THC-Nachweis: Haarscharf daneben

9. Oktober 2015
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Bislang galt die Haaranalyse als eindeutiger Nachweis für den Konsum von Cannabis. Eine Untersuchung ergab jetzt, dass Abbauprodukte von THC auch schon durch engen Körperkontakt mit einer anderen Person übertragen und Haare von außen kontaminiert werden können.

Bisher galt es als gesichert, dass der Nachweis spezifischer Abbauprodukte des Cannabis-Hauptwirkstoffs THC im Haar einen Konsum zweifelsfrei beweise. Unter der Leitung des Toxikologen Prof. Dr. Volker Auwärter, kamen Forscher des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikums Freiburg nun zu dem Ergebnis, dass dieser Schluss so nicht zulässig sei.

THC über Schweiß und Talg übertragbar

In der Studie wurde gezeigt, dass eine Einlagerung von THC – das unter anderem für Abstinenzkontrollen im Rahmen von Fahreignungsüberprüfungen im Haar gemessen wird – nicht über den Blutkreislauf stattfindet. Eines der Abbauprodukte von THC, das in unklaren Fällen bisher zum eindeutigen Nachweis eines Konsums herangezogen wurde, kann über Schweiß und Sebum eines Konsumenten auf andere Personen übertragen werden. Um den experimentellen Beweis hierfür zu erbringen, führten zwei der Autoren einen einmonatigen Selbstversuch mit regelmäßiger Einnahme von Dronabinol (halbsynthetisch hergestelltem THC) und umfangreiche Messungen durch.

„Die neuen Erkenntnisse sind insbesondere bei Analysen von Kinderhaarproben im Rahmen von Sorgerechtsfragen von Bedeutung, da eine Cannabinoid-Übertragung bei engem Körperkontakt besonders wahrscheinlich ist und zu völlig falschen Rückschlüssen führen kann“, so Auwärter. In Ländern, in denen bei Arbeitnehmern oder Bewerbern Drogenkontrollen durchgeführt werden, könne die Folge einer Fehlinterpretation der Haaranalyse außerdem zum Verlust des Arbeitsplatzes oder zum Ausschluss vom Bewerbungsverfahren führen.

Bereits in früheren Studien konnten die Forscher nachweisen, dass es zu einer von außen herbeigeführten THC-Kontamination der Haare, die auch nach zahlreichen Haarwäschen erhalten bleibt, durch Cannabisrauch von anderen Personen kommen kann. Außerdem werden bereits durch das bloße Hantieren mit Cannabis relevante Mengen Cannabinoide auf das Haar übertragen.

Originalpublikation:

Finding cannabinoids in hair does not prove cannabis consumption
Bjoern Moosmann et al.; Scientific Reports, doi:10.1038/srep14906; 2015

17 Wertungen (5 ø)
Forschung, Medizin

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15 Kommentare:

Arzt
Arzt

#14, na bitte, fällt also das Argument Zigaretten rauchen weg.
Studien gibt es auch für die Schädlichkeit von CO2,
die sind nur leider gelogen, weil man damit an unser Geld will.
Und bei Drogenreklame ist das ja schon direkt peinlich.

#15 |
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Gast
Gast

@#13 Gibt aber auch Studien, die darauf hindeuten, dass Cannabis Tumore/Krebs bekämpft, entzündungshemmend ist etc.
Können sie sich als Arzt mal die “Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin” angucken. Ich habe darüberhinaus auch garnicht behauptet, dass Cannabis geraucht für die Lunge weniger gefährlich ist als Zigaretten. Mittlerweile sind Verdampfer (Vaporisierer) recht beliebt. Diese erhitzen das Cannabis nur und verbrennen es nicht.

#14 |
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Arzt
Arzt

zu #9 dass Cannabis geraucht für die Lunge weniger gefährlich ist als Zigaretten, ist nun wirklich ein frommes Märchen, das Gegenteil ist der Fall. Schlimm dass das hier auf einem angebliche Ärzteportal noch gesagt werden muss.
Kann man auch in einer normalen Tageszeitung lesen.
http://www.welt.de/wissenschaft/article1355062/Kiffen-fuehrt-zu-schweren-Lungenschaeden.html
Das Gehirn kommt natürlich dazu.
Schon deshalb gehört das verboten.

