Kaiserschnitt: Saarland macht kurzen Prozess

28. September 2015
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In Deutschland kommt aktuellen Statistiken zufolge fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Dabei variiert die Sectiorate mit dem Wohnort der Mutter teilweise erheblich. Auch der große Ermessensspielraum der Ärzte scheint die Häufigkeit von Kaiserschnitten zu beeinflussen.

Laut den neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2014 in Deutschland 31,8 % der Babys per Kaiserschnitt zur Welt. Auch wenn sich die Sectiorate damit im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert hat, ist sie weiterhin ein Beleg für den steigenden Trend zu dieser Entbindungsart in den vergangenen Jahrzehnten. So lag die Rate der Schnittentbindungen im Jahr 2000 noch etwa zehn Prozentpunkte niedriger, insgesamt hat sie sich seit 1991 sogar verdoppelt. Bemerkenswert sind dabei auch die großen regionalen Unterschiede: Während im Bundesland Sachsen nicht mal jedes vierte Baby per Kaiserschnitt entbunden wird, ist es im Saarland fast jedes zweite.

Offenbar steigt die Akzeptanz gegenüber der Operation, sowohl auf Patienten- als auch auf Arzt-Seite. Gleichzeitig ist der Entscheidungsspielraum, wann Geburtshelfer den kaiserlichen Schnitt für gerechtfertigt halten, sehr weit gefasst. Doch auch wenn Kaiserschnitte inzwischen als risikoarm gelten, gehen verschiedene kindliche und maternale Morbiditäten mit diesem Geburtsmodus einher. Organisationen wie die WHO beobachten den Trend zur Schnittentbindung daher mit Sorge. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sieht offenbar einen Bedarf dafür, die Indikation zum Kaiserschnitt zu konkretisieren und meldete im Mai dieses Jahres eine Leitlinie zur Sectio caesarea an.

Kaiserschnitt als Lebensretter

Ganz ohne Zweifel ist die Schnittentbindung unverzichtbar, wenn die kindliche und/oder mütterliche Gesundheit – im Extremfall auch das Leben – auf dem Spiel stehen. Zu den medizinisch zwingenden Gründen für einen primären Kaiserschnitt zählen zum Beispiel:

Daneben machen auch häufig Komplikationen, die sich erst unter der Geburt entwickeln, etwa eine drohende Sauerstoffunterversorgung, einen sekundären Kaiserschnitt notwendig. Insgesamt betreffen solch dringende Indikationen jedoch nur etwa 10 % der durchgeführten Kaiserschnitte, während sich 90 % auf sogenannte relative Indikationen begründen – Situationen also, die Ärzten, Hebammen und nicht zuletzt der Schwangeren einen gewissen Entscheidungsspielraum überlassen. Die dabei am häufigsten aufgeführten Gründe, wie vorausgegangene Sectiones, ein pathologisches CTG, protrahierte Geburten, Geburtsstillstand, Erschöpfung der Mutter oder fetale Makrosomie, lassen erahnen, wie schwierig es ist, klare Entscheidungsgrenzen zu ziehen.

Wenn Wünsche wahr werden

Nicht zuletzt spielen in der anschwellenden Statistik auch die sogenannten Wunschkaiserschnitte eine zunehmend wichtige Rolle. Über die Häufigkeit des medizinisch kaum bis gar nicht indizierten Kaiserschnitts lässt sich keine sichere Aussage treffen. Die wahren Zahlen bleiben hinter den Statistiken zu primären und sekundären Sectiones verborgen – Wunschkaiserschnitte werden nicht gesondert erfasst. Zu den Gründen für die Geburt nach Wunsch zählt unter anderem die Hoffnung der Patientinnen auf weniger Schmerzen im Vergleich zur vaginalen Geburt. Aber auch Befürchtungen, sexuelle Beeinträchtigungen, Dammverletzungen oder Beckenbodenschäden durch eine natürliche Geburt zu erleiden, treiben die Zahl der Wunschkaiserschnitte nach oben.

Zudem betrachten viele Eltern die Planbarkeit einer solchen Wunschgeburt als Pro für den Kaiserschnitt – und sind damit nicht allein. Auch für Geburtskliniken sind geplante Entbindungs-OPs bei knapper Personalstruktur mitunter attraktiver als zeitlich kaum kalkulierbare natürliche Geburten. Dies spiegelt sich sogar in den Sichtweisen der Fachgesellschaften wider: Die DGGG ordnet den Mangel an Personalressourcen und Klinikorganisation beispielsweise als relative Kaiserschnittindikation ein. Dass diese Handhabe durchaus an der Tagesordnung ist, unterstreichen die vergleichsweise höheren Kaiserschnittraten in Kliniken mit Belegfachabteilungen.

