Infektionen: OP-Smalltalk als wunder Punkt

14. Oktober 2015
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Wirken sich Gesprächsthemen auf die Arbeitsqualität des OP-Teams aus? Offensichtlich schon. Während fachspezifische Gespräche bei einer Wundverschließung das Infektionsrisiko für den Patienten senken, kann Smalltalk zu einer höheren Infektionsrate führen.

Mehr sachbezogene Kommunikation im Operations-Team senkt das Wundinfektionsrisiko für den Patienten. So lautet das Ergebnis einer Studie des Inselspitals Bern und der Universität Neuenburg. Die Forscher haben von 2010 bis 2013 während 167 Operationen am offenen Bauch die Gespräche im Berner OP-Team beobachtet und analysiert. Die Analysedaten aus den Eingriffen, die im Durchschnitt 4,6 Stunden dauerten, wurden danach mit den dokumentierten Wundinfektionen gemäß Standards der Fachorganisation Swiss NOSO verglichen.

Das Ergebnis: Mehr fallrelevante Kommunikation während der gesamten Operation hatte weniger Wundinfektionen zur Folge. Zu viel Smalltalk während des Verschließens der Operationswunde bedeutete dagegen eine höhere Infektionsrate.

Qualitative Risikofaktoren lassen sich steuern

Wundinfektionen nach operativen Eingriffen treten vor allem im Bauchbereich relativ häufig auf (Schweizer Durchschnitt: 13,8 %) und haben längere Krankenhausaufenthalte und damit auch höhere Kosten zur Folge. Hauptrisikofaktoren sind der Zustand des Patienten und die Art und Dauer der Operation. Beides lässt sich vom OP-Team nicht oder nur bedingt beeinflussen. Es gibt aber qualitative Elemente wie Ablenkung und Lärm während der OP, die sich steuern lassen.

Originalpublikation:

Impact of case‐relevant and case‐irrelevant communication within the surgical team on surgical‐site infection
Franziska Tschan et al.; British Journal of Surgery, doi: 10.1002/bjs.9927; 2015

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11 Kommentare:

Gast
Gast

Assisteten mit Vollbart bekamen bei mir Op-Verbot

#11 |
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Chirurg
Chirurg

@Alexander Schütz, natürlich wissen Sie nicht, deshalb vermuten Sie auch das schlimmste.
Wenn ich einen “Hygieniker” frage, welches die Friedrich’schen Regeln der primären Wundversorgung sind, wird der in der Regel passen, Sie sicher auch als Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent.
Wer mal seine Naqse in ein (gutes) Op gesteckt hat, kennt den Spruch,
“Haken und Maul halten”. Und der Spruch stammt dummerweise vom bösen Chef, den Sie hier alle sichtlich nicht leiden können. Und die “fachspezifische Gespräche” sind schlicht Anweisungen zum korrekten Operieren, die um so weniger notwendig sind, je besser das team eingespielt ist.
Medizin ist IMMER eine team-Leistung.
p.s.
Der Chirurg Dr. Paul Leopold Friedrich, * 1864 † 1916, hat zeitweise bei Robert Koch gearbeitet und bakteriologische Untersuchungen zur Wundheilung gemacht,
die heute noch gültig sind. Erstaunlich, wie wenig das bei Nicht-Chirurgen bekannt ist.

#10 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Ich weiß nicht wie weit die Mikrobiologie in die Ausbildung eines Chirurgen reicht, aber selbst bei Anfertigen oder Beimpfen von Platten in der MiBi ist Sprechen ein absolutes Tabu, genau wie alle anderen unnötigen Bewegungen und dass Mundschutz keinen Vollständigen Schutz bieten kann muss ebenso klar sein. Wer bei sterilen Arbeiten sich nicht zu benehmen weiß der hat auch null Ahnung von MiBi oder handelt schlicht und einfach grob fahrlässig ! Für jemanden mit einer hohen Position der das in Kauf nimmt ist es regelrecht ein Armutszeugnis und muss disziplinarische Konsequenzen haben !

#9 |
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Arzt
Arzt

@Günther Hellendahl, Krankenpfleger, Sie Petzer, Anästhesisten sind viel schlimmer.

#8 |
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Günther Hellendahl, Krankenpfleger
Günther Hellendahl, Krankenpfleger

Habe fast 10 Jahre auf Seiten der Anästhesie im OP verbracht, es ist doch klar dass je mehr geredet wird, mehr Microtröpfchen im OP-Feld rumfliegen, das fachbezogene Gespräch ist meistenteils kürzer, deshalb weniger Tröpfchen…! Ansonsten besteht wohl kein Unterschied- es sei denn es wird gelacht oder gehustet, dann hat man eine massive Kontamination. Im übrigen sollten manche Chirurgen auch Ihre Nase unter den Mundschutz stecken, leider immer wieder gesehen, und keiner traut sich was zu sagen…!

#7 |
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Gast
Gast

Wer hat beim Quasseln nicht schon mal die Ausfahrt verpasst…..

#6 |
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Dr. Joachim Bedynek
Dr. Joachim Bedynek

1965 wurde bei mir eine Septum-OP ambulant in Loclalanästhesie durchgeführt.
Der permanente Smal-Talk des OP-Teams hat mich so aufgeregt, dass ich ohnmächtig wurde und vom Stuhl rutschte. Noch heute habe ich das Gefühl, dass das OP-Ergebnis nicht gut wurde.
2013 erhielt ich eine Wurzelbehandlung. Auch hier konnte ich mich gegen das ständige Geplapper nicht wehren und wurde ganz kribbelig.

#5 |
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Eigentlich sollten solche “Weisheiten” im obigen Artikel zur basalen Grundkenntnis eines jeden chirurgisch tätigen Kollegen gehören, damit er sie auch an die nachwachsende Chirurgengeneration weitergeben kann und natürlich auch insbesondere vorlebt!
Während meiner chirurgischen Ausbildung in den 60-er + 70- Jahren (2 x Facharzt) war dies eine strikt zu befolgende Regel. Drastisch hieß es damals:” Der Assistent hält die Stellung, die Haken und seine Klappe”. Wenn allerdings leitende Operateure selbst eklatant gegen die”Redebeschränkung” verstoßen, was soll man dann vom Nachwuchs erwarten.
Noch schlimmer hat sich die Unsitte von vollbärtigen Operateuren “eingebürgert”, obwohl allseits die Keimbehaftung von Haaren bekannt und nachgewiesen ist. Da schützt auch kein herkömmliches Mundtuch.

MfG dokuet

#4 |
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Gast
Gast

An Herr Schäfer:
Den Keimen ist das ja recht egal über was gesprochen wird, dem Operateur hingegen wohl eher nicht, weswegen es durch Smalltalk wohl eher zu kleinen Flüchtigkeitsfehlern bei dem Wundverschluss kommen kann.

#3 |
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Gast
Gast

Hmmmmm, Placeboeffekt bei der Bewertung?

#2 |
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Grosse Güte!
Ich dachte immer: “Klappe zu!” Je weniger gesprochen wird, desto weniger Tröpfchen verlassen den Mund des Sprechers – und da könnte ich mir einen Zusammenhang erklären. Aber das Thema der Unterhaltung? Woher wissen die Keime, was wir sprechen???

#1 |
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