Daraprim®: Der Spieler ist zurück

25. September 2015
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Edelmetalle, Rohstoffe oder Nahrungsmittel sind für Spekulanten altbekannte Betätigungsfelder. Jetzt haben sie Arzneimittel entdeckt und den Preis für Pyrimethamin-Präparate um satte 5.000 Prozent erhöht. Im Netz regt sich Widerstand – vielleicht sogar mit Erfolg.

Martin Shkreli, früher Hedgefonds-Manager und jetzt CEO von Turing Pharmaceuticals, gilt zurzeit als meistgehasster Mensch im Web. Seine Strategie ist einfach und veritabel: Shkreli sucht im Markt Medikamente, bei denen es kaum therapeutische Alternativen gibt. Er baut seine Monopolstellung aus und erwirbt Rechte. Dann wird kräftig an der Preisspirale gedreht, wie zuletzt bei Daraprim®.

Essentieller Arzneistoff

Das Arzneimittel enthält Pyrimethamin, eine chemotherapeutisch wirksame Substanz. Ärzte verordnen entsprechende Präparate unter anderem bei Toxoplasmose. Betroffene erhalten zwei Wochen lang Pyrimethamin und Sulfadiazin, sollte die Infektion mit Toxoplasma gondii zu Organkomplikationen führen. Besonders gefährdet sind schwangere Patientinnen. Alternativen gibt es kaum. Lediglich Spiramycin kommt infrage, sollten sich Frauen im ersten Trimenon infizieren. Bislang hat Daraprim® wenig Anlass zur Sorge geboten – bei einem Preis von 13,50 US-Dollar pro Dosis und geschätzten Herstellungskosten unter einem Dollar. Doch Shkreli stieß auf das Präparat und auf dessen Alleinstellungsmerkmal.

Rendite größer als im Drogenhandel

Mit seinem Unternehmen Turing kaufte er alle Rechte – und setzte den neuen Abgabepreis bei 750 Dollar fest. Das entspricht einer Steigerung von 5.000 Prozent; mehr lässt sich nicht einmal mit Heroin verdienen. Shkreli sieht in seinem Tun nichts Verwerfliches. Vielmehr wolle er Geld für Forschungsprojekte ausgeben, erwiderte er Medienvertretern. Doch schließlich verlor der vermeintliche Gentleman seine Contenance. Er bezeichnete Journalisten als Idioten („moron“) und postete via Twitter Eminem-Zitate als Reaktion auf Kritik. Das hörte die Netzgemeinde gar nicht gern. Ein wahrer Shitstorm entbrannte, und Shkreli sperrte kurzerhand seinen Channel. Wie ärgerlich, dass Blogger schon längst alle Tweets abgegriffen hatten. Das Sammelsurium nicht zitierfähiger Kraftausdrücke wird ewig im Netz bleiben.

Zocken mit Kursen

Weitere Konsequenzen blieben nicht aus. An den US-Börsen brachen Aktien der Biotech-Branche ein, worüber sich einige Banker vielleicht sogar freuen. Interessanterweise hatte Martin Shkreli vor seiner Zeit als Pharma-Chef oft auf fallende Kurse gesetzt – und zwar über den Leerverkauf von Aktien („short selling“). Damit lassen sich gerade bei einbrechenden Märkten gute Geschäfte machen. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt. Ob der CEO tatsächlich nachgibt, wie in manchen Foren behauptet wird, lässt sich derzeit weder bestätigen noch dementieren. Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kündigte jedenfalls an, sie wolle im Falle ihres Wahlsiegs Preise für verschreibungspflichtige Medikamente bei 250 Dollar pro Monat deckeln.

21 Wertungen (4.62 ø)

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2 Kommentare:

Wirtschaftswissenschaftler

Pharma, Medikamente, Wucher… ? Scheinbar sind keine Gegenspieler vorhanden… Ja, der freie Markt, aber bezahlt wird das meiste über die Versicherten ansonsten wäre so etwas wohl nicht so einfach möglich…

#2 |
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Mitarbeiter Industrie

Spekuliert wird mit allem. Lebensmitteln, Energie, Wohnungen, Trinkwasser, Arbeitnehmern, Flüchtlingen, Schäden Dritter, Krediten, Subventionen und auch Medikamenten. Früher war Wucher verboten und solcher Mißbrauch verpönt. Heute wird er finanziell (und in der Folge politisch !) belohnt. Zeit dem ein Ende zu setzen !

#1 |
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