Chronische Schmerzen: Die Angst im Nacken

12. Oktober 2015
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Jeder vierte Jugendliche hat chronische Schmerzen und eine psychische Störung hinter sich. Psychische Störungen gehen dabei den Schmerzen häufig voraus: Depressionen, Angst- und Verhaltensstörungen treten sehr oft vor Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen auf.

Psychische Störungen und chronische Schmerzen beeinträchtigen Lebensqualität und Wohlbefinden der Betroffenen und stellen eine grosse Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Dass psychische Störungen und chronischer Schmerz häufig gemeinsam auftreten, haben Studien an Erwachsenen bereits gezeigt. Wie häufig und in welchen Mustern solche Zusammenhänge bereits bei Kindern und Jugendlichen vorkommen – und vor allem in welcher zeitlichen Abfolge – hat nun eine Forschergruppe um PD Dr. Marion Tegethoff von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel untersucht. Dafür wurden die Daten einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe aus den USA, bestehend aus 6483 Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, ausgewertet.

Die Forschenden stellten fest, dass über ein Viertel (25,9%) der Jugendlichen im Laufe ihres Lebens unter chronischen Schmerzen und mindestens einer psychischen Störung gelitten hat. Dabei fanden sie Zusammenhänge zwischen allen untersuchten Arten von psychischen Störungen (wie affektive Störungen, Angststörungen, Verhaltensstörungen, substanzinduzierte Störungen und Essstörungen) und chronischen Schmerzerkrankungen (wie Rücken-/Nackenschmerzen und Kopfschmerzen). Psychische Störungen gingen den chronischen Schmerzen häufig voraus. So traten vor allem affektive Störungen wie Depressionen zeitlich vor Kopfschmerzen auf. Weiter gingen Angststörungen oft Nacken- und Rückenschmerzen sowie Kopfschmerzen voran. Schliesslich sagten auch Verhaltensstörungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen das Risiko für Kopfschmerzen vorher.

Psychische Störungen als kausale Risikofaktoren für chronische Schmerzen

Da die analysierten Daten aus einer Querschnittstudie stammen, konnte nicht untersucht werden, ob und wie psychische Störungen und chronische Schmerzen ursächlich miteinander zusammenhängen. „Die gefundenen zeitlichen Zusammenhänge können nur erste Hinweise darauf geben, dass psychische Störungen kausale Risikofaktoren für chronische Schmerzen sein könnten. Zukünftige Studien sollten vor allem die zugrundeliegenden biologischen und psychologischen Mechanismen identifizieren, um interdisziplinäre Präventions- und Behandlungsansätze zu entwickeln“, erläutert Marion Tegethoff, Erstautorin der Studie. Damit könnte man bereits zu einem frühen Zeitpunkt ungünstige Langzeitfolgen von psychischen Störungen vermeiden und chronischen Schmerzen vorbeugen.

Originalpublikation:

Comorbidity of Mental Disorders and Chronic Pain: Chronology of Onset in Adolescents of a National Representative Cohort
Marion Tegethoff et al.; Journal of Pain, doi: 10.1016/j.jpain.2015.06.009; 2015

23 Wertungen (4.39 ø)

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5 Kommentare:

Chirurg
Chirurg

@Dr. Hamidi anatomisch gibt es wegen der hohen Beweglichkeit nur an der HWS die “Uncovertebral-Gelenke”
http://ueu.co/wp-content/uploads/2014/09/C4-FF29.png
eine Entwicklung, die schon mit 12 bis 14 Jahren beginnt, der Kopf ist ja nicht besonders leicht.
Die “Haltung” allerdings zweifellos sehr stark psychisch beeinflusst.
Das endet immer in der Uncovertebralarthrose mit mehr oder weniger eingeschränkter Beweglichkeit.
Im Alter kommt ja bei Reklination dadurch noch die Kompression der Art. verteralis mit neurol. Symptomatik hinzu,
worauf unser block-Neurologin ja schon hingewiesen hat.

#5 |
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Gast
Gast

USA ist ohne psychische Störungen gar nicht denkbar.
Das ist dort ganz normal.

#4 |
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Wolfgang Riedlinger
Wolfgang Riedlinger

Sind Ergebnisse, die bei Probanten in den USA erhoben wurden, fraglos auf Europäer bzw den Rest der Welt übertragbar? :-)

#3 |
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Dr. Hamidi
Dr. Hamidi

Die obigen Aussagen kann ich aus langjähriger Erfahrung bestätigen. Bei den Jugendlichen ist es sehr interessant, dass erhebliche Schmerzen, vor allem in Nacken-Schultergürtel,zu der Zeit angegeben wird, in der noch keine oder nur geringelokale Symptome, wie Verspannung, und Druckdolenz feststellbar sind. Diese ändert sich allerdings etwa ab 25. L.J.

#2 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Es handelt sich offensichtlich um die grassierende Monitor- und Handykrankheit, die da beschrieben ist.

#1 |
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