen prozentualen Anstieg von X %. Anstieg wovon? Bei dieser kleinen Gruppe kann es keine ordentliche Statistik geben, vor allem, wenn diese kleine Anzahl dann noch in zahlreiche Untergruppen unterteilt wird. Der Artikel ist “für die Tonne”.

#1 |
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