#13 |
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Gast
Gast

#10…vor der teilweisen Legalisierung in den USA gab es schon mehrere europäische Ländern, wo der Umgang mit Cannabis weniger bestraft wurde bzw. teils toleriert/erlaubt war. Beispiele: Schweiz (enige Kantone erlauben Eigenanbau), Tschechien, Portugal, Spanien/Belgien (Cannabis Social Clubs) und schon seit mehreren Jahrzehnten die Niederlande mit ihrem Coffeeshopmodell (zwar keine Legalisierung aber tolerierter Verkauf an Erwachsene). Das Verbot von Cannabis kommt aus den USA! Also müsste das Verbot von Cannabis an sich doch eher schlecht sein nach Ihrer Logik?!

#12 |
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Gast
Gast

Jeder weis, dass der amerikanische Staat selbst bis über beide Ohren tief im illegalen Drogenhandel steckt, Afganistan (90% der Weltopiumproduktion) lässt grüßen, hier darf man sogar ein Krankenhaus gezielt kaputtbombardieren.

#11 |
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Gast
Gast

Alles schlechte in dieser neuen “Kommerz-Medien-Bomben-Welt” kommt aus USA,
also ein sehr vernünftiger Grund, zu Cannabis ein ganz entschiedenes NEIN zu sagen.
Das Argument, es gäbe schlimmeres, ist ja nun wirklich beschämend!

#10 |
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Gast
Gast

#7 Auf ihre Anspielung mit den Mördern…den Vergleich finde ich schlecht. Um darauf einzugehen: Alkohol und Tabak sind bereits legal und töten Menschen. Es ist in unserer heutigen Drogenpolitik so als würde man Mord mit Hammern und Schraubenziehern erlauben, aber mit Baseballschlägern und anderen Gegenständen verbieten.

#9 |
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Gast
Gast

Die kontrollierte Freigabe von Cannabis ist ein Veruch wert. Wie z.B. in den USA.
Alkohol ist schädicher und Tabak sowieso.

#8 |
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Arzt
Arzt

#5 das ist völlig richtig, gilt ja auch für Mörder, die machen das trotz Verbot.
deshalb kann man ja nicht Mord straffrei machen.
zu#6 so einfach ist das leider nicht.
Bei Alkohol ist bes ja bekannlich in der korrupten USA schon schief gegangen.
Zudem ist gesellschaftlich das Trinken über den Durst eigentlichn verpönt.
Ein bischen zu gesellschaftlichen Anlässen schadet sicher nicht,
imm Gegensatz zum rauchen, bei dem es ja auch das Passiv-Rauche gibt.
Hier schockiert mich bes. die unmündige Jugend.

#7 |
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Krankenpfleger Psychiatrie

Alkohol und Tabak sollten genau wie Cannabis verboten werden…

#6 |
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Gast
Gast

Ob es legal ist oder nicht. Menschen konsumieren es. Daran können die Substanzenfaschisten nichts ändern mit ihren Repressionen.

#5 |
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Gast
Gast

lieber @MIKAEL du verwechselst Rückschritt mit Fortschritt.

#4 |
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MIKAEL
MIKAEL

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Cannabis straffrei konsumiert werden kann.
Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Verbietet lieber Tabak und Alkohol, die bekanntermaßen tatsächlich zu großen Schäden bei Menschen führen.
Ich erinnere mich an einen guten Arzt, der seinen Patienten stets Vorrang, selbst gegen Belange seiner Familie, gab und sich zu seiner Entspannung abends gerne mal Hochprozentiges mit Zigaretten genehmigte. Er verstarb leider schon mit 61. Ich glaube, er hätte länger durchgehalten, wenn er statt dessen den Hanf verantwortungsvoll genutzt hätte. Leider hatte er diesbezüglich große Vorbehalte. Aber es bleibt dabei: Probieren geht über Studieren.

#3 |
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Gast
Gast

Der Beitrag ist ein Teil des internationalen Trommelfeuers auf Zulassung einer Droge.
Immer in einem anderen Deckmäntelchen.

#2 |
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“…führten zwei der Autoren einen einmonatigen Selbstversuch mit regelmäßiger Einnahme von Dronabinol (halbsynthetisch hergestelltem THC) und umfangreiche Messungen durch….”
sehr selbstlos, die werten Kollegen :-o natürlich nur im Dienste der Wissenschaft ;-)

#1 |
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