Alzheimer: Wirkstoff bremst Tau-Aggregation

22. Oktober 2015
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Ein Wirkstoff schickt sich an, als Prototyp für die Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten zu dienen. „anle138b“ linderte im Laborversuch die Krankheitsbeschwerden der Mausmodelle und verbesserte deren kognitive Leistung. Der Wirkstoff kann zudem oral verabreicht werden.

„Wir haben festgestellt, dass dieser Wirkstoff das Verklumpen der Tau-Proteine verhindert […]“, erläutert DZNE-Forscher Dr. Martin Fuhrmann, der für die aktuelle Studie unter anderem mit Fachkollegen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen kooperierte. „Die Behandlung mit anle138b bietet eine Möglichkeit, um in das Krankheitsgeschehen einzugreifen.“

„Anlass für die Untersuchungen waren unsere vorausgehenden Studien, in denen wir eine hohe Wirksamkeit auf die Bildung krankhafter Eiweißablagerungen zeigen konnten“, so Prof. Armin Giese vom Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der LMU. „Diese haben uns vermuten lassen, anle138b könnte die Aggregation von Tau-Proteinen unterbinden.“

Blick ins Gehirn einer Maus: In den magenta leuchtenden Bereichen haben sich Tau-Proteine angesammelt. In einigen Nervenzellen (helle Flecken) ist die Konzentration besonders hoch. Zum Teil sind die Fortsätze (Dendriten) der Nervenzellen zu erkennen. © DZNE/Jens Wagner

Blick ins Gehirn einer Maus: In den magenta leuchtenden Bereichen haben sich Tau-Proteine angesammelt. In einigen Nervenzellen (helle Flecken) ist die Konzentration besonders hoch. Zum Teil sind die Dendriten der Nervenzellen zu erkennen. © DZNE/Jens Wagner

Die von den Wissenschaftlern behandelten Mäuse zeigten aufgrund eines Gendefektes diverse Merkmale einer Tauopathie, wie sie auch bei Menschen auftreten. Dazu gehörten neben verklumpenden Tau-Proteinen kognitive Störungen und eine verkürzte Lebensdauer. Wie sich nun zeigte, wirkt die über die Nahrung verabreichte Substanz nicht nur auf molekularer Ebene. Sie beeinflusst auch Krankheitssymptome. „Das Gedächtnis- und Orientierungsvermögen der Mäuse verbessert sich. Außerdem verlängert sich die Lebenszeit“, sagt Fuhrmann. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass die therapierten Mäuse im Vergleich zu unbehandelten Tieren weniger Nervenzellschäden aufwiesen.

Krankheitsentwicklung offenbar verlangsamt

„Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen ist Anle138b aufgrund seiner chemischen und metabolischen Eigenschaften oral verfügbar, verbleibt über Stunden im Körper und wirkt gezielt auf das Verklumpen der Proteine“, so Prof. Christian Griesinger vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, in dessen Team der Wirkstoff synthetisiert wurde.

„Anle138b kann die Erkrankung im untersuchten Tiermodell zwar nicht aufhalten. Aber er scheint den Krankheitsverlauf zu verlangsamen“, meint DZNE-Wissenschaftler Fuhrmann. „Insofern ist anle138b ein möglicher Ausgangspunkt für die Entwicklung von Medikamenten, die die Aggregation von Tau-Proteinen verhindern.“ Ob daraus ein für den Menschen wirksames Medikament wird, bleibt abzuwarten und wird sicherlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Originalpublikation:

Reducing tau aggregates with anle138b delays disease progression in a mouse model of tauopathies
Jens Wagner et al.; Acta Neuropathologica, doi: 10.1007/s00401-015-1483-3; 2015

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Medizin, Neurologie

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