Alzheimer: Mikroglia-Schutz mit Verfallsdatum

14. Oktober 2015
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Die Mikroglia-Zellen verhindern zunächst die Ablagerung von Eiweißfragmenten, verlieren jedoch im Laufe ihres Lebens diese schützende Funktion. Auch könnte ein neues Zellkultursystem künftig helfen, die Zahl an Tierversuchen zu senken.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Alzheimer-Forschung sind die Beta-Amyloid-Plaques. Wie genau diese Ablagerungen entstehen, ist umstritten und letztlich unklar. Die Aufklärung dieses Mechanismus scheint jedoch ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung innovativer Therapien, die beispielsweise die Plaque-Bildung verhindern.

Prof. Dr. Knut Biber, Leiter der Sektion Molekulare Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, und PD Dr. Sabine Hellwig, Ärztin im Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg des Universitätsklinikums Freiburg, konnten nun zeigen, dass die Mikroglia die Entstehung der Beta-Amyloid-Plaques zunächst verhindern. Im Lauf der Zeit verlieren die Mikroglia jedoch diese beschützende Funktion und lassen die Beta-Amyloid-Ablagerung geschehen.

Dieser nachlassende Schutz scheint mit den Alterungsprozessen der Mikroglia in Zusammenhang zu stehen. Damit ist ein zentraler Punkt gefunden, an dem die Alzheimer-Forschung ansetzen kann: „Sollten wir die Alterung der Mikroglia verlangsamen oder gar aufhalten können, könnte dies einen Schutz vor der Alzheimer-Erkrankung bedeuten“, erläutert Prof. Biber. Des Weiteren gelang es den Forschern erstmals, Beta-Amyloid-Plaques in einem Zellkultursystem entstehen zu lassen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz: „Nun können wir die Entstehung der Plaques mit weniger Tierversuchen erforschen“, ergänzt Dr. Hellwig.

Originalpublikation:

Forebrain microglia from wild-type but not adult 5xFAD mice prevent amyloid-β plaque formation in organotypic hippocampal slice cultures
Sabine Hellwig et al; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep14624; 2015

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Forschung, Medizin, Neurologie

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