Zahnerkrankungen: Behandlungskosten mit Biss

24. September 2015
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Weltweit wurden die Behandlungskosten und Produktivitätsverluste in Folge von Zahnerkrankungen ausgewertet. Das Ergebnis: Bessere Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung von Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sind dringend erforderlich.

Karies, Parodontitis und Zahnverlust verursachen weltweit jedes Jahr Milliardenkosten und finanzielle Einbußen, wie ein internationales Wissenschaftlerteam unter Leitung von Professor Dr. Dr. Stefan Listl, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde des Universitätsklinikums Heidelberg, nun ermittelt hat. Allein die Behandlungskosten liegen weltweit bei rund 298 Milliarden US-Dollar jährlich. Dazu kommen pro Jahr sogenannte Produktivitätsverluste am Arbeitsmarkt, z. B. bedingt durch Fehltage, in einer Größenordnung von geschätzt 144 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im gleichen Berechnungszeitraum wurden die Behandlungskosten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf 474 Milliarden US-Dollar und für Diabetes auf 376 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Vorsichtige Ergebnisinterpretation

„Laut Weltgesundheitsorganisation zählen Erkrankungen der Zähne weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. Abgesehen von negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität ist die Behandlung sehr teuer. Dabei wäre ein Großteil dieser Erkrankungen durch Prävention vermeidbar”, erklärt Listl. „Mehr und bessere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung von Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sind daher weltweit von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Der Mund- und Zahngesundheit muss dringend mehr Beachtung geschenkt werden.“

Für die Studie werteten die Wissenschaftler mehrere Datenquellen aus, darunter u.a. die Global Health Expenditure Database der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Global Burden of Disease Study 2010. Für Länder ohne Angaben zu Behandlungskosten wurden diese anhand der Informationen aus Nachbarländern geschätzt. Zur Ermittlung der Produktivitätsverluste zogen die Wissenschaftler ein spezielles, von der WHO vorgeschlagenes Verfahren heran, mit dem u. a. Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Zahnschmerzen bzw. Zahnbehandlungen durch krankheitsbedingte Abschläge vom Bruttoinlandsprodukt pro Kopf des jeweiligen Landes quantifiziert werden können. „Unsere Ergebnisse sind freilich nur Schätzungen und bei der Interpretation ist etwas Vorsicht angebracht“, erklärt Listl. „Allerdings sind solche Schätzungen auch für andere Erkrankungen, wie z. B. Krebserkrankungen, üblich.“

Lock-System für Gesundheitsförderung

Er erklärt: „Es gibt Bedarf an praktikablen Konzepten für eine noch mehr auf Prävention ausgerichtete zahnärztliche Versorgung. Sinnvoll könnten z. B. Überlegungen sein, in der zahnärztlichen Vergütung vermehrt Anreize für Gesundheitsförderung und Vorbeugung zu setzen.“

Global economic impact of dental diseases.
Stefan Listl et al.; Journal of Dental Research, doi:10.1177/0022034515602879; 2015

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Das gilt im Übrigen für die meisten Zivilisations-Krankheiten. Von weltweit zu sprechen macht das ganze sehr unfassbar und differenziert auch nicht das Notwendige. Während in vielen armen Ländern wirklich Mangelerscheinungen vorliegen, ist es hier eher ein Wohlstandsproblem. Aufgeklärt sind zumindest in Deutschland wohl die meisten, das heisst aber nicht ,dass es umgesetzt wird. Diese Krankheitssystem ist nichtsehr auf Eigenverantwortung ausgelegt und wenn so etwas geplant würde, müsste von Grund auf viel geändert werden und nicht nur bei der Grundbversorgung Geld einsparen, damit es für anderen Unsinn hinausgeworfen wird. Für Prophylaxe geben die KK nach wie vor sehr wenig Geld aus und die damit Beschäftigten werden nicht so gut entlohnt wie die Operateure. Da in unserer Gesellschaft alles am Faktor Geld gemessen wird, kommt das natürlich auch so bei der Bevölkerung an. Trotzdem es Studien gibtdarüber, dass viele OPs vermeidbar, wenn nicht gar schädlich sind, wird gerade so weiter verfahren. Und für welche natürlichsten Tatsachen inzwischen Studiengelder ausgegeben werden, ist alleine schon der Hohn. Ein bisschen gesunder Menschenverstand hätte das unlängst auch noch vollbracht. Aber da werden bewusst auch gerne Abhängigkeiten geschaffen. An erster Stelle sollte immer die Prophylaxe und Naturheilkunde stehen. Das heisst aber auch, dass sie von der Kasse übernommen werden muss, sonst wird sie nämlich nicht in Anspruch genommen. Als die Vergütung dessen nach und nach aus dem System verschwand, wurden bewusst die Weichen gestellt für die jetzigen Probleme. Gott sei Dank gibt es noch einen Anteil Ärzte, der die Problematik auch so sieht, diese haben dann in der Regel entsprechende Zusatzausbildungen in komplementärmedizinischen Bereich.

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