Arzt vs. iPhone: Wer diagnostiziert besser?

7. September 2011
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In Zeiten von Wikipedia, in denen der Patient meint, besser informiert zu sein als der Arzt, wartet eine neue Bedrohung: Das iPhone. Apps diagnostizieren Krankheiten - und sind darin auch noch gut.

Im Juli veröffentlicht die Health Discovery Corporation die MelApp. Diese iPhone App ist in der Lage das Risiko von Hauteffloreszenzen zu beurteilen. Grundsätzlich geht es nicht darum den Hautarzt zu ersetzen, sondern vielmehr als ein Frühwarnsystem zu fungieren, das bei Veränderungen den Anwender warnt und zum Spezialisten schickt. Dabei wird die bekannte ABCDE-Regel (Asymmetrie, Begrenzung, Colorit, Durchmesser, Erhabenheit) angewandt.

Hoch effiziente mathematische Algorithmen und Mustererkennung

Die MelApp ist jedoch nicht die erste auf dem Markt: Dieses Jahr wurde die Skin Scan App von Cornian Labs aus Rumänien veröffentlicht, welche ebenfalls Hautveränderungen beurteilen kann. Die Funktionsweise der Software ist bei beiden ähnlich: Mithilfe von mathematischen Algorithmen und Mustererkennungstechnologie wird das fotografierte Bild analysiert. Dank einer riesigen Bilddatenbank wird das die Hautveränderung mit einer Vielzahl anderer verglichen und davon abhängig in niedriges, mittleres und hohes Risiko eingeteilt. Gleichzeitig können Veränderungen auch über die Zeit gespeichert und beurteilt werden. Bei Bedarf zeigt die MelApp dann mittels GPS-Unterstützung die Adresse zum nächsten Dermatologen.

Ganz kostenlos sind diese Programme nicht: Aber bei 3,99€ für die Skin Scan App bzw. 1,59€ für die MelApp bleibt es ein fairer Preis für ein effektives Frühwarnsystem, das so mancher Patient sicher dem Arztbesuch vorziehen wird.

Medizinstudium überflüssig

Konkurrieren diese Anwendungen aber nicht letztendlich mit einem jahrelangen, anstrengenden Medizinstudium? Wird Erfahrung angesichts solcher Entwicklungen überflüssig,? Kann der Arzt langsam einpacken? Es fängt mit kleinen Apps an; doch wo endet diese Entwicklung?

Die Apps sind tatsächlich nur der Anfang eines neuen Zeitalters in der Medizin. Dank günstiger, hochleistungsfähiger Hardware, und ausgefeilter technologischer Software können wahrscheinlich viele Arbeitsschritte erleichtert werden. Trotzdem bleibt es ein Computer: Der Blick eines Fachmanns kann auch langfristig nicht ersetzt werden. Das Überblickswissen, das im Medizinstudium beigebracht wird, das Spezialwissen, das nach dem Studium durch jahrelange Praxis erworben wird und das technische Können aus zahllosen Anwendungen kann nicht über Nacht ersetzt werden.

Die Diagnostik und Therapie bleibt auch in Zukunft in der Hand des Spezialisten. Solche Apps dienen bestenfalls als Gatekeeper und Frühwarnsystem. Einen Besuch beim Arzt des Vertrauens ersetzen sie nicht – doch das müssen die Patienten sich auch zu Herzen nehmen.

Können wir also beruhigt weiter studieren?

56 Wertungen (4.23 ø)
Allgemein

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5 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

@ 3
“Der Studierende lernt inzwischen aber nur noch, was er auch gefragt wird,…”
Natürlich tut “der Studierende” das. Wo soll man auch die Zeit hernehmen neben den ganzen Kolibris noch das Sinnvolle zu lernen? Man kann natürlich auch auf Verständnis lernen und durch alle Prüfungen fallen. Das erfüllt den Zweck aber noch weniger. Wahlweise kann man einen Kompromiss eingehen und von beidem etwas Lernen. Dann hagelt es schlechte Noten – und die sehen viele gar nicht gerne.

“somit wird er sich als zukünftiger Arzt damit auseinandersetzen müssen, dass die Patienten (insbesondere da Sie mehr Zeit haben) besser sind als Sie.”
Ich weiß, Menschen neigen dazu sich dem Satz hinzugeben “Früher war alles besser.”. Aber mal ganz ehrlich: das stimmt doch nicht. Die jetzigen Ärzte waren am Ende ihres Studiums auch nicht schlauer und sie konnten auch praktisch nicht mehr. Und auch vor 50 Jahren war das genau so. Man redet sich nur gerne ein man selber gehöre zu denjenigen, bei denen alles anders ist. Je weiter der letzte Lebensabschnitt zurückliegt desto rosiger wirkt der eigene Lebenslauf.

@4
Man könnte den Anteil der Android-Nutzer aber sicherlich durch komfortable Nutzbarkeit des Portals erhöhen.

#5 |
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@1: Nein, wir bekommen keine Apple-Provisionen. Aber unsere Serverstatistiken sagen ganz deutlich, wer unter unseren Lesern im Smartphone-Segment die Nase vorn hat: das iPhone. Android macht zur Zeit nur einen kleinen Teil unserer Mobile-Nutzer aus.

#4 |
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Das App macht genaus das, was Medizinstudierende immer seltener anwenden, da nicht Prüfungsrelvant. Ganz stupide Algorhitmen abarbeiten, die einfach und solide sind. Das IMPP fragt aber nicht danach. Der Studierende lernt inzwischen aber nur noch, was er auch gefragt wird, somit wird er sich als zukünftiger Arzt damit auseinandersetzen müssen, dass die Patienten (insbesondere da Sie mehr Zeit haben) besser sind als Sie. Nur bei Transferwissen sind die Studierenden im Vorteil, ist aber häufig nicht notwendig, wie das amerikanische System zeigt, bei der die Kompetenzen der Schwestern ja auch viel höher sind und diese auch nach einfach Algorithmen arbeiten.

Es wird wieder Zeit für Kompetenzbasierte Prüfungen, woe die Anwendung des Wissens geprüft wird.

#3 |
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Student der Humanmedizin

Sehr interessanter Artikel! Die Gefahren der Selbstdiagnose per Internet & Technik sind ja schon seit wikipedia bekannt – viel mehr sehe ich hier auch neue Möglichkeiten für den Arzt, wie z.B. eine Art Echtzeit-Konsultation per Internet für kleiner Kliniken und Hausärzte mit Fachärzten etc.

Bin sehr gespannt was die Zukunft so bringt. Mal wieder ein Zeichen, dass man es sich als Arzt nicht erlauben kann, nicht auf dem Stand der Zeit zu sein.

#2 |
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Thomas Widmann
Thomas Widmann

interessanter Artikel in Bezug auf die Tatsache, dass es das App gibt. Die Frage, ob Studium oder Ärzte ersetzt werden können, beantwortet sich aber von selbst.
Was mich hier auf DocCheck generell stört ist die iPhone-Lastigkeit. Das DocCheck App gibts nur im iTunes Store und in vorhergehenden Artikeln wird auch nur vom iPhone geredet. Kriegt ihr eine Provvision von Apple?
mfG

#1 |
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