Des Kaisers Schnitt und seine Folgen

Dass Schnittentbindungen heutzutage offenbar als eine elektive Entbindungsart angesehen werden, ist sicher auch ein Verdienst der mit den Jahren stetig gesunkenen mütterlichen und kindlichen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken. Hinsichtlich der kurzfristigen negativen Auswirkungen auf die kindliche Gesundheit gelten die natürliche Geburt und der Kaiserschnitt unterm Strich als vergleichbar. Neuere Studien weisen jedoch darauf hin, dass Kaiserschnitte möglicherweise auch langfristige gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. Diskutiert wird etwa darüber, ob per Kaiserschnitt geborene Kinder im späteren Leben ein höheres Risiko für Asthma bronchiale, allergische Rhinitis oder Diabetes Typ 1 aufweisen. Allerdings ist die bisherige Datenlage noch unzureichend, um kausale Zusammenhänge nachzuweisen.

Unbestritten ist hingegen das höhere Risiko respiratorischer Komplikationen von Kaiserschnittkindern, allen voran das Respiratory distress syndrome (RDS) oder eine transitorische Tachypnoe des Neugeborenen (TTN). Nicht wegzudiskutieren sind auch die bekannten – inzwischen scheinbar wenig beachteten – maternalen Risiken, sei es in Form von intraoperativen Komplikationen oder postoperativen Gefahren, wie z. B. Blutungen und Thromboembolien. Auch die durch den Kaiserschnitt steigenden Risiken für Folgeschwangerschaften, wie zum Beispiel Plazentationsstörungen oder eine Uterusruptur, scheinen bei der oft großzügig gefällten Entscheidung zur Schnittentbindung zu wenig Gewicht zu haben.

Entscheidung zum Schnitt neu überdenken

Vor nunmehr 30 Jahren forderte die WHO bereits eine „Idealrate“ für Kaiserschnitte von 10 bis 15 %, da sich hierfür der größte gesundheitliche Nutzen bezüglich Morbidität und Mortalität herausstellte. Oberhalb dieser – in Deutschland längst überschrittenen – Grenzen sah die Organisation hingegen keinen Nachweis für eine Verbesserung dieser Parameter. „Diese Ergebnisse unterstreichen den Wert der Sectio caesarea als lebensrettende Maßnahme für Mutter und Kind“, sagt Dr. Marleen Temmerman, Leiterin des WHO Department of Reproductive Health and Research. „Sie zeigen aber auch, wie wichtig es ist, dass Kaiserschnitte vor allem den Frauen vorbehalten bleiben sollten, die sie wirklich benötigen und sich nicht auf irgendeine bestimmte Rate zu fixieren.“

Um die Hintergründe des weltweit steigenden Trends aufzudecken und Sectioraten international vergleichbar zu machen, möchte die WHO zumindest vorläufig die sogenannte Robson-Klassifikation nutzen. Dabei erfolgt eine Zuordnung der Schwangeren in eine von zehn Robson-Gruppen anhand simpler Kriterien, wie Parität, Gestationsalter, stattgehabte Sectio oder Kindslage. „Um den Einsatz von Kaiserschnitten zu optimieren und die Qualität der gesundheitlichen Versorgung zu bewerten und zu verbessern, ist es zwingend notwendig, Informationen in standardisierter, einheitlicher und reproduzierbarer Weise zu sammeln“, erklärt Dr. Temmerman. „Wir fordern Gesundheitssysteme und Entscheidungsträger dringend dazu auf, dies zu bedenken und so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.“

Dem Trend entgegensteuern: Einige Länder machen es vor

In Europa gibt es bereits erfolgreiche Beispiele für Gegenmaßnahmen: In Portugal [Paywall] – das im europäischen Vergleich eine der höchsten Kaiserschnittraten aufweist – konnte zum Beispiel eine aktuelle Untersuchung bestätigten, dass sich die Sectiorate mithilfe von Personalschulungen und einem geeigneten System zur Informationsübertragung senken ließ. Das Programm startete bereits 2010 und wurde von der Regierung seit 2013 verstärkt vorangetrieben, indem sie sogar ein nationales Komitee zur Senkung der Sectiorate einrichten ließ. Im Ergebnis konnte eine signifikante Reduktion der Kaiserschnittrate von 36,6 % auf 33,1 % über einen Zeitraum von 5 Jahren erreicht werden.

