Adiponectin: Schwergewicht im Babybett

16. Oktober 2015
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Ein hohes Gewicht des Embryos führt zu möglichen Geburtsrisiken. Jetzt haben Forscher entdeckt, dass Adiponectin als Hormon regulierend wirkt. Ihre Resultate aus dem Tierexperiment lassen sich nur bedingt auf Menschen übertragen.

Ab einem Gewicht jenseits der 95. Perzentile, sprich 4.350 Gramm oder mehr, sprechen Ärzte von fetaler Makrosomie. Als Auslöser gilt bei adipösen Frauen ein Gestationsdiabetes. Gynäkologen raten Patientinnen oft von einer vaginalen Geburt ab, um Schädigungen des Armgeflechts beim Baby zu vermeiden. Entsprechende Risiken sind bei Ungeborenen jenseits von 4.000 Gramm um das Zweieinhalbfache erhöht. Kinder laufen auch Gefahr, später selbst an Adipositas zu erkranken. Grund genug für Wissenschaftler, nach möglichen Wegen aus diesem Teufelskreis zu suchen.

Mäuse mit Masse

Ein US-amerikanisches Forscherteam um Irving L. M. H. Aye und Thomas Jansson hat jetzt gezeigt, welchen Effekt Adiponectin zumindest im Tierexperiment zeigt. Das Hormon kommt normalerweise in Adipozyten, sprich Fettzellen, vor, und führt zu mehr Insulinempfindlichkeit. In normalem Maße mach das Sinn: Adiponectin signalisiert sinkende Fettreserven. Bei adipösen Mäusen führten ohnehin niedrige Spiegel zur Überversorgung des Embryos. Die Folgen: ein stärkeres intrauterines Wachstum und ein höheres Geburtsgewicht. Aye und Jansson gaben stark übergewichtigen Tieren in späten Schwangerschaftsstadien täglich Adiponectin per Infusion; eine Kontrollgruppe wurde nicht behandelt. Ohne Therapie war das Geburtsgewicht um 29 Prozent höher als bei der Hormongruppe. Das Fazit: Adiponectin verhinderte Hyperglykämien im fetalen Kreislauf.

Keine Empfehlung für die Praxis

Beide Autoren sehen in ihrem Experiment vor allem Thesen zum Stoffwechselgeschehen während der Schwangerschaft bestätigt; einen Ratschlag für die Praxis geben sie nicht ab. Adiponectin hat derzeit keine Zulassung als Arzneimittel. Falls Arbeitsgruppen tatsächlich klinische Studien planen, was derzeit ungewiss ist, werden sie vor allem die Dosierung mit Bedacht wählen. Geben sie werdenden Müttern zu große Mengen des Hormons, kommt es zur Unterversorgung des Embryos.

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Forschung, Pharmazie

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