Nierenleiden: Neues Metaboliten-Frühwarnsystem

12. Oktober 2015
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Bislang wurden chronische Nierenerkankungen vor allem anhand des Kreatininwerts im Blut ermittelt. Ein Indikator, der erst bei stark beeinträchtigter Nierenfunktion eindeutig ist. Andere Metabolite könnten nun einen vielversprechenden neuen Marker darstellen.

Rund ein Zehntel der erwachsenen Bevölkerung ist von chronischen Nierenerkrankungen betroffen. Zur Vermeidung von Komplikationen ist eine Früherkennung der chronischen Nierenerkrankung von wesentlicher Bedeutung. Die Nierenfunktion wird dabei meist anhand der Kreatininwerte im Blut bestimmt, wobei die Konzentration dieses Stoffwechselprodukts (Metabolit) im Blut allerdings erst dann erhöht ist, wenn die Nierenfunktion bereits um die Hälfte verringert ist. Hinzu kommt, dass der Kreatininspiegel auch von anderen Faktoren wie etwa der Muskelmasse abhängt.

Starke Korrelation von anderen Metaboliten mit Nierenfunktion

Auf der Suche nach einem besseren Marker der Nierenfunktion untersuchten Dr. Anna Köttgen, Ärztin am Universitätsklinikum Freiburg, Dr. Peggy Sekula, Statistikerin am Universitätsklinikum Freiburg, Dr. Gabi Kastenmüller vom Helmholtz-Zentrum München und ihre Kollegen die Konzentration von fast 500 Metaboliten im Blut mehrerer tausend Studienteilnehmer aus der allgemeinen Bevölkerung.

Sechs Metabolite wiesen eine besonders starke Korrelation mit der Nierenfunktion auf. Zwei von ihnen – Pseudouridin und C-Mannosyl-Tryptophan – erwiesen sich im Vergleich mit Kreatinin als mindestens ebenso gute Indikatoren für die Nierenfunktion, aber ohne einige der Nachteile von Kreatinin. Sie wiesen darüberhinaus eine starken Zusammenhang mit der Krankheitsprogression bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung auf. „Die Kombination mit Daten zum Kreatininspiegel machen diese Marker zu vielversprechenden Kandidaten für die Weiterentwicklung der Nierenfunktionsbestimmung. Die Diagnose der chronischen Nierenerkrankung wird verbessert, sodass Therapien optimiert und Komplikationen besser vorgebeugt werden können“, erläutert Köttgen.

Originalpublikation:

A Metabolome-wide Association Study of Kidney Function and Disease in the General Population.
Peggy Sekula et al.; Journal of the American Society of Nephrology, doi: 10.1681/ASN.2014111099; 2015

25 Wertungen (4.72 ø)

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9 Kommentare:

Arzt
Arzt

zu #8 die wichtigste organspezifische Prophylaxe ist die Behandlung des nach wie vor unterschätzten Harnwegsinfektes.
Sonst haben Sie recht, auch die stereotypische Empfehlung, viel zu trinken, ist gar nicht so unproblematisch wie es klingt, insbesondere ist hier das Risiko eines Na-Mangels zu beachten, noch gefördert durch Diuretika.

#9 |
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Elvira Braukmann
Elvira Braukmann

Liebe Frau @Anke Niggenaber, an welche Therapie, außer der Dialyse hatten Sie denn bei einer Niereninsuffizienz gedacht?
Ich meine jetzt nicht den Diabetes oder die Hypertoie, die ja unabhängig davon behandelt werden müssen.
@Dr. Marc Heydenreich, der Hinweis zur echten Clearence, also Sammelurin ist ganz ausgezeichnet. Zur Not genügen hierzu auch 6 Stunden, wenn das ganz exakt erfolgt.

#8 |
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Man muss immer streng zwischen Nierenkrankheit und Niereninsuffizienz unterscheiden. Die Niereninsuffizienz bei Nierengesunden bezeichne ich als Extrarenalsyndrom mit den Unterformen Kardiorenalsyndrom, Pulmorenalsyndrom, Hepatorenalsyndrom und Zerebrorenalsyndrom. Der Mechanismus ist bei allen Extrarenalsyndromen derselbe. Jede Verringerung des Herzzeitvolumens verringert die renale Perfusion und damit die glomeruläre Filtration. Auch bei Nierengesunden kommt es zwangsläufig zur Niereninsuffizienz. Nur doppelseitig Nierenkranke können dagegen ein Renorenalsyndrom entwickeln. Gewiss gibt es bessere Metaboliten zur Bestimmung der GFR als Kreatinin oder Cystatin C. Man darf aber nicht vergessen, dass es schon heute mehr als 100 Schätzformeln für die GFR gibt. Außerdem ist für alle Vergleichszwecke immer die von mir entwickelte Normierungsformel GFR(1,73 m²/KOF) anzuwenden. Ohne diese Formel ist weder die Klassifizierung nach ICD-10 noch die Stadieneinteilung der Niereninsuffizienz möglich. Begründung: Ohne Kenntnis von Größe und Gewicht kann kein Labor zwischen kleinen Gesunden und großen Kranken unterscheiden.

#7 |
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Weitere medizinische Berufe

Frau Braukmann, wieso gehen Sie davon aus, dass keine Therapie erfolgt? Die ist doch wohl die Sache des behandelnden Arztes. Und, Herr Dr. Heydenreich, wer außer Nephrologen, lässt denn 24 h Urin sammeln?

#6 |
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Dr Thomas Wolf
Dr Thomas Wolf

Herr Dr. Heydenreich, der Begriff Kreatininclearance taucht in diesem Artikel ebensowenig auf wie in Arztpraxen zur Früherkennung. In dem Artikel ist nur vom Serumkreatinin die Rede, was ja (leider) auch Standardpraxis zur Früherkennung ist.

#5 |
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Dr. Marc Heydenreich
Dr. Marc Heydenreich

Da bei Nierenerkrankungen die Proteinurie mittels 24 h Urin quantifiziert werden muß, ist die dabei mitgemessene Kreatininclearance immer noch ein verläßlicher Wert.

#4 |
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Elvira Braukmann
Elvira Braukmann

Was hilft schon eine Diagnose wenn keine Therapie erfolgt, Herr Wolf?
Viel trinken hilft da auch wenig.

#3 |
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Heilpraktiker

Fünf Sternchen für Herrn Dr. Wolf!
Danke

#2 |
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Dr Thomas Wolf
Dr Thomas Wolf

Ich kommentiere ja selten, aber diesen Oberschwachsinn, den die Mediziner da treiben, muss ich einfach kommentieren. Was soll das denn ? Da werden Steuergelder verschleudert, um einen besseren Nierenmarker als Kreatinin zu finden. Unfassaber !!!!! Den gibt es doch schon seit mindestens 15 !!!!! Jahren. Und er heisst Cystatin-C. Ist allerdings mit 10 – 20 Euro zu teuer, und deshalb machen ihn Kassenärzte zur Vorsorge nicht. Ein weiterhin für normaldenkende Menschen nicht nachvollziehbare Logik ist, dass Cystatin-C sogar Kassenleistung ist, sobald die GFR unter 60 % sinkt. Also wenn der unempfindlichere Parameter Kreatitinin auch so langsam greift, dann zahlt man den empfindlicheren. Naja, Dialysegerätehersteller müssen ja auch leben.

#1 |
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