In Brasilien, das aktuell mit 55,6 % gemeinsam mit der Dominikanische Republik (56,4 %) weltweit Rekordhalter in Sachen Kaiserschnitt ist, hat man sich ebenfalls zum Handeln entschlossen. Hier setzt man auf behördliche Schulungen des Klinikpersonals sowie stärkere Kontrolle auf den Stationen. Künftig will man hier zudem die Mütter durch gezieltere Aufklärung mit ins Boot holen. Die brasilianische WHO-Expertin Suzanne Serruya bringt die Problematik auf den Punkt: „Kaiserschnitte können Leben retten. Doch es ist wissenschaftlich unumstritten, dass die Geburt normal verlaufen sollte.“ Aufgrund all der Risiken, die jede Operation mit sich bringe, solle der Kaiserschnitt daher stets die Ausnahme bleiben.

111 Wertungen (4.25 ø)
Gynäkologie, Medizin

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27 Kommentare:

Elvira Braukmann
Elvira Braukmann

@Dr. med. Elena Habersetzer, ihr ärztliches “Selbstbewusstsein” ist schon bemerkenswert, in welcher Welt leben Sie als Ärztin? Im Zeitalter der Haftpflicht für jeden gesundheitlichen Schaden mit den bekannten Rekordsummen bei der Geburtshilfe können die Hebammen schon lange nicht mehr mithalten, auch kleinere Krankenhausabteilungen müssen hier dicht machen, sehr schade.
Ich halte es allerdings schon für anachronistisch, heute bei einer Geburt auf eine professionelle stationäre Kreissaalumgebung zu verzichten.
Das Thema Kaiserschnittindikation ist nun wirklich nicht neu.
Na klar gehört auch ein bischen Mut dazu auf einen Kaiserschnitt im Zweifelsfall zu verzichten. Der erhobene Zeigefinger ist dagegen völlig unangebracht.
Na ja, vielleicht für Brasilien mit über 50%

#27 |
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Die gynäkologischen Kollegen haben in ihrem Berufsalltag viel mit den Pathologien zu tun, weniger mit der Normalität. Daraus entwickelt sich ein besonderer Blickwinkel und ein hoher Sicherheitsanspruch, was sicherlich einer oder anderen Patientin zugute kommt. Deshalb ist eine schnelle Entscheidung für das Sectio oft kein Fehler, sondern das Ergebnis einer selektiven Wahrnehmung. Eine normale Geburt ist jedoch per se kein Krankheitsbild, daher wäre es sehr gut, wenn die Patientinen primär von einer qualifizierten Hebamme begleitet würden. Und hier liegt nämlich das Problem. Wo finden Sie heute noch eine selbständige Hebamme? Viele hoch qualifizierten Hebammen hängen ihren Beruf aufgrund der überhöhten Versicherungsbeiträge an den Nagel oder lassen sich in einem Krankenhaus einstellen und werden somit zum stummen Arztdiener, ein trauriges Bild. Durch “Personalschulungen” kann man sicher eine oder andere Statistik sanieren, nicht jedoch das Gesundheitssystem.

#26 |
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Gast
Gast

“Auch wenn sich die Sectiorate damit im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert hat, ist sie weiterhin ein Beleg für den steigenden Trend zu dieser Entbindungsart in den vergangenen Jahrzehnten.”
Wie statistisch korrekt ist denn diese Aussage?

#25 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Vor 50 Jahren waren Kaiserschnitte teuer und seltener, das führte zu Unsicherheiten und langen Bedenkzeiten, bei meiner Geburt lag meine Mutter 24 Stunden in den Wehen ! Das schwächte sie sehr aber es kam nicht zu einem Kaiserschnitt. Später fragte sie sich warum nicht . Es ist soweit noch gut gegangen aber 24 Stunden Wehen entkräften sehr. Warum konnte man auch nicht erklären es gab damals die technische Ausrüstung wie Ultraschall noch nicht, auch hatte man die Herztöne des Kindes zugrunde gelegt das soweit alles in Ordnung wäre. Heute gibt es viele Parameter und Untersuchungen die erklären warum es mehr Kaiserschnitte gibt als früher. Einfacher ist es auch heute noch nicht das zu entscheiden , es kommt auf die Gesamten Eindrücke und auch auf die der Mutter empfundenen Kräfte an.-

#24 |
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Ich habe beides durchgemacht ! Mein erstes Kind habe ich wegen BEL per Sectio, mein zweites normal geboren. Und ich muss sagen , ich würde JEDERZEIT wieder eine Sectio einer normalen Geburt vorziehen , eben weil bei mir jede Menge unter der normalen Geburt kaputt gegangen ist . Meine Kinder waren normal groß ( 2800 bzw. 3200 g ) und ich bin zwar eher zierlich gebaut aber im Normbereich, es gab also keinen Grund anzunehmen , dass eine normal Geburt mir schaden könnte und ich musste es ja unbedingt ” erfahren ” …. Mein Fehler …. Aber um so mehr empfinde ich es als Zumutung , Frauen vorzuschreiben , wie sie zu gebären haben …. zumal die Risiken heutzutage beider Entbindungsarten zwar anders gelagert, aber sicher vergleichbar sind .
Meine Kinder sind übrigens mittlerweile erwachsen und sind ( und waren es ) purzelgesund !

#23 |
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Hebamme Silke Becker
Hebamme Silke Becker

Ach nochwas, Frau Schüler.
Es gibt die Statistiken über Risiken bei Vaginalgeburten.
Bezüglich der Schulterdystokie besagen sie, dass der Faktor Geburtsgewicht kaum eine Rolle spielt. 48% der Kinder, bei deren Geburt eine Schulterdystokie auftrat waren Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 4 kg.
Nachzulesen ist vieles bei der DGGG oder AWMF.

#22 |
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Hebamme Silke Becker
Hebamme Silke Becker

@#5 die wenigsten Frauen WOLLEN einen Kaiserschnitt. Das wird gerne so dargestellt, aber ich höre bei Erstgebärenden fast ausschließlich: “Ich will auf keinen Fall einen Kaiserschnitt.” und bei Frauen, die einen hatten: “Ich hätte lieber normal geboren.”

@Dr. Hefter Ich verstehe Ihre Kritik bzgl CTG, habe den Punkt jedoch bewusst gewählt. Zu oft habe ich gesehen, wie physiologische Herztonabfälle bei Beckeneintritt oder Dip1 die Geburtshelfer unnötig nervös machten und sie dazu brachten, unnötige Intervention anzuleiten, um die Geburt zu beschleunigen. “Katastrophen” wie Sie sie nennen habe ich persönlich ironischerweise in der AP nur nach unauffälligem CTG erlebt. Nach suspektem oder sogar pathologischem (dann wurde natürlich entsprechend reagiert) habe ich in der Regel erstaunlich fitte Kinder erlebt. Das ist aber natürlich nicht representativ.
Dass das Dauer-CTG das Outcome nicht verbessert ist soweit ich informiert bin aber sogar nachgewiesen worden.

@Fr. Schüler Was Sie erlebt haben tut mir leid. Aber gerade als Angehörige eines medizinischen Berufs sollten Sie dazu in der Lage sein, nicht aus ureigener Erfahrung und Einzelfällen eine Allgemeingültigkeit abzuleiten. Das wäre, als würde man sagen, bei leichten Bauchschmerzen sollte der Blinddarm sicherheitshalber entfernt werden, denn ich hatte leichte Bauchschmerzen und bei mir wars der Blinddarm.
Niemand bezweifelt den Nutzen, ja Segen des notwendigen Kaiserschnitts. Es geht hier um die 20%, die unnötig sind. In Zahlen sind das ungefähr 143000 unnötige Kaiserschnitte in Deutschland im Jahr 2014. Und 71500 Kaiserschnitte, die notwendig waren.

#21 |
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Ergänzende Bemerkung zu “Folgen des Kaisers Schnitt”:
In der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis bildet sich mit der Kaiserschnittentbindung ein deutlicher Risikofaktor für die seelische, aber auch sensomtorische Entwicklung des Kindes ab.

#20 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ärzte und Hebammen müssen auf jeden Fall mehr darüber wissen, wann ein Kaiserschnitt indiziert ist.

Wenn irgendeine Gefahr für Mutter und Kind besteht, wie im Fall der Frau Schüler – hier hätte ja, neben den unzumutbaren Verletzungen der Mutter, auch das Kind großen Schaden nehmen können – sollte ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, ohne wenn und aber.

Ich sehe im heutigen Klinikalltag hier viel zu wenig Kompetenz. Könnte eigene Erfahrungen beisteuern, auch die von Bekannten, dies führt jedoch zu weit. Bildet die Ärzte besser aus rund um Geburtshilfe und Neonatalmedizin.

Kaiserschnitte á la Hollywood sehe ich ebenfalls kritisch.

#19 |
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Heilpraktikerin

Hallo Frau Huber,

mich persönlich macht es schon immer ein wenig “wütend” wenn ich die negative Haltung gegenüber einem Kaiserschnitt erlebe.
Mein erster Gynäkologe hielt auch an einer “natürlichen Geburt” fest und riskierte das Leben von meiner Tochter und mir.
Meine Tochter kam mit 4990 g und einer länge von 510 mm auf die Welt. Natürlich, ohne Kaiserschnitt und ohne das ich jegliches Schmerzmittel erhielt.
Das Problem, der Kopf passte ja irgendwann, nach stundenlangen Presswehen durch, aber die Schultern nicht. Ich glaube ich muss in diesem Fachforum die dramatischen Stunden die darauf folgten nicht weiter schildern.
Auch brauche ich nicht weiter zu erwähnen, dass viele Eingriffe über eine ganzes Jahr folgten, bis man meine Geschlechtsteile einigermaßen wieder “rekonstruierte”.
Es gibt so viele Statistiken, mit denen man gerne darlegt, wie schädlich doch ein Kaiserschnitt sein kann. Wo bleiben die Statistiken, die belegen, was denn alles bei einer natürlichen Geburt für Mutter und Kind schiefgeht.

Natürlich geht der Entschluss ein Kind zu bekommen auch mit einem gewissen Risiko ein, dass vieles “schief” gehen kann. Das liegt nun mal in der “Natur der Dinge”.
Aber ich finde Ärzte unverantwortlich, die nur um eine “natürliche Geburt” zu vollziehen, eine Mutter ins offene Messer laufen lässt, wie es bei mir der Fall war.
Vor allem wenn ich dem Arzt mehrmals mitteilte, dass es in unserer Familie noch nie ein Kind unter 9 Pfund Geburtsgewicht gab.

Glücklicherweise hatte mein zweiter Gynäkologe bei dem zweiten Kind von vornherein einen Kaiserschnitt geplant. Meine zweite Tochter war etwas leichter und auch etwas länger als die erste und somit auch schmaler. Trotzdem war auch sie mit 4600 g ein großes Kind mit einem nicht zu unterschätzendem Kopfumfang.

Ich kann nur sagen, vom Kaiserschnitt habe ich mich nach einer Woche erholt. Von der natürlichen Geburt, den nachfolgenden Eingriffen und dem hohen Blutverlust brauchte ich über ein Jahr bis ich mich einigermaßen erholte.

Gesundheitlich sehe ich auch keine Unterschiede zwischen beiden Kindern. Beide haben leichtes Heuschnupfen von Ihrem Vater geerbt, aber kein Asthma. Ansonsten erfreuen sich beide bester Gesundheit und einer robusten Natur. Mittlerweile sind sie 19 und 16 Jahre alt.

#18 |
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Das vaginal geborene Kind bekommt seinen ersten Umweltkontakt über die ihm gemäße Bakterienflora der Mutter, das durch Sectio geborene über die nun wirklich nicht unproblematische des Krankenhauses. Untersuchungen bestätigen die deutlich bessere Immunitätslage der vaginal entbundenen Kinder und deren günstigere Zukunftsperspektive. Es braucht wirklich einen verbindlichen Indikationenkatalog für die Sectio caes.

#17 |
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Kris
Kris

ich fordere wunschkaiserschnitte als private leistung –> jede frau die trotz vorheriger individueller und intensiver aufklärung sich weiterhin für einen wunschkaiserschnitt entscheidet, sollte vorab die kosten für diese unnötige operation aus eigener tasche tragen. eine kosmetische WUNSCHoperation -gleichgültig welcher art- wird z.B. auch nicht von den kassen unterstützt und getragen bzw finanziert. wenn man gesetzlich festlegen würde, dass die kassen die wunschkaiserschnitte nicht finanziell “unterstützen” dürften, dann hätten wir einige unnötige OP’s und somit folgekomplikationen weniger. ansonsten gehe ich sehr konform mit der argumentation meiner hebammenkollegin silke becker und der von frau dr a. hefter –herzlichen dank dafür

#16 |
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Ärztin

Ich danke meiner Hebamme, dass sie in mich vertraute und mit mir gemeinsam bei ET+12 in einer würdevollen und selbstbestimmten Hausgeburt mein zweites Kind entband. Und das, obwohl ich eineinhalb Jahre zuvor einen ärztegemachten, traumatischen, durch völlig falsche Einleitung verursachten Kaiserschnitt hatte. Allein meine Hebamme und diese 1:1-Betreuung haben mir diese spontane Entbindung ermöglicht.

#15 |
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Gast
Gast

Ich habe in meiner über 30jährigen Praxis die Erfahrng gemacht, das Kinder, die per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt haben in ihrem späteren Leben mit Problemen schlechter zurecht kommen und wenn Ihnen ein Problem z.B. Schulprobleme etc.) begnenet, diese in den meisten Fällen die Schuld bei anderen suchen, statt über sich nachzudenken. Diese Kinder haben nie die Erfahrung gemacht um etwas kämpfen zu müssen (wie bei einer natürlichen Geburt, wo Sie sich durch den engen Geburtskanal kämpfen müssen, um ins Leben zu kommen).

#14 |
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Dr med. Matthias Geberth
Dr med. Matthias Geberth

…Es gibt überhaut keinen Grund als Geburtshelfer ein Risiko für Mutter und Kind und dann auch fü ich selbst einzugehen, man schaue sich nur die Versicherungssummen dann, die bezahlt werden müssen wenn man Geburtshilfe betreibt. Hier liegt die Wahrheit über die hohe Rate an Kaiserschnitten.

#13 |
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Gast
Gast

@Dr. Almut Hefter
Gerade Punkt 6 der Liste der Kollegin ist ein wichtiger Punkt!
Erwiesenermaßen ist das Dauer-CTG sub partu der intermittierenden HT-Kontrolle NICHT überlegen und führt zu KEINEM bessere fetal outcome.
Das ist auch wissenschaftlich belegt und unumstritten.

Besonders wichtig ist mir hier die Hervorhebung der 1:1 Betruung jeder Frau unter der Geburt – welche nachweislich die für Mütter und Kinder sicherste Form der Geburtsbegleitung darstellt.

Da Gebärende keine “Patienten” sind (sie sind ja auch nicht krank), erscheint mir Ihre ärztliche Darstellung etwas zu einseitig. Wo ist hier die Hebamme – DEREN Aufgabe es ist, die physiologische Geburt zu betreuen?!
Da steht der Arzt, der mit der Frau eine Entscheidung zu treffen hat viel zu sehr im Vordergrund!

Ich fordere ebenfalls die klare Abschaffung der Wunschsectio auf Kosten der Allgemeinheit, die ehrliche Aufklärung beider Seiten (denn ich habe schon mannigfaltige Komplikationen nach Sectio erlebt und KEINE Frau war sich dieser Risiken bewusst gewesen)!

Ich fordere die Aufklärungsarbeit bereits im Schulalter – weg vom Angstmachen hin zum Bestärken der Frauen in ihrer Fähigkeit, zu gebären und zu stillen.

#12 |
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@ Silke Becker:
Punkt 6 ihrer Liste würde ich streichen, definitiv sollte ab der späten Eröffnungsperiode auch bei einer normalen Geburt eine Dauerüberwachung stattfinden – bei intermittierender Auskultation/ Kurz-CTG habe ich schon mehr als einmal Katastrophen erlebt…
Ansonsten gefällt mir ihre Liste sehr, würde einen wichtigen Punkt dranhängen:

Solange wir Geburtshelfer uns vor Gericht immer dann verteidigen müssen, wenn wir den Weg der normalen Geburt versucht haben und NIE dafür, dass wir einen Kaiserschnitt gemacht haben, solange wird die Kaiserschnittrate steigen.

Und dazu müssen sich die Frauen von heute auch erst mal wieder durch eine Geburt kämpfen WOLLEN. Auch hier hat sich viel verändert.
Und heute ist das wichtigste Gebot nur dieses: bitte ein gesundes Kind. (Bitte, nicht falsch verstehen, natürlich will NIEMAND ein durch die Geburt geschädigtes Kind, auch ein Geburtshelfer natürlich nicht.) Dafür werden heute gerne auch eigene Nachteile in Kauf genommen, z.B. mehr Schmerzen beim Kaiserschnitt, das fehlende “Geburtserlebnis” etc.

War vor 40-50 Jahren die Mortalität der Sectio noch 1:50, so war sie 20 Jahre später auf 1:5000 gefallen. Dadurch haben sich die Risiken einfach verschoben. Denn das “Unfallrisiko” bei der vaginalen Geburt ist nicht kleiner geworden.

Solange es uns Geburtshelfern nicht gedankt wird, dass wir uns die Nacht neben dem Kreißbett um die Ohren schlagen, die Spannung aushalten, die Verantwortung für Mutter und Kind versuchen zu tragen…, sondern uns ständig nur der Richter im Nacken sitzt mit seiner Frage: “Warum haben sie nicht hier oder hier bereits für einen Kaiserschnitt entschieden, sie hätten das Unglück verhindern können…”, solange wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Natürlich gibt es Geburten mit mehr und mit weniger Risiko.
Es ist das Strahlen in den Augen frischgebackener Eltern, die sich durch die Geburt gekämpft haben und nun ihr Kind begrüßen, das mich belohnt. Mehr Geld für die Mühen vorher wäre schön. Aber wegen Geld habe ich noch nie für einen Kaiserschnitt entschieden. Wegen Risiken schon. Und mit Gedanken an den Richter und das Sicherheitbedürfnis der Eltern auch – oft!. Obwohl ich lieber das Strahlen sehen würde….

#11 |
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Der Ermessenspielraum bzgl. Sectio wird doch im Regel vom kaufmännischen Direktor vorgegeben, notfalls wird halt der Chefarzt ausgetauscht

#10 |
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Eva-Charlotte
Eva-Charlotte

“Auch wenn das vielen Kräutergexen/Hebammen gegen den Strich geht.”
Wie war das nochmal mit der “Frechheit”?!
Vielleicht sollte man den Frauen erstmal eine vernünftige Aufklärung anbieten bezüglich den tatsächlichen Risiken einer elektiven Sectio.
Wie soll Frau überhaupt tatsächlich entscheiden können, wenn ihr das grundlegende Wissen fehlt??
Wie wäre es mit einer gnadenlosen Aufklärungspflicht bezüglich den Risiken und evtl.Folgeptoblematik einer Sectio, so wie es vor einer außerklinischen Geburt Standard ist??
Als banales Bsp: Beckenbodenschwäche, Inkontinenz,.. diese entsteht NICHT durch eine Spontangeburt sondern in der Schwangerschaft..
Sämtliche bereits genannten Risiken für Mutter und Kind – unverblühmt, ehrlich und direkt..
Die meisten Frauen überdenken dann ihren Wunsch nach Kaiserschnitt gründlichst

#9 |
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Gast
Gast

Unsachliche Diskussionsgrundlagen.
Erwiesen ist, dass Kinder die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, nun einmal häufiger Krank sind. Vor allem im Bereich Magen / Darm.
Daher ist diese Art der Entbindung zu überdenken.

#8 |
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Gast
Gast

Bei dem ganzen Vergütungsgequatsche fällt mal wieder in BRD der Patient unter den Tisch!
Letztlich liegt die Entscheidung allein, ich betone nochmals, allein bei der entbindenden Frau! Weibliche Selbstbestimmung ist in BRD trotz des 21sten Jarhunderts leider nicht gegeben.
Bedenken Sie bitte den aktuellen Abtreibungstourismus in den Grenzländern. Ich denke die Kaiserliche Entwicklung würde einen ähnlichen Verlauf machen!

#7 |
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Gast
Gast

@#6: das ist doch kein Grund, respektlos und ausfällig zu werden. Sollen doch diejenigen, die es wollen, ihre (teurere) Wunschsectio auf Kosten der Allgemeinheit bekommen. Aber dann sollten doch auch die, die es wünschen, auf Kosten der Kassen ihre (günstigere) außerklinische Geburt haben dürfen. Leider müssen hier tw. Kosten selbst übernommen werden (Rufbereitschaft etc.), sofern es diese Möglichkeit überhaupt noch lange gibt.

#6 |
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Gast
Gast

Frechheit so über Frauen zu bestimmen und sie zu behandeln wie Unmündige!
Da wir nicht in der Steinzeit mehr leben, darf Gott sei Dank jede Frau selbst entscheiden, wie sie entbindet.
@Azadeh Luckhaus: genau meine Meinung!
Ich möchte selbst entscheiden, welcher meiner Körperteile in Mitleidenschaft gezogen wird! Auch wenn das vielen Kräutergexen/Hebammen gegen den Strich geht.

#5 |
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Hebamme

Ich glaube nicht, dass eine Gleichsetzung der Vergütung viel ändern würde.
Als angestellter Arzt im Klinikum bekomme ich dasselbe Geld, egal ob ich Kaiserschnitte mache oder vaginale Geburten. Als Hebamme ebenfalls. Die niedergelassenen Ärzte verdienen am Kaiserschnitt ebenfalls sehr wenig.
Was etwas bringen würde:
1. Keine Wunschkaiserschnitte mehr! “Tarnung” ebensolcher als “psychische Indikation” sollten als Versicherungsbetrug gewertet werden. Angstpatientinnen gehören in psychologische Betreuung, nicht auf den OP-Tisch! Es gibt in Deutschland nämlich deswegen keine Zahlen über Wunschkaiserschnitte, weil es auf dem Papier kein gibt.
2. Schulung medizinischen Fachpersonals in der Durchführung vaginaler BEL-Geburten
3. Endlich vernünftige Personalschlüssel, damit zumindest eine 1:2, idealerweise eine 1:1 Betreuung stattfinden kann,
4. Jährliche Veröffentlichung der Kaiserschnittraten der Kliniken. Die Frauen wollen nämlich zumeist keinen Kaiserschnitt und würden Kliniken mit hohen Raten meiden.
5. Überdenken der Definition des Geburtsstillstandes. 2h kein Geburtsfortschritt sind nicht zwingend ein Geburtsstillstand!
6. Intermittierende Herztönüberwachung statt Dauer-CTG
7. Förderung der aufrechten Gebärhaltung
8. Schluss mit verfrühten Einleitungen
9. ….
10. …

Die steigende Kaiserschnittrate ist das Ergebnis eines kranken Systems.
Es ist Zeit, radikal umzudenken zum Wohl der Frauen und Kinder.
Nur deren Wohl interessiert als letztes.

#4 |
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Gast
Gast

Wenn bei der Mutter aber unter massivem psychischen Druck Ängste geschürt werden und ihr suggeriert wird, dass ohne Sectio ihr Baby stirbt, wird sie ja wohl, zumal gerade bei einer Geburt anderweitig “beschäftigt”, kaum noch nein sagen können. Wenn das alles dann nur stattfindet, um die Entbindung für das KH planbar und lukrativ zu machen, frei nach dem Motto größtmöglicher Gewinn bei geringem Personalaufwand, ist das weit weg von aller Möglichkeit der Selbstbestimmung bei der Geburt. Wie weit es im Übrigen in Deutschland um dieses Recht auf Selbstbestimmung werdender Mütter/Eltern bestellt ist, zeigt der aktuelle Schlichterspruch im Konflikt des Hebammenverbandes mit dem GKV-SV.
Und gleichzeitig wurde in anderen EU-Ländern längst erkannt, dass die Geburt unter 1:1 Betreuung durch eine Hebamme, dann auch gerne außerklinisch, bei weitem die sicherste Variante für komplikationslose Schwangerschaften ist. Die Sectio caesarea also nur noch unter strenger Indikationsstellung durchzuführen, wäre mehr als wünschenswert…

#3 |
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Azadeh Luckhaus
Azadeh Luckhaus

Letztlich liegt die Entscheidung für einen Schnitt oder für eine natürliche Geburt nicht bei der WHO oder sonstigen Organisationen, sondern beim operierenden Arzt und der Patientin. Ersterer hat über die Risiken und die hier sinnvollen Möglichkeiten aufzuklären. Letztere hat zu mit dem Arzt die Entscheidung zu treffen. Alles andere wäre eine Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der Patientin. Dieses Recht sollte trotz WHO-Empfehlungen nie aus den Augen verloren werden.

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Das geht nur übers Vergütungssystem:

Ich glaube der einzige Weg führt über eine Änderung der Vergütung. Eine normale Geburt ist genauso zu vergüten wie ein Kaiserschnitt, nur bei gewissen Indikationen gibt es für den Kaiserschnitt mehr. Man wird sich wundern, wie schnell dann die Rate an Kaiserschnitten sinkt